Darum gehts
- Neues Auszahlungssystem Asal 2.0 verursacht seit Januar schweizweit massive Probleme
- Langsame Software führt zu Auszahlungsverzögerungen, Mitarbeitende und Arbeitslose überfordert
- Leistungsstarke Kassen liegen etwa eine Woche mit Zahlungen im Rückstand
Ausgerechnet jetzt, wo die Arbeitslosigkeit wieder wächst, herrscht bei den Arbeitslosenkassen Ausnahmezustand. Grund ist ein neues Auszahlungssystem mit dem Namen Asal 2.0, das seit dem Jahreswechsel schweizweit im Einsatz steht. Die Umstellung auf die neue Software verursacht nun massive Probleme, wie 20 Minuten berichtet.
«Das System ist langsam und instabil. Fast jeder Klick endet in einer Ladepause», sagt eine Mitarbeiterin einer Arbeitslosenkasse zum Newsportal. Dokumente liessen sich teils gar nicht öffnen, Prozesse würden abbrechen, einfache Arbeitsschritte seien zur Geduldsprobe geworden. Was früher ein bis zwei Minuten dauerte, brauche nun bis zu 30 Minuten – wegen zusätzlicher Masken, Pflichtfelder und endloser Ladezeiten. Intern spricht man bereits von einer «Krise». «Viele Mitarbeitende stehen an der Belastungsgrenze», sagt die Mitarbeiterin im Bericht.
Schon im Dezember hats geklemmt
Auch die Nerven von Arbeitslosen werden strapaziert. Denn: Der Mehraufwand führt direkt zu Verzögerungen bei den Auszahlungen. Schon die Dezember-Gelder hätten nur mit grossem Aufwand und teilweise provisorisch überwiesen werden können. Leistungsstarke Kassen liegen aktuell rund eine Woche zurück. «Wenn es so weitergeht, drohen Rückstände von mehreren Monaten», befürchtet die Mitarbeiterin.
Für viele Betroffenen ist das existenziell. Anfangs zeigten viele Versicherte noch Verständnis, doch die Stimmung kippt. «Die Reaktionen reichen von Frust und Verzweiflung bis zu aggressivem Verhalten am Schalter», berichtet sie. Bis sich die Lage normalisiert, bleibt vielen Arbeitslosen nur eines: Warten. Und hoffen, dass das Geld reicht, bis die Auszahlungen wieder funktionieren.
«Technische Probleme in der Startphase»
Beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bestätigt ein Sprecher die technischen Schwierigkeiten gegenüber Blick. «In der Startphase traten technische Probleme auf», sagt er. Das habe zu einem «vorübergehend erhöhten operativen Aufwand» und zu einer «längeren Dossierbearbeitungszeit» geführt. Spezialisten hätten die Einschränkungen in der Zwischenzeit weitgehend beheben können. Das Seco gehe davon aus, dass die meisten ihr Geld nächsten Monat bekommen.
Von der Umstellung erhofft man sich beim Seco einiges. «Mit Asal 2.0 macht die Arbeitslosenversicherung einen wichtigen Schritt in Richtung Digitalisierung und Automatisierung», erklärt der Sprecher gegenüber Blick. Das neue System werde die Abläufe für die Durchführungsstellen und die Versicherten vereinfachen, die Effizienz steigern und die Sicherheit der Prozesse erhöhen.