Darum gehts
- Cyberkriminelle manipulierten Kühlsysteme in Europa, betroffen waren auch Schweizer Betriebe
- Das NCSC meldet befallene Heimnetzwerke, viele Smarthome-Geräte sind direkt online und angreifbar
- Das NCSC warnt vor Datendiebstahl, Kryptomining und Botnetzen und rät zu regelmässigen Updates
Cyberkriminelle griffen in Europa Kühlsysteme in Hunderten Supermärkten an, tricksten die Alarmsysteme aus und drehten die Temperatur hoch. Bei der zweiten Angriffswelle Anfang November drangen die Kriminellen auch erfolgreich in die Systeme von Schweizer Unternehmen ein. Neben der Metzgerei Lüthi's Fleischwaren im Kanton Bern waren auch drei Filialen des Detailhändlers Volg betroffen, wie SRF berichtet hat.
Für erfahrene Hacker ist das Eindringen in die Kühlsysteme verblüffend einfach, da die betroffene Infrastruktur häufig relativ ungeschützt im Netz ansteuerbar ist. So können Techniker Wartungen per App einfach aus der Ferne vornehmen. Wird dabei auf ein virtuelles privates Netzwerk verzichtet, steht die Tür aber auch für Hacker sperrangelweit offen. Da stellt sich die Frage, wie gross die Risiken in den eigenen vier Wänden sind.
«Die Gefahr ist real», sagt Jean-Claude Frick (53), Digitalexperte beim Online-Vergleichsdienst Comparis. «Man warnt zwar bereits seit Jahren vor solchen Angriffen auf Smarthomes. Doch die Hacker konnten dank künstlicher Intelligenz stark aufrüsten. Das hat die Ausnutzung von Sicherheitslücken massiv vorangetrieben», führt er aus.
Beim Nationalen Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) sind mehrere Meldungen über Schadsoftware eingegangen, die Heimnetzwerke befallen hat.
Immer mehr Geräte mit dem Internet verbunden
Das Problem: Auch in Heimnetzwerken sind heute zahlreiche Geräte direkt mit dem Internet verbunden. Sei es bei Waschmaschinen, Kühlschränken, Backöfen, Saugrobotern, Glühbirnen, Steckdosen, Fernsehern, TV-Boxen, Kameras, Spielkonsolen, Thermostaten oder Klimaanlagesteuerungen. Smarthome nennt sich das. Sie alle können für Hacker zum Einfallstor ins Heimnetzwerk dienen, wie das NCSC in einer Medienmitteilung warnt.
Einmal im System, können Cyberkriminelle beispielsweise an der Heiztemperatur schrauben, den Backofen hochdrehen oder auf die Kamera zugreifen. Hinter den Angriffen auf Smarthomes stecken jedoch meist finanzielle Interessen. Deshalb könnten sie versuchen, über Schadsoftware oder Trojaner an wichtige Daten oder Banklogins zu kommen.
Heimliches Kryptomining im Wohnzimmer
Auf einen Datendiebstahl können Lösegeldforderungen folgen. Das NCSC warnt jedoch auch vor der Installation von Software zum Schürfen von Kryptowährungen auf Kosten des Opfers. So wird das eigene Wohnzimmer plötzlich zum heimlichen Hort für Kryptomining. Die böse Überraschung folgt dann bei der nächsten Stromrechnung.
Eine weitere Gefahr: Sogenannte Botnetzwerke schliessen gehackte Smarthomes zusammen und nutzen die Kapazitäten für weitere Hackerangriffe. Läuft es ganz dumm, bestellen Kriminelle über das Heimnetzwerk Drogen, und am Ende klingelt die Polizei an der Haustür.
Ein mögliches Warnzeichen für eine erfolgreiche Infiltration des Heimnetzwerks ist ein ungewöhnlich langsames Gerät, häufig begleitet von einem sehr lauten oder ständig laufenden Lüfter.
Bequemlichkeit erhöht die Risiken
«Auch die Entwickler der Smarthome-Geräte rüsten kontinuierlich auf», sagt Digitalexperte Frick. Zudem werden moderne WLAN-Router standardmässig im Router-Modus ausgeliefert. Dieser erstellt automatisch ein geschütztes privates Netzwerk, das die angeschlossenen Geräte im Haushalt von aussen unsichtbar macht.
Gefährlich wird es dann, wenn das Passwort des WLAN-Routers zu einfach ist und innert kurzer Zeit geknackt werden kann. Noch gefährlicher ist aber die Bequemlichkeit. «Wer daheim Smarthome-Systeme installiert, bezieht die Sicherheit oft zu wenig ins Projekt ein. Die Leute wollen möglichst einfach die App öffnen und das Aussenlicht anmachen können», so Frick. «Eine Zwei-Weg-Authentifizierung für den Zugriff ist vielen zu umständlich.»
Unbedingt regelmässig Systeme updaten
Am liebsten möchte man die Geräte auch vom Büro aus oder im Zug auf dem Heimweg steuern können: Rasch den Staubsaugerroboter losfahren lassen, die Heizung ein wenig hochdrehen oder aus den Ferien auf die Musik- oder Filmdatenbank zugreifen. All das ist bei smarten Systemen möglich, kann jedoch ein Zugangstor für Hacker werden.
In den letzten Wochen wurde eine grosse Sicherheitslücke in der weit verbreiteten PHP-Programmiersprache öffentlich. Wenn die Zugriffs-App auf ein Smart-Gerät PHP nutzt, können Hacker durch diese Lücke ins Netzwerk eindringen. Auch der beliebte Medienserver Plex weist Sicherheitslücken auf. Deshalb rät das NCSC, dass man die Systeme unbedingt updaten sollte.