Mega-Rückruf bei Nestlé
Säuglingsnahrung könnte mit Gift belastet sein – auch in der Schweiz

Nestlé ruft diverse Babynahrung in der Schweiz und weiteren Ländern wegen möglicher Giftstoffe zurück. Eltern werden gebeten, bestimmte Produkte von Beba oder Alfamino zurückzugeben.
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Nestlé ruft weltweit Babynahrung zurück, auch die Schweiz ist betroffen.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Nestlé ruft weltweit Babynahrung zurück, betroffen sind Beba und Alfamino
  • Giftstoff Cereulid entdeckt, Gesundheitsministerium sieht keine akute Gefährdung
  • Rückruf betrifft über 800 Produkte, Ursache technischer Reinigungsdefekt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat in einer der grössten Rückrufaktionen seiner Firmengeschichte in mehreren Ländern Chargen von Säuglingsnahrung vorsorglich zurückgerufen. Sie könnten mit Gift belastet sein. Analysten sehen für den Konzern ein geringes Risiko. Betroffen sind die bekannte Marke BEBA sowie Spezialprodukte wie Alfamino. Eltern wurden aufgefordert, die betroffenen Produkte aus bestimmten Chargen nicht mehr zu verwenden und im Handel zurückzugeben.

Auch die Schweiz ist betroffen. «Nestlé ruft freiwillig bestimmte Chargen der Marken BEBA und Alfamino in der Schweiz zurück», schreibt Nestlé Schweiz auf eine Anfrage von Blick. «Die Sicherheit und das Wohlbefinden von Säuglingen haben für uns absolute Priorität. Deshalb ruft Nestlé in enger Abstimmung mit den zuständigen Schweizer Behörden vorsorglich bestimmte Chargen von verschiedenen BEBA- und Alfamino-Säuglingsnahrungsprodukten zurück, die in der Schweiz erhältlich sind.»

Der Rückruf sei eine Vorsichtsmassnahme, betont Nestlé. «Aufgrund eines möglichen Vorhandenseins von Cereulid, das durch den Mikroorganismus Bacillus Cereus produziert wird. Cereulid wurde in einer der Zutaten eines Zulieferers entdeckt», schreibt der Nahrungsmittelmulti. Es seien bislang keine Erkrankungen oder Symptome im Zusammenhang mit dem Verzehr der betroffenen Produkte bestätigt.

Nestlé entschuldigt sich und rät:. «Wenn Eltern hinsichtlich der Gesundheit ihres Kindes haben, raten wir ihnen, mit ihrem Kinderarzt oder einer medizinischen Fachkraft zu sprechen.» Alle anderen Nestlé-Produkte sowie andere BEBA- und Alfamino-Produktchargen, die nicht von diesem Rückruf betroffen sind, können sicher verzehrt werden, heisst es weiter

Probleme auch beim Milchpulver

In Österreich wurden den Angaben zufolge bei behördlichen Kontrollen in zwei Chargen geringe Mengen von Cereulid festgestellt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums besteht aufgrund der sehr niedrigen Konzentrationen keine Gesundheitsgefährdung.

Nestlé hatte bereits über die Weihnachtsfeiertage einen stillen Rückruf durchgeführt und die betroffenen Produkte aus den Regalen entfernt. Am Montag folgte nun ein öffentlicher Rückruf. Mitte Dezember 2025 hatte Nestlé bereits präventive Rückrufe von Babymilchpulvern in mehreren europäischen Ländern – darunter Frankreich, Finnland und Dänemark – bekannt gegeben.

Zehn Fabriken betroffen

Laut österreichischen Behörden betrifft der Rückruf mehr als 800 Produkte aus über zehn Werken weltweit. Ursache sei ein technischer Reinigungsdefekt in einem Zulieferbetrieb, durch den es im Dezember zu einer Verunreinigung eines Inhaltsstoffes gekommen sei. Der hitzebeständige Giftstoff könne Übelkeit und Erbrechen auslösen, vermehre sich im Produkt jedoch nicht weiter.

Analysten stuften den Vorfall in ersten Kommentaren für Nestlé nicht als gravierend ein. Das Ausmass des Vorfalls erkläre sich vor allem aus der globalen Produktions- und Vertriebsstruktur von Nestlé, nicht aus der Schwere des Risikos, schrieb die Helvetische Bank in einem Kommentar. Insgesamt wird der Vorfall als operativ bereinigt und aus Risiko-, Regulierungs- und Reputationssicht als beherrschbar eingeschätzt. «Unangenehm bleibt der Vorfall für Nestlé natürlich trotzdem.»

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