Darum gehts
- FDP Burgdorf BE schlägt einen Franken WC-Gebühr vor
- Viele Leser kritisieren, dass Steuerzahler doppelt zahlen
- Kameras, ID-Scanner und Personal als Lösungsvorschläge
Stell dir vor, du musst dringend aufs Bahnhofs-WC und stehst dann vor verschlossenen Türen. Genau das mussten Passanten am Bahnhof Burgdorf BE in letzter Zeit in Kauf nehmen: Wegen Vandalismus war die öffentliche WC-Anlage längerfristig nicht benutzbar. Ein untragbarer Zustand. Das fand auch die FDP und schlägt deshalb vor: Wer auf die Toilette muss, soll künftig einen Franken bezahlen. Damit sollen die Reinigung und der Unterhalt finanziert und die Anlage sauber und benutzbar gehalten werden. Laut FDP-Politiker Denis Kläfiger soll die Bezahlpflicht zudem dafür sorgen, dass die Stadt stärker in der Verantwortung steht, die Anlage regelmässig zu reinigen und instand zu halten.
Das Thema rund um öffentliche Toiletten lässt auch unsere Community alles andere als kalt. Eine Umfrage mit rund 2200 Teilnehmenden zeigt: 74 Prozent nutzen öffentliche WCs nur dann, wenn sie wirklich dringend müssen.
Auch der Fall in Burgdorf BE beschäftigt die Leserschaft. In der Kommentarspalte wird deutlich: Viele finden es eine Frechheit, dass die Allgemeinheit für die Folgen von Vandalismus aufkommen soll – und am Ende auch noch fürs WC bezahlen müsste. «Wer kein Münz hat, macht in die Hosen», empört sich Heinz Wittwer. Auch Manfred Hürlimann findet: «1 Franken ist zu viel! 50 Rappen wären genug.»
Toilettengang als Grundbedürfnis
Für andere geht es um mehr als nur ums Geld. Sie sehen den Gang auf eine saubere öffentliche Toilette als Grundbedürfnis, für dessen Finanzierung bereits Steuern bezahlt werden. «Der Toilettengang ist ein menschliches und natürliches Grundbedürfnis, und zur Abdeckung dieser Kosten zahlen wir Steuern», schreibt Daniel Canonica. «Also hat eine Toilette auf öffentlichem Grund gratis zu sein und von der Gemeinde unterhalten zu werden.» Die hohen Kosten bei der Benutzung von Toiletten auf Bahnhöfen seien schon «Frechheit genug».
Nils Bachofner bezeichnet die vorgeschlagene Gebühr derweil als «Kollektivstrafe wegen Inkompetenz». Wäre man fähig, ist er überzeugt, würden die Verantwortlichen die Konsequenzen ihres Handelns spüren.
Klassisches Beispiel von grauen Steuern
Auch Klaus Utzinger kritisiert, dass die Kosten auf die Bevölkerung abgewälzt werden. Er bezeichnet die Gebühr als klassisches Beispiel von «grauen Steuern»: Früher sei die Öffentlichkeit zuständig gewesen. «Heute wird dem Bürger auf diese Art und Weise das Geld aus der Tasche gezogen.» Auch beim Unterhalt sieht er Handlungsbedarf und ist der Meinung, es würden «Zig-tausende Franken an Sozialgeldern ohne ein Gegenleistung zum Fenster herausgeworfen». Da gebe es wirklich einen Aktionsbedarf.
Doch nicht alle lehnen eine Toilettengebühr grundsätzlich ab. «Macht absolut Sinn», kommentiert Markus Eberhard. Auch Markus Gygli unterstützt die Idee der FDP. «Bezahle gerne wenns dafür sauber ist, kein Problem. Ist mir lieber als gratis und dafür schmutzig und grüselig.» Melanie Schwab verweist auf Zürich, wo das Bezahlen für öffentliche Toiletten üblich sei: «Beim HBF geht man ja auch aufs WC dort, und zahlt etwas dafür.»
Vandalismus als eigentliches Problem
In der Diskussion rückt neben der Gebühr auch die Ursache – der Vandalismus – in den Vordergrund. «Es ist eine Sauerei, dass der Steuerzahler den Vandalismus bezahlen muss», echauffiert sich Piotr Deputin, «genauso ist es eine Sauerei, wenn Klobenützer den Vandalismaus bezahlen müssen.»
Alexander Keller sieht Vandalismus als gesellschaftliches Problem. In Japan gebe es überall öffentliche, kostenlose Toiletten, die allesamt sauber und frei von Verwüstungen seien.
Lösungsansätze gegen Verunstaltung von WCs
Andere Leserinnen und Leser widmen sich der Frage, wie dem Übel beizukommen ist. Viele setzen auf konkrete Massnahmen zur Abschreckung. Hans Scheidegger schlägt vor, dass «der Eingang zwingend auch mit einer Kamera überwacht wird». Denn es gebe immer «Schlaumeier, die es zu umgehen beziehungsweise zu übersteigen wissen».
Ruedi Zimmermann ist nach eigenen Angaben zwar «gar kein Freund von Personenüberwachung», kann sich aber dennoch eine Gebühr von einem Franken in Kombination mit einem ID-Scanner vorstellen, der die Personalien und den Zeitpunkt des Toilettengangs erfassen soll. «Diese Scanner werden wohl einige Vandalen abhalten die Anlage zu zerstören.»
Toilette mit Personal
Leser Piotr Deputin geht da mit. «Es gehört eine Kontrolle dorthin, die es ermöglicht Vandalen zu identifizieren und denen gehören die Kosten auferlegt inklusive Überwachungs- und Administrativaufwand, plus zusätzlich eine saftige Busse.»
Dieter Schmid-Wolff setzt indes auf Menschen. Er wäre dafür, dass öffentliche Toiletten grundsätzlich bedient sind. «Dann ist immer Personal anwesend, was die Hygiene enorm verbessert.» Für diese Dienstleistung wäre er auch bereit, zwei oder drei Franken zu bezahlen.