Darum gehts
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Wer auf Ricardo statt Originalware unwissentlich eine Fälschung kauft, hat am Ende womöglich weder die Ware noch das Geld. Das passierte Seraina Brown, die in Wirklichkeit anders heisst. Sie kaufte auf dem Onlinemarktplatz für 170 Franken Airpod-3-Kopfhörer von Apple. Dazu kamen 9 Franken für den Versand sowie 6.85 Franken für «Käuferschutz+». Doch der letzte Punkt funktionierte nicht.
Nach dem Kauf kamen Seraina Brown bald Zweifel, ob es sich bei ihren Kopfhörern wirklich um ein Apple-Originalprodukt handelt. Sie ging zu einem autorisierten Apple-Händler – und sein Befund war eindeutig: Die Kopfhörer sind eine Fälschung. Doch da war Seraina Brown schon zu spät, um auf dem Onlinemarktplatz über den Käuferschutz+ ihr Geld zurückzuverlangen. Seit dem Kauf waren zwei Wochen vergangen. Ricardo verwies sie an den Verkäufer, sie müsse ihre Forderung allenfalls gerichtlich einfordern.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Onlinemarktplätze und Social Media sind beliebte Orte für Betrüger, wie der Beobachter immer wieder zeigt.
Wie der Partner den gleichen Betrug erlebte
Ihr Partner Sven Pavic konnte den wenig kundenfreundlichen Umgang von Ricardo nicht verstehen: Er, dessen Name hier ebenfalls geändert ist, bestellte beim gleichen Verkäufer kurzerhand ebenfalls Apple-Kopfhörer.
Noch am Tag, als er die Kopfhörer erhielt, legte er sie ebenfalls einem Apple-Händler vor. Der Fall war auch hier klar: Sie sind ebenfalls eine Fälschung. Pavic erstattete bei der Polizei Anzeige, reklamierte beim Verkäufer und forderte sein Geld zurück. Der Verkäufer war bereit, den Kauf rückgängig zu machen. Sven Pavic sollte die Kopfhörer zurücksenden, worauf ihm das Geld gutgeschrieben würde.
Doch die Kopfhörer hatte er nicht mehr, sie waren bei der Polizei, als Beweismittel. Abgewickelt wird das Geschäft über Ricardo, wenn man die Option Käuferschutz+ wählt. Und der Onlinemarktplatz pochte auf seine Richtlinien: Sollte Pavic nicht innerhalb der gesetzten Frist das beanstandete Produkt zurücksenden, erhalte er kein Geld zurück. Auch eine Bestätigung der Polizei, dass sie die Kopfhörer für das Verfahren benötige, half nichts.
Der umstrittene Trick: Leeres Paket zurückschicken
«Es kann doch nicht sein, dass der Käuferschutz der Plattform nicht greift, wenn jemand bei gefälschter Ware die Polizei einschaltet», sagt Pavic. Sein Geld erhielt er schliesslich nur mit einem Trick zurück: Er schickte dem Verkäufer ein leeres Paket. «Das war meine einzige Möglichkeit, innerhalb des von Ricardo vorgegebenen Systems überhaupt eine Rücksendung zu erfassen, ohne die Kopfhörer zurückzusenden.»
Bei Ricardo geht man inzwischen über die Bücher. Der Käuferschutz+ basiere bei einer Rückabwicklung auf dem Prinzip, dass die beanstandete Ware an den Verkäufer zurückgeht und der Kaufbetrag an den Käufer zurückerstattet werde, sagt Sprecherin Mojca Fuks. Es gehe darum, zu verhindern, dass Verkäufer am Ende weder über die Ware noch über das Geld verfügen. «Gleichzeitig wollen wir auch niemanden davon abhalten, eine Straftat bei der Polizei zu melden. Ein leeres Paket zurückzuschicken, entspricht jedoch nicht dem vorgesehenen Ablauf.» Ricardo-Sprecherin Fuks versichert, man werde aufgrund dieses Falls die Prozesse beim Käuferschutz+ überprüfen.