Darum gehts
Für Noah Heynen, Chef der Solarfirma Helion, ist klar: Wer das Optimum aus seiner Photovoltaik-Anlage herausholen will, braucht eine Batterie. Schon heute würden bei der Amag-Tochter praktisch alle Photovoltaikanlagen mit Batterie verkauft.
«Der Anteil hat massiv zugenommen», sagt Heynen. Noch vor ein paar Jahren lag er bei 50 Prozent. Der Grund dafür seien die stark gefallenen Preise für Batterien – Heynen zufolge allein 2025 um 40 Prozent –, aber auch neue Regeln, die sich auf die Rendite von Solaranlagen auswirken.
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Ab 2027 gelten Marktpreise für die Einspeisung
So können Stromversorger ab 2027 die Einspeisetarife den Marktpreisen anpassen. Sprich: Am meisten bekommt man, wenn Strom beispielsweise am Abend ins Netz eingespeist wird. Am Mittag, wenn es zu viel davon gibt, dürfte die Vergütung hingegen oft auf null fallen.
Am stärksten betroffen sind Solaranlagen, die für maximalen Ertrag konzipiert sind und vor allem Mittags- und Sommerstrom produzieren. Weniger stark ist dieser Effekt bei steil ausgerichteten Panels, die zwar insgesamt weniger abwerfen, dies aber eher zu Randzeiten oder im Winter. Denn dann sind die Strompreise höher.
Hintergrund ist die hoch volatile Stromproduktion im Jahres- und Tagesverlauf – in der Schweiz hauptsächlich getrieben von der Solarstromproduktion. Zu Randzeiten am Morgen und am Abend wird eher zu wenig Strom produziert und es müssen Speicher angezapft werden. Am Mittag hingegen – vor allem an sonnigen Tagen – steigt die Solar-Produktion so stark an, dass der Strom kaum noch absorbiert werden kann.
«Die Einspeisevergütung kann künftig sogar negativ sein», sagt David Stickelberger vom Branchenverband Swissolar. Wer dann seine Solaranlage nicht abkoppelt, zahlt drauf. Zwar gilt eine Mindestvergütung für den insgesamt eingespeisten Strom. Wer den Strom aber zwischenspeichert und ihn bewusst zur optimalen Zeit einspeist, hat mehr Ertrag.
Stromversorger sind nicht verpflichtet, auf Marktpreise umzusteigen. Der eine oder andere dürfte aus politischen Gründen darauf verzichten, vermutet Stickelberger. Andere gehen dagegen voraus. Die BKW bietet die Einspeisung zu Marktpreisen bereits heute auf freiwilliger Basis an.
In Spitzenzeiten wird die Einspeisung gestoppt
Hinzu kommt: Ab 2026 können Stromversorger die Einspeisung in Spitzenzeiten stoppen, um ihre Netze vor Überlastungen zu schützen. Dieses «Peak Shaving» kann bis zu 3 Prozent des Jahresertrags einer Anlage betragen.
Helion-Chef Heynen rät, die PV-Anlage professionell zu bewirtschaften. Dazu gehören nebst intelligenten Lade-Algorithmen für die eigene Batterie auch die Teilnahme an Systemdienstleistungen: Anbieter wie Helion vernetzen PV-Anlagen und Batterien und bieten deren Leistung kollektiv am Markt an, um dann einzuspeisen, wenn Strom gefragt ist, oder aus dem Netz zu nehmen, wenn es dort zu viel Saft hat.
Damit nähert sich die Nutzung privater Batterien jener von Grossbatterien an, wie sie derzeit zuhauf gebaut werden, und die teilweise die Leistung von grossen Wasser- oder Atomkraftwerken erreichen. Und die den Stromkonzernen gerade schöne Gewinne bescheren.