Darum gehts
- Ständerat fordert 90 Prozent Eigenkapital für UBS-Auslandstöchter, UBS wehrt sich
- Mindestens acht globale Banken zeigen Interesse an Fusion mit UBS
- Schweizer KMU könnten ohne starke UBS Schwierigkeiten bei Krediten haben
Der Schlagabtausch um die letzte Schweizer Grossbank geht in die nächste Runde. Der Ständerat zeigte diese Woche Härte: Er verlangt, dass die UBS ihre Auslandstöchter künftig mit 90 Prozent hartem Eigenkapital unterlegt. Das passt der Grossbank gar nicht: «Dieses politische Ergebnis ist kein Kompromiss», kontert diese.
Der neuste Entscheid aus der kleinen Kammer heizt die Fusionsgerüchte weiter an. Gemäss einer gut informierten Quelle sind es mindestens acht global tätige Geldinstitute, die gegenüber der UBS-Spitze Offenheit für Gespräche signalisiert haben, wie eine Blick-Recherche zeigt. Ein Name fällt dabei immer wieder: Morgan Stanley. Doch wie realistisch ist eine Fusion mit der US-Bank? Was würde das für die Schweiz bedeuten?
«Einstampfen wird die UBS das Firmenkundengeschäft in der Schweiz sicher nicht», zeigt sich Rudolf Minsch (59), Chefökonom beim Wirtschaftsverband Economiesuisse, gegenüber Blick überzeugt. Doch Schweizer KMU könnten es bei einem UBS-Wegzug schwerer haben, an Kredite zu kommen. «Wir merken bereits jetzt, dass die Credit Suisse fehlt. Wir brauchen eine starke Schweizer Grossbank, denn sonst würde es noch schwerer, gerade etwa mit grossen Krediten», so Minsch. Die Konsequenz: Firmen erhalten gar keine Kredite oder müssen das Geld anderswo im Ausland beschaffen.
Keine Auswirkung für Privatkunden
Gelassener sieht das Ökonom Aymo Brunetti (63): «Die Kunden würden kaum etwas von einer möglichen Fusion der UBS bemerken, weder die Privat- noch die Geschäftskunden», schätzt der Professor der Universität Bern die Lage für Blick ein. Brunetti glaubt nicht, dass die Grossbank das Privatkunden- oder Firmenkundengeschäft mit einem Wegzug aus der Schweiz vernachlässigen würde. «Die UBS verdient in der Schweiz gutes Geld mit all diesen Geschäften. Warum sollte sie diese Zelte bei einem Wegzug niederreissen?», so Brunetti.
Auch mit einer Verlagerung dürfte sich also nichts am Markt Schweiz ändern. Höchstens die Schweizer Steuerbehörden würden einen Wegzug des Hauptsitzes zu spüren bekommen, so der Ökonom.
UBS ohne Swissness?
Generell hält Brunetti eine Fusion der Grossbank oder einen Wegzug aus der Schweiz für unwahrscheinlich. «Swissness ist nach wie vor sehr wichtig für die Grossbank», weiss der Experte. Als US-Bank wäre die UBS weniger attraktiv für ausländische Investitionen. Unter Trumpscher Regulierungsunsicherheit und ohne Swissness stiesse die Grossbank bei asiatischen Vermögensverwaltungskunden wohl auf deutlich weniger Interesse, schätzt Brunetti.
Schliesslich ist das eigentliche Kerngeschäft der UBS die Vermögensverwaltung für sehr reiche Familien. Ob die Vermögenden der UBS auch bei einem Sitzwechsel treu bleiben?
«Wenn die UBS wegen dieser moderaten, neuen Regelung geht, dann war sie eh schon halb weg», so Brunetti. Er vermutet, dass die Grossbank sich wehrt, weil sie in den USA weiter wachsen will. Und genau das wird mit der neuen Regelung von 90 Prozent hartem Eigenkapital schwieriger. «Dadurch wird die Subventionierung einer solchen Expansion durch die Schweizer Steuerzahlenden völlig zurecht reduziert», ergänzt der Ökonom.
Definitiv entschieden ist noch nichts: Zuerst muss noch der Nationalrat über die neue Regelung debattieren. Die Gerüchteküche in Gang zu halten, liege auch im Interesse der Grossbank, so Brunetti: «Die UBS hofft, dass der Nationalrat zu ihren Gunsten entscheidet.»