Cyberattacke weitet sich in der Schweiz aus
Auch Volg-Filialen von Kühlanlagen-Hack betroffen

Die mysteriöse Hackerwelle auf Kühlanlagen erreicht einen weiteren Schweizer Betrieb: Nach einer Metzgerei-Kette im Kanton Bern meldet nun auch Volg Manipulationen an Kühlregalen. Gleich drei Filialen sind betroffen.
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Nach einem Berner Metzgereibetrieb meldet auch Volg Manipulationen an Kühlsystemen.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Unbekannte manipulierten bei Lüthi’s Fleischwaren in Köniz BE die elektronische Kühlsteuerung
  • Die Filiale an der Könizstrasse bleibt wegen Temperaturabweichungen bis 20. November geschlossen
  • In Europa greifen Hacker vernetzte Kühlsysteme an und erhöhen die Temperatur auf 50 Grad Celsius
Nathalie Benn, RIngier
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Die Cyberkriminellen, die Kühlsysteme in ganz Europa im Visier haben, treiben nun auch vermehrt in der Schweiz ihr Unwesen. Nach der Metzgerei Lüthi's Fleischwaren im Kanton Bern ist jetzt auch der Detailhändler Volg betroffen. Gleich drei Filialen haben Manipulationen an ihren Kühlregalen festgestellt, wie das Unternehmen gegenüber SRF bestätigt.

«Drei unserer Filialen haben zurückgemeldet, dass die Parameter in den Kühlregalen verstellt wurden», erklärt Volg gegenüber SRF. Man habe daraufhin Massnahmen eingeleitet. Auch die bestehenden technischen Sicherheitsvorkehrungen seien aufgrund der aktuellen Vorfälle nochmals verstärkt worden.

Vieles ist derzeit noch offen: Welche drei Volg-Läden konkret betroffen sind, verrät der Detailhändler nicht. Auch die Frage, ob Volg weitere Angriffe bereits ausschliessen kann, bleibt unbeantwortet. «Wir haben die notwendigen Massnahmen ergriffen. Die Situation ist unter Kontrolle», sagt eine Sprecherin zu Blick. Und fügt an: «Zu konkreten technischen Sicherheitsmassnahmen, zur Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern sowie zu internen Abläufen machen wir aus Sicherheitsgründen keine Angaben.»

Berner Metzg muss zwei Wochen schliessen

Bereits zuvor war die Berner Metzgerei Lüthi’s Fleischwaren Opfer eines Hackerangriffs geworden, wie SRF zuerst berichtet hatte. In der Filiale in Köniz-Liebefeld manipulierten Unbekannte die elektronische Steuerung der Kühl- und Tiefkühlanlagen. Gegenüber SRF erklärt der Inhaber, die Temperatur im Tiefkühler habe 50 bis 70 Grad betragen. Das Fleisch sei wie gekocht gewesen, die Preisschilder geschmolzen. Man habe den Raum nur mit Mundschutz betreten können.

Auf seiner Website informiert der Betrieb mit insgesamt vier Standorten die Kundschaft: «Vorübergehende Schliessung unserer Filiale in Köniz infolge eines Cyberangriffs», heisst es darin. Die Anlagen wurden vorsorglich vom Netzwerk getrennt. Aufgrund des Vorfalls bleibt die Filiale an der Könizstrasse 235 bis zum 20. November, also über zwei Wochen, geschlossen.

Wie viel Fleisch deswegen im Abfall landete, wie gross der entstandene Schaden ist und weshalb die Metzg ganze 15 Tage geschlossen bleibt, ist unklar. Das Unternehmen möchte sich gegenüber Blick nicht zum Vorfall äussern, wie ein Sprecher auf Anfrage erklärt.

Viele Hackerangriffe auf Kühlsysteme in den vergangenen Wochen

In den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu Hackerangriffen auf Kühlschränke und Tiefkühltruhen in europäischen Supermärkten. Vor allem Detailhandelsketten in Frankreich waren betroffen, die Attacken weiteten sich aber auf mehrere europäische Länder aus. Erst vor wenigen Tagen meldeten Supermärkte in Schweden, Belgien und Irland erneut Probleme mit ihren Kühlsystemen.

Auch Schweizer Detailhändler sind im Visier der Kühlschrank-Hacker. So hat Coop ebenfalls entsprechende Versuche registriert, wie zuerst «20 Minuten» berichtet hat. Die Hacker blieben aber ohne Erfolg, bestätigte ein Sprecher gegenüber Blick. Bislang waren die Cyberattacken in der Schweiz ohne Erfolg – bis jetzt. Die Hacker gehen immer gleich vor: Sie dringen ins System von mit dem Internet verbundenen Kühlanlagen ein und erhöhen dann die Temperatur auf 50 Grad Celsius. Dadurch verderben alle gekühlten Lebensmittel. Wer hinter den Hacks steckt, ist nach wie vor nicht bekannt.

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