Darum gehts
- Angestellte kritisieren toxische Arbeitskultur und Gewalt im dänischen Restaurant Noma
- Eigens errichtete Website sammelte bisher 38 anonyme Erfahrungsberichte
- Ex-Praktikant berichtet von Faustschlägen gegen die Rippen
Spitzenkoch René Redzepi (48) feierte mit seinem Fine-Dining-Lokal Noma in der Vergangenheit Erfolge, von denen viele Gastronomen nur träumen können: Das Restaurant in Kopenhagen, das der Däne 2003 gegründet hat und seither als Küchenchef leitet, erhielt im September 2021 offiziell seinen dritten Michelin-Stern. 2023 wurde es von «The World's 50 Best Restaurants» zum fünften Mal als bestes Restaurant der Welt ausgezeichnet.
Jetzt belasten aber schwere Vorwürfe von ehemaligen und derzeitigen Angestellten Redzepis Ansehen: Seinem Sternelokal wird eine toxische Arbeitskultur vorgeworfen. Auf der eigens dafür erstellten Website noma-abuse.com haben 38 Personen ihre Erfahrungen im Betrieb geschildert. Und die haben es in sich: Ein Praktikant berichtet anonym: «Ich wurde während des Dienstes ins Gesicht geschlagen.» Weiter ist von «Faustschlägen in die Rippen» durch Redzepi die Rede, weil jemand «keine Artischocke kochen konnte» oder zu laut war.
Drohungen und sexuelle Belästigung
Zudem habe sich eine 19-jährige Praktikantin während ihres Diensts das Gesicht verbrannt, woraufhin andere Mitarbeiter gelacht haben sollen, statt einen Krankenwagen zu rufen. Auch sexuelle Übergriffe sollen vorgekommen sein. Betroffene kritisieren, dass die Personalabteilung untätig blieb. Statt zu handeln, sollen sie den Whistleblowern gedroht haben mit Aussagen wie: «Wir werden dafür sorgen, dass dich niemand mehr anstellt.» Belegt oder juristisch geprüft sind diese Vorwürfe bislang nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Es ist nicht das erste Mal, dass das Noma deswegen in der Kritik steht: Bereits 2008 zeigte eine dänische Dokumentation den rauen Ton in der Spitzenküche des Lokals. 2015 gestand Redzepi laut mehreren Medienberichten selbst: «Ich war ein Mobber, ich habe Menschen angeschrien und geschubst.» Trotz seines Versprechens, sich zu ändern, bleibt die Kritik bestehen. Besonders stark kritisiert werden auch die Praktikumsstellen, die offenbar erst seit 2022 vergütet werden.
Ex-Führungsmitglied teilt auf Instagram aus
Dieses Mal löste Jason Ignacio White, ehemaliger Leiter des Fermentationslabors von Noma, die öffentliche Debatte aus. In einem Instagram-Post teilte er unter dem Hashtag #NomaAbuse eigene Schilderungen und anonyme Aussagen.
Das Restaurant hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäussert.
Neben der lauten Kritik gibt es auch Gegenstimmen: So betonen mehrere ehemalige Mitarbeitende, darunter Köchinnen und Konditoren, ihre positiven Erfahrungen und die einzigartigen Lernchancen im renommierten Haus. Wie die italienische Zeitung «La Repubblica» berichtet, beschreiben sie ihre Zeit bei Noma als «grosse Schule», in der sie trotz hohem Druck kreative Freiheiten hatten und wichtige Fähigkeiten erlernen konnten.