Darum gehts
- Die SBB schliessen das Bahnhof-WC in Dinhard ZH per Ende Juli 2027
- Grund: Die Anlage ist veraltet, ein Umbau lohnt sich laut SBB wegen geringer Passagierzahlen nicht
- Der Gemeinderat wehrte sich vergeblich
Wer am Bahnhof Dinhard ZH künftig dringend aufs Hüüsli muss, hat bald ein Problem: Die SBB schliessen das dortige WC, wie zuerst die «Dinerter Zytig» berichtet hat. Ab Ende Juli 2027 bleibt die dortige Bahnhofstoilette für immer zu, wie die Bundesbahnen auf Blick-Anfrage bestätigen.
Der Grund für das Toiletten-Aus: «Das WC am Bahnhof Dinhard ist eine ältere, nicht hindernisfreie Anlage und müsste für einen zuverlässigen Weiterbetrieb nach heutigem Standard umfassend erneuert werden», sagt Mediensprecherin Fabienne Thommen zu Blick. Die Bundesbahnen räumen zwar ein, dass dies für Reisende eine Einschränkung bedeuten könne, gleichzeitig würden aber nur wenige Reisende den Bahnhof nutzen. Generell haben die SBB beschlossen, in der ganzen Schweiz schrittweise Kundentoiletten an kleineren Bahnhöfen zu schliessen.
Gemeinde blitzt ab
In Dinhard trifft die Entscheidung auf Unmut. Der Gemeinderat wehrt sich gegen die Schliessung. «Die Anlage befindet sich direkt an einem Wanderweg und erfüllt somit eine wichtige Funktion für die Öffentlichkeit», teilt Gemeindeschreiberin Sibylle Bassetto gegenüber Blick mit. «Zudem bestehen in der näheren Umgebung keine geeigneten Alternativen.» Der Bahnhof Dinhard befindet sich nicht im namensgebenden Ort selbst, sondern im kleineren Ortsteil Welsikon.
Trotz des Widerstands: Der Dinerter Protest bringt nichts. Die SBB halten an ihrem Entscheid fest. Zwar haben die Bundesbahnen nach der Intervention des Gemeinderats nochmals geprüft, ob ein Weiterbetrieb möglich ist. Doch die Antwort aus Bern bleibt ein klares Nein. «Eine Übergabe der bestehenden Anlage an die Gemeinde ist nicht vorgesehen», so Thommen. Wo Wanderer und Pendler künftig ihre Notdurft verrichten sollen, bleibt ungeklärt. Seitens der Gemeinde ist aktuell keine eigene Anlage geplant, sagt Gemeindeschreiberin Bassetto zu Blick.
WC-Schliessungen sorgen schweizweit für Ärger
Es ist nicht das erste Bahnhof-WC, das für Aufruhr sorgt. Erst kürzlich schlossen die SBB die Toiletten am Bahnhof Linthal GL – ebenfalls an einer zentralen Wanderachse. Das nächste WC liegt 500 Meter entfernt bei der Talstation der Braunwaldbahn. Zeit, die beim Umstieg von Bahn auf Bus oft fehlt.
Die Konsequenz: Buschauffeure sehen sich inzwischen regelmässig gezwungen, auf der Klausen-Passhöhe einen Extra-Stopp einzulegen, damit Fahrgäste aufs WC gehen können. Andere lassen verzweifelte Reisende kurzerhand auf die Personaltoiletten im Aufenthaltsraum. Auch hier halten die SBB an ihrem Entscheid fest.
In Burgdorf droht ein Drehkreuz
Nicht nur Schliessungen erhitzen die Gemüter: In Burgdorf BE sorgt die Bahnhofstoilette für heftigen Vandalismus-Ärger. Die Anlage war zeitweise so demoliert, dass sie komplett dichtgemacht werden musste.
Die lokale FDP fordert nun eine Bezahlschranke. Wer austreten will, soll künftig einen Franken einwerfen. FDP-Vorstandsmitglied Denis Kläfiger (35) begründet den Vorstoss gegenüber Blick: «Mit dem einen Franken möchten wir vor allem einen höheren Hygiene- und Unterhaltsstandard sicherstellen und gleichzeitig einen Beitrag an die entstehenden Kosten leisten.» Bei der Blick-Leserschaft kommt diese Idee nicht so gut an: «Wer kein Münz hat, macht in die Hosen», empört sich etwa Leser Heinz Wittwer.