Opfer von Spardruck
Nestlé-Abgang von Peter Brabeck war nicht ganz freiwillig

Anfang Januar verlor der frühere Nestlé-Chef Peter Brabeck seinen Ehrentitel beim Schweizer Lebensmittelkonzern. Jetzt sind die Gründe bekannt: Spardruck und Atmosphärisches kosteten den Chairman Emeritus Büro und Assistentin.
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Peter Brabeck hat Nestlé nach 57 Jahren verlassen.
Foto: Keystone

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Dirk Schütz
Bilanz

Es sollte ein Abgang durch die grosse Tür sein. «Peter Brabeck-Letmathe tritt als Chairman Emeritus ab», titelte die «NZZ» Anfang Dezember, der 81-Jährige habe auf Anfrage seinen «Rücktritt bestätigt». Auch Nestlé selbst gab in einer Pressemitteilung bekannt, dass der langjährige CEO und VR-Präsident den Verwaltungsrat informiert habe, seinen Titel des Chairman Emeritus abzugeben. VR-Präsident Pablo Isla lobte seinen Vor-Vorgänger als einen Mann, dessen «Vision und Verpflichtung einen unvergesslichen Abdruck in unserer Firma hinterlassen haben».

Doch ganz so freiwillig war der Rückzug nicht. Es war der Verwaltungsrat, der entschieden hatte, Brabecks Büro bei Nestlé Schweiz in La Tour-de-Peilz, wenige Kilometer vom Hauptsitz in Vevey VD entfernt, zu streichen, inklusive Assistentin. Brabeck hatte es direkt nach dem Abtritt als VR-Präsident 2017 bezogen.

Artikel aus der «Bilanz»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Bilanz» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du unter bilanz.ch.

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Die Sparmassnahme ist auch ein Zeichen für den Neuanfang unter dem frischen Führungsduo mit Präsident Isla und CEO Philipp Navratil. Navratil hat den Abbau von 16’000 Stellen verkündet, die Funktion des Strategiechefs in der Konzernleitung gestrichen und allen Mitarbeitenden in der Schweiz einen Lohnstopp verordnet. Da wirkte das luxuriöse Büro für den Ex-Präsidenten nicht mehr zeitgemäss.

Verwaltungsratspräsident Pablo Isla.
Foto: Getty Images

Paul Bulckes Sieg über ehemaligen Vorgesetzten

Auch atmosphärische Gründe spielten eine Rolle. Brabeck hatte sich in den letzten Jahren von der Nestlé-Führung entfremdet und wenig kaschiert gegen seinen Nachfolger Paul Bulcke geschossen. Als Zeichen seiner Aversion machte er publik, dass er seine Nestlé-Aktien verkauft habe – als CEO und Präsident hatte er stets verkündet, niemals Nestlé-Aktien abzustossen. Bulcke wurde nach seinem Ausscheiden im September der Titel des Ehrenpräsidenten verliehen, er verzichtete jedoch demonstrativ auf Büro und Assistentin. Der Belgier hat zudem einen engeren Draht zu Isla: Er hatte den langjährigen Inditex-Chef 2018 in seinen Verwaltungsrat geholt und zu seinem Nachfolger aufgebaut.

Ehrenpräsident Paul Bulcke.
Foto: Samuel Schalch für RMS

Der Abgang Brabecks ist damit für Bulcke auch ein Sieg über seinen langjährigen Vorgesetzten. Beide sind Zöglinge des Nestlé-Übervaters Helmut Maucher, der bis zu seinem Tod im Jahr 2018 den Titel des Ehrenpräsidenten führte, weshalb Brabeck bei seinem Ausscheiden mit der Fantasie-Bezeichnung des Chairman Emeritus vorliebnehmen musste. Jetzt führt Bulcke den Titel. Für die Reputation von Brabeck wenig förderlich war in der Nestlé-Spitze auch sein harscher Umgang mit WEF-Gründer Klaus Schwab.

Maucher war stets ein grosser Förderer des WEF, als Präsident des Stiftungsrats sagte er Schwab einst sogar eine Zahlung von fünf Millionen Franken als Anerkennung für seine Aufbauleistung zu. Schwab bezog sie nie. Brabeck war vier Monate interimistischer Nachfolger von Schwab und trat im August zurück, nachdem die Untersuchung den WEF-Gründer vollumfänglich freigesprochen hatte. Jetzt hat er innerhalb von fünf Monaten seine beiden prestigeträchtigsten Posten verloren.

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