Darum gehts
- Bettwanzen breiten sich in Alpenhütten aus, Vereine starten Präventionskampagne
- 5 Prozent der Berghütten betroffen, Bekämpfung kostet bis zu 50'000 Euro
- SAC empfiehlt: Ausrüstung 72 Stunden einfrieren oder bei 60 Grad waschen
Wer diesen Sommer in einer Berghütte übernachtet, sollte genau hinschauen, bevor er sich hinlegt. Denn Bettwanzen breiten sich in den Alpen immer stärker aus. Deshalb haben die Alpenvereine in Deutschland, Österreich und Südtirol eine gemeinsame Kampagne gestartet – und rufen Wanderer zur Mithilfe auf. Denn: Allein beim Deutschen Alpenverein sind jedes Jahr 5 bis 20 Hütten betroffen. Tendenz steigend. 5 Prozent aller Berghütten kämpfen mit den lästigen Parasiten, die sich von menschlichem Blut ernähren.
Die Folgen für die schlafenden Wanderer sind schmerzhaft. Wanzenbisse jucken und brennen stark – sie sind lästig, aber an sich harmlos. Für die Hüttenwarte sind die Bettwanzen vor allem ein teures Ärgernis. Denn ein Bettwanzenbefall kann eine Hütte im schlimmsten Fall für mehrere Tage oder sogar Wochen lahmlegen. Laut dem Deutschen Alpenverein kostet eine professionelle Bekämpfung je nach Grösse der Hütte 20'000 bis 50'000 Euro. Deshalb setzen viele Hütten inzwischen auf Prävention. Sie suchen die Schlafgemächer mit speziell ausgebildeten Spürhunden ab. Oder stellen ihren Gästen Schutzbeutel für Rucksäcke zur Verfügung.
Wanzen von Hütte zu Hütte verschleppt
Das Problem: Bettwanzen reisen unbemerkt mit. Sie verstecken sich in Rucksäcken, Kleidern oder Schlafsäcken und werden von Wanderern von Hütte zu Hütte getragen. In Berghütten fühlen sich die Bettwanzen wohl. Die Bedingungen sind ideal: Holz, verwinkelte Räume und schwer zugängliche Ecken sind perfekte Verstecke.
Die Problematik ist auch dem Schweizer Alpen-Club SAC bekannt. 2019 musste im Wallis die Prafleuri-Hütte unweit des Stausees Grande Dixence wegen Bettwanzen komplett geschlossen werden. So schlimm wie in den Nachbarländern ist es in der Schweiz aktuell aber nicht. «In unseren Hütten kommt es nur vereinzelt zu Bettwanzenbefall», sagt SAC-Sprecher Remo Schläpfer zu Blick. Und trete doch ein Fall auf, reagiere man schnell und konsequent. «Die betroffene Hütte sperrt den befallenen Bereich ab und lässt die Schädlingsbekämpfung durch spezialisierte Unternehmen durchführen», erklärt Schläpfer. Die umliegenden Hütten werden informiert.
Ausrüstung 72 Stunden lang einfrieren
Dieses Vorgehen bewähre sich. Denn: «Berghütten sind für die Bekämpfung von Bettwanzen ein besonders schwieriges Umfeld», sagt der SAC-Sprecher. «Die Abgeschiedenheit und der eingeschränkte Zugang erschweren eine Schädlingsbekämpfung.» Deshalb sei es zentral, sofort zu reagieren.
Wichtig sei, dass auch die Gäste mithelfen. «Wir empfehlen, den Rucksack in der Hütte nach Möglichkeit separat und nicht in unmittelbarer Bettnähe zu lagern, ihn vor dem Verlassen einer Hütte auf Bettwanzen und Spuren zu kontrollieren.» Bei einem Verdacht soll man das Hüttenteam informieren, dann bekomme man einen anderen Schlafplatz. Zudem rät der SAC-Sprecher: «Nach der Rückkehr von der Tour hilft es, Ausrüstung, die man nicht kontrollieren kann, für 72 Stunden luftdicht verpackt einzufrieren oder Kleider bei 60 Grad zu waschen.»