Darum gehts
- Vor kurzem begann der Bau des «Bishoftu International Airport» in Äthiopien
- Der neue Flughafen soll ab 2030 jährlich 60 Millionen Passagiere abfertigen
- Jetziger Flughafen in Äthiopiens Hauptstadt ist nur für maximal 25 Millionen ausgelegt
Denkt man an Flughäfen mit einem riesigen Passagieraufkommen, kommen einem wohl als erstes Dubai, London oder auch die US-Stadt Atlanta in den Sinn. Bald soll sich aber ein neuer Ort in den Köpfen der Leute etablieren: Addis Abeba. 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Äthiopiens haben am 10. Januar die Bauarbeiten für den «Bishoftu International Airport» begonnen.
Die Pläne für den neuen Flughafen sind extrem ambitioniert: Er soll nach der Inbetriebnahme 2030 jährlich 60 Millionen Passagiere abfertigen. Danach erfolgt ein weiterer Ausbauschritt, wodurch sich die Kapazität auf 110 Millionen noch einmal fast verdoppelt. Zum Vergleich: Gemessen am Passagieraufkommen ist der US-Flughafen Hartsfield–Jackson in Atlanta der aktuell grösste Airport der Welt. Er befördert jährlich rund 105 Millionen Passagiere. Der jetzige Flughafen in Addis Abeba – der Bole International Airport – ist auf 25 Millionen Passagiere pro Jahr ausgelegt.
Bau von Stararchitekten entworfen
Das Ziel: Der neue Mega-Airport soll Afrikas wichtigstes Luftfahrtdrehkreuz werden. Der futuristische Bau in X-Form wurde vom renommierten Architekturbüro Zaha Hadid konzipiert. Die X-Form ist nicht nur ästhetischer Natur, sondern soll die Wege für Passagiere deutlich verkürzen.
Das Projekt gilt mit den geschätzten Kosten von 10,6 Milliarden Franken als eines der teuersten Bauvorhaben in der afrikanischen Geschichte. Die Fluggesellschaft Ethiopian Airlines und die Afrikanische Entwicklungsbank finanzieren den Bau, unterstützt von internationalen Investoren aus Europa, China, den USA und dem Nahen Osten.
Zahlreiche Hürden bis zum Erfolg
Mit dem Mega-Airport verfolgt Äthiopien kühne Pläne. Ob diese Rechnung aufgeht? Innerhalb Afrikas gibt es zwar kaum vergleichbare Konkurrenz. Ausserhalb des Kontinents sieht es aber anders aus: Die Mega-Drehkreuze Dubai und Doha im Nahen Osten ziehen bereits jetzt zahlreiche Langstreckenpassagiere an. Auch der Flughafen Istanbul in der Türkei ist zu einem beliebten Knotenpunkt für Reisende aus aller Welt geworden, die nach Europa und darüber hinaus fliegen.
Ausserdem müsste sich der Luftverkehr in und über Afrika drastisch vervielfachen, um die angepeilte Infrastruktur auszulasten. Zwar wächst der afrikanische Reiseverkehr per Flugzeug stärker als im Rest der Welt. Derzeit trägt der Kontinent laut Daten der International Air Transport Association aber bloss 2 Prozent zum Weltluftverkehr bei.
Wirtschaftlich geht es mit Äthiopien aufwärts. Die Volkswirtschaft des bevölkerungsreichsten Staats nach Nigeria wächst im rasanten Tempo. Doch politisch ist das Land instabil. Stets besteht das Risiko eines erneuten Konflikts – vor allem mit dem Nachbarland Eritrea. Laut dem Nachrichtenportal «Monocle» sollen wegen des Bishoftu-Projekts ausserdem rund 15'000 Menschen vertrieben werden, was zu weiteren Ausschreitungen und Protesten führen könnte. Das Projekt des künftig grössten Flughafens der Welt hat also noch die eine oder andere Hürde zu meistern.