Darum gehts
- Reallöhne in der Schweiz von 2012 bis 2024 um 3,7 Prozent gestiegen
- Lehrer verloren über 7 Prozent Reallohn, während Verwaltung um 6,7 Prozent zulegte
- Reisebüros mit höchstem Anstieg: Reallöhne stiegen um 13,7 Prozent
Viele Arbeitskräfte in der Schweiz dürfte die jüngste Lohnentwicklung gefreut haben: So fiel die Reallohnentwicklung im letzten Jahr so hoch aus wie schon lange nicht mehr. Ob in einzelnen Jahren unter dem Strich mehr oder weniger Geld im Portemonnaie bleibt, hängt jedoch stark vom Zufall ab – da schliesslich niemand wirtschaftliche Probleme, die durch einen Krieg verursacht werden, vorhersehen kann.
Aus Sicht der Haushalte ist denn auch die langjährige Lohnentwicklung entscheidend. Diese zeigt die jüngst erschienene Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik. Die Daten umfassen die Jahre 2012 bis 2024 und zeigen, dass der Medianlohn bei einem Hundertprozentpensum von 6439 auf 7024 Franken pro Monat gestiegen ist. Sprich: Würden alle Beschäftigten im Land Vollzeit arbeiten, läge die Hälfte darüber und die Hälfte darunter. Unter dem Strich entspricht dies in diesen zwölf Jahren einem Reallohnanstieg von 3,7 Prozent.
Lehrerlöhne sind real massiv gesunken
Eine Aufschlüsselung nach Berufsgruppe und Alter zeigt jedoch: In sehr vielen Berufen sind die Löhne während zwölf Jahren kaum oder gar nicht gestiegen. In einigen sogar merklich gesunken. Einige Lohnentwicklungen überraschen dabei besonders: So herrscht bei Lehrkräften ein Fachkräftemangel. Doch ihre Reallöhne sind von 2012 bis 2024 gesunken. Bei den Jungen nur geringfügig. In den Altersgruppen 30 bis 49 und Ü50 hingegen um jeweils über 7 Prozent.
Beim Staat zu arbeiten, heisst also nicht per se, jeweils von einer besseren Lohnentwicklung zu profitieren als Angestellte in der Privatwirtschaft. Der Grund: Viele Kantone haben die Lohnskalen bei Lehrern aus Spargründen über Jahre nicht oder nur ungenügend an die Teuerung angepasst. Anders in den in der öffentlichen Verwaltung: Hier legten die Reallöhne um 6,7 Prozent zu.
Erstaunlich ist zudem, dass die Produktionslöhne in der Chemiebranche real stagniert haben und in der Pharmabranche real sogar um 1,4 Prozent gesunken sind. Angestellte in der pharmazeutischen Produktion verdienten 2024 im Mittel gut 10'000 Franken.
Bürokräfte mit Kundenkontakt mit grossen Einbussen
Sehr schlecht lief es für Bürokräfte mit Kundenkontakt: In der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen sanken die Reallöhne innert zwölf Jahre um über zehn Prozent. Ursache dürfte hier ein Strukturwandel sein. Viele Dienstleister haben ihr Filialnetz ausgedünnt. Zudem wurde der direkte Kundenkontakt vielerorts durch einen telefonischen Kundenservice ersetzt, der nun wiederum von KI und Chatbots bedroht wird.
Markante Lohneinbussen mussten auch private Sicherheitsleute verkraften: Bei den unter 29-Jährigen tauchten die Reallöhne innert zwölf Jahren um beinahe 15 Prozent. Bei den älteren noch zwischen 7 und 9,6 Prozent. Hier dürften sich vor allem die tiefen Einstiegshürden für Beschäftigte und der starke Wettbewerb negativ auf die Löhne auswirken.
Branchen mit erfreulicher Lohnentwicklung
Es gibt aber durchaus Branchen mit einer positiven bis sehr positiven Lohnentwicklung: Im Maschinenbau, Tiefbau, Detailhandel, Grosshandel, bei Garagisten, in der Hotellerie und Gastronomie ging es real zwischen 5,7 und mehr als 7 Prozent nach oben. Der Hochbau hinkt mit 3,5 Prozent etwas hinterher. Besonders positiv waren die Reallohnentwicklungen bei Reisebüros (+13,7 Prozent), Versicherungen (+10,4 Prozent) oder in der Uhrenindustrie (+10,4 Prozent).
In einigen Berufen haben sich die Löhne auch je nach Altersgruppe sehr unterschiedlich entwickelt: Bei Ü50-jährigen Betriebswirten legten die Reallöhne um über 8 Prozent zu, während sie bei den Jüngeren nur leicht wuchsen. Bei Verkaufskräften ist es genau umgekehrt: Hier stiegen die Löhne der U29-Jährigen um knapp 5 Prozent. Bei den Elektrikern legten die Reallöhne der Jüngeren um fast 9 Prozent zu.
Erfreulich auch die Entwicklung der Reallöhne von Führungskräften in der Hotellerie und bei Restaurants, die bei den U29-Jährigen und den Ü50-Jährigen um über zehn Prozent hochgingen.