No-Shows in Restaurants
Dieser Reservations-Irrsinn nervt!

Restaurants klagen über leere Tische, weil Gäste trotz Reservation nicht auftauchen. Redaktorin Barbara Lanz spielt den Ball zurück und ärgert sich über den Reservations-Irrsinn in der Stadt.
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Leere Tische schmerzen Restaurantbetreibende.
Foto: Pius Koller
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Barbara LanzRessortleiterin People / Gesellschaft

Die Beizer sind verärgert über No-Shows. Also über Gäste, die reservieren, aber dann nicht auftauchen. Die Folge: Leere Tische zu begehrten Zeiten. Das ärgert die Wirte. Verständlich. Wer wird schon gerne versetzt, vor allem, wenns dann auch noch finanziell schmerzt? 

Gleichzeitig bin ich als Landkind in der Stadt Zürich auch oft verärgert. Zum Beispiel, wenn ich ausgelacht werde, weil ich zwei Wochen im Voraus für vier Personen einen Tisch reservieren möchte: «Haha, das kommt Ihnen aber früh in den Sinn.» Wie bitte?

Die Geister, die ihr rieft?

Mir wird oft vorgeworfen, ich wisse nicht, wie man sich in der städtischen Gastro bewegt. Ich soll einen Monat im Voraus entscheiden, ob ich dann Lust auf Spaghetti oder Entrecôte habe.

Das Pop-up im September, drei Wochen Tapas für 90 Stutz? Jetzt reservieren – oder nie erfahren, ob es jeden Rappen wert war oder die Gäste schon beim ersten Teller zu schnauben begannen.

Zurück zu den No-Shows. Sind das vielleicht die Geister, die ihr gerufen habt, liebe Beizer? Mir wurde schon mehr als einmal geraten, für meine sowieso geplanten Essen einfach mal ein paar Reservationen zu tätigen, um dann kurzfristig nach Spaghetti-Lust oder Entrecôte-Laune entscheiden zu können. Bisher tat ich es nicht. Weil ich verstehe, was leere Tische in der Gastronomie für Auswirkungen haben können. Vor allem aber, weil ich kein Fan von Immer-alles-offen-lassen bin. Am Ende ist es für uns Gäste ein Luxusproblem. Für den Wirt, der sein ganzes Herz in sein vielleicht erstes Restaurant gesteckt hat, geht es um die Existenz.

Beide Seiten jammern gern. Veränderung ist weder hier noch dort in Sicht.

Aus No-Show wird No-Go

Es geht eben auch ums Ego – und das ist bekanntlich gern laut und penetrant. Deshalb merke ich mir, wenn man mich bei einer Reservation auslacht. Statt No-Show gilt für mich dann: No-Go. Ich komme vom Land. Im «Leuen» und im «Bahnhöfli» bekomme ich meine Schnipo immer.

Mit diesem Sturkopf entgeht mir in Zürich definitiv mancher Hotspot. Dafür entdecke ich Beizen, die Platz für uns haben. Mehr noch: Sie schaffen Platz, obwohl sie voll sind. Dort gehöre ich heute fast zum Inventar und geniesse Privilegien, die mir wichtiger sind als fancy Neueröffnungen. Denn am Ende wollen wir doch alle dasselbe: einen schönen Abend mit gutem Essen in guter Gesellschaft. Nach dem wir uns zufrieden bedanken und ehrlich «Uf Wiederseh» sagen können.


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