Musk hebt ab
Der SpaceX-Börsengang sprengt alle Dimensionen

SpaceX steht vor dem grössten Börsengang der Geschichte. Doch nicht nur Fans von Elon Musk werden zugreifen. Über Pensionskassen und Indexfonds dürften auch Millionen Schweizerinnen und Schweizer indirekt zu Aktionären werden.
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Starlink, das Satelliten- und Kommunikationssystem, generiert am meisten Umsatz im SpaceX-Konzern.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SpaceX plant Börsengang am 12. Juni in New York
  • Grösster IPO der Geschichte: Ziel 75 Milliarden Dollar Kapital
  • Millionen Schweizer werde automatisch Aktionäre von SpaceX
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Beat SchmidWirtschaftsredaktor

Der Countdown läuft. Schon nächsten Freitag soll die SpaceX-Rakete abheben – zwar nicht zum Mars, sondern an der Wall Street in New York (USA), dem wichtigsten Börsenplatz der Welt. Intergalaktische Ausmasse nimmt der geplante Börsengang des Raumfahrtunternehmens trotzdem an. 

Elon Musk (54), Gründer und Chef von SpaceX, will beim sogenannten Initial Public Offering rund 75 Milliarden Dollar einsammeln. Das wäre mit Abstand der grösste Börsengang der Geschichte. Zum Vergleich: Der bisherige Rekordhalter, der saudische Ölkonzern Saudi Aramco, nahm 2019 rund 25 Milliarden Dollar ein. Daneben verblassen die grössten Schweizer Börsengänge der jüngeren Geschichte: Galderma kam auf 2,3 Milliarden Franken; die SMG Swiss Marketplace Group auf 903 Millionen Franken.

135 Franken pro Aktie

Insgesamt sollen über 555 Millionen neue Aktien zu einem Preis von rund 135 Dollar pro Stück platziert werden. Mit den bestehenden Aktien lässt sich somit eine Börsenbewertung von rund 1,77 Billionen Dollar errechnen. Damit ist SpaceX auf einen Schlag etwa so viel wert wie die zwanzig grössten Schweizer Unternehmen zusammen. Die Riesenbewertung steht im Widerspruch zur operativen Bedeutung des Unternehmens. Im Vergleich zu Techgiganten wie Apple, Microsoft oder Nvidia ist SpaceX ein Zwerg, der zudem riesige Verluste schreibt. Letztes Jahr erzielte das Unternehmen Umsätze von 18 Milliarden Dollar bei einem Verlust von knapp fünf Milliarden.

SpaceX ist in drei Bereiche gegliedert: das Kommunikations- und Satellitengeschäft Starlink, mit dem das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 20 Milliarden Dollar anpeilt. Das zweitwichtigste Standbein sind die sogenannten Launch Services, das Raketenprogramm, das 2026 Umsätze von sechs Milliarden Dollar generieren soll. Der dritte Bereich sind Dienstleistungen für Regierungen und das Militär. Mit dem Sicherheitsnetzwerk Starshield will Musk im laufenden Jahr 3,2 Milliarden Dollar einnehmen. 

Das ist alles – mehr hat SpaceX nicht zu bieten. Rechtfertigt das eine Bewertung von 1,77 Billionen Dollar? Kritiker halten die Börsenpläne für masslos übertrieben. Sie verweisen darauf, dass ein erheblicher Teil des Börsenwerts auf übertriebenen Hoffnungen und hochgekochten Erwartungen basiert.

Die Optimisten sehen die Sache völlig anders. Sie sagen, dass an der Börse nicht die Gegenwart gehandelt wird, sondern die Zukunft. Wer Aktien kauft, investiert nicht in das Unternehmen von heute, sondern in das von morgen. SpaceX verkörpert das Gegenteil von Firmen wie Walmart, Coca-Cola oder Nestlé, die vor allem bestehende Märkte verteidigen. SpaceX dagegen will in völlig neue Dimensionen vorstossen – im All und auf der Erde. Kein anderes Unternehmen liefert eine ähnlich spektakuläre Zukunftsgeschichte.

Revolution im All

Das fängt mit dem Raumfahrtgeschäft an, das SpaceX vor einer Revolution sieht. Mit dem Megaraumschiff Starship sollen die Kosten für Transporte ins All drastisch gesenkt werden. Dadurch könnten völlig neue Märkte entstehen – von Mondmissionen über Weltraumtourismus bis hin zum Transport riesiger Satelliten und ganzer Fabriken in den Orbit. Elon Musk träumt davon, die Menschheit «multiplanetar» zu machen. Er will auf dem roten Planeten eine Stadt für eine Million Menschen bauen. Frei nach Raumschiff Enterprise sollen sie von dort in Galaxien vordringen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. 

Weniger nach Startrek-Drehbuch, dafür umso mehr nach Business klingen andere Visionen. So sehen Analysten grosses Potenzial in der Verbindung von Musks Satelliten-Infrastruktur, künstlicher Intelligenz und globalen Datendiensten. Musk hat Anfang Jahr seine KI-Firma xAI in SpaceX integriert, was einen erheblichen Teil der hohen Bewertung des Unternehmens erklärt. Der Plan ist es, SpaceX zu einem weltumspannenden Technologie- und Infrastrukturkonzern auszubauen, mitsamt Datencentern im All. Die Raketen wären dann nur noch das Werkzeug für ein Geschäft, das weit über die Grenzen der Erde hinausreicht.

Analysten vom Musk-Virus befallen

Eine Woche vor dem Börsengang scheinen die Börsenanalysten vom Musk-Virus befallen. Für Aufsehen sorgte eine neue Studie der US-Grossbank Morgan Stanley, die davon ausgeht, dass SpaceX bis zum Jahr 2040 einen Jahresumsatz von rund 3,4 Billionen Dollar (3400 Milliarden) erreichen könnte – also einer Verhundertfachung gegenüber heute. Treiber dieser Entwicklung wäre in erster Linie das KI-Geschäft des Konzerns. Bereits im Jahr 2030 sollen Dienstleistungen mit künstlicher Intelligenz 190 Milliarden Dollar zum Umsatz beisteuern. Der Gesamtumsatz würde dann auf 330 Milliarden Dollar steigen. Noch optimistischer sind die Auguren der Investmentbank Goldman Sachs. Sie schätzen, dass allein die KI-Sparte bis 2030 einen Jahresumsatz von mehr als 320 Milliarden Dollar erzielen könnte.

Solche Prognosen zielen darauf ab, Investoren «käufig» zu machen. Allerdings muss man wissen: Sowohl Morgan Stanley als auch Goldman Sachs gehören zu den Banken, die den Börsengang begleiten und daran mitverdienen werden. Ihnen liegt sehr viel daran, dass der IPO ein Erfolg wird. Zwar sind bei Grossbanken Aktienanalyse und Investmentbanking formal voneinander getrennt. Dennoch bleibt bei derart ambitionierten Prognosen ein tiefes Unbehagen zurück, das an die Dotcom-Zeit Ende der 1990er-Jahre erinnert. 

Alle werden SpaceX-Aktionäre

Wenn in letzter Sekunde nichts schiefgeht, wird der SpaceX-Börsengang zu einer Machtdemonstration des amerikanischen Kapitalismus, der Investoren aus der ganzen Welt in den Bann zieht. Auch Schweizer Anleger werden mitmachen. Neben privaten Anlegern werden auch Versicherungen und Pensionskassen dabei sein, die Vorsorgegelder von knapp sechs Millionen Schweizern verwalten. Für sie könnte es sinnvoll sein, sich frühzeitig mit SpaceX-Aktien einzudecken, da sie die Titel früher oder später ohnehin kaufen müssen. Der Grund: Professionelle Investoren bilden den amerikanischen Aktienmarkt in der Regel passiv ab. Das heisst, sie kaufen so viele Aktien eines Unternehmens, wie es dessen Kapitalisierung entspricht.

Zu einer Flut von neuen, indirekten Aktionären kommt es spätestens, wenn SpaceX in wichtige Börsenindizes aufgenommen wird. Die Betreiber des Leitindex S&P 500, der die 500 erfolgreichsten US-Unternehmen umfasst, haben zwar wider Erwarten entschieden, die Regeln für die Aufnahme grosser Börsenneulinge doch nicht zu lockern. Damit verzögert sich die Aufnahme von SpaceX bis frühestens Juni 2027. 

Allerdings haben andere Indexanbieter wie Nasdaq und FTSE Russell ihre Regeln für grosse Börsenneulinge bereits gelockert. Dadurch könnte SpaceX deutlich schneller in Indizes wie den Nasdaq 100 oder die Russell-Indizes aufsteigen und von Milliarden-Zuflüssen von passiven Fonds profitieren.

SpaceX: sieben Fakten

167 Starts
So viele Raketen schoss SpaceX 2025 ins All. Das entspricht fast einem Start alle zwei Tage und mehr Starts als alle anderen Raumfahrtnationen zusammen.


400 Booster-Landungen
SpaceX hat seine wiederverwendbaren Raketenbooster bereits mehr als 400 Mal erfolgreich gelandet.


10 Explosionen
So oft explodierten Starship-Raketen bei Testflügen. Elon Musk nimmt spektakuläre Fehlschläge bewusst in Kauf, um die Entwicklung zu beschleunigen.


120 Meter
Die Gesamthöhe macht Starship zur grössten und leistungsstärksten Rakete, die jemals gebaut wurde.


7000 Satelliten
Das Satellitennetzwerk Starlink umfasst inzwischen mehr als 7000 Satelliten und ist damit das grösste seiner Art.


13’000 Mitarbeiter
Die Belegschaft von SpaceX ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, vor allem durch den Ausbau des Satellitennetzwerks Starlink und der Entwicklung von Starship.


90 Millionen US-Dollar
So viel soll der Start einer Starship-Rakete derzeit kosten. Elon Musk will den Preis für kommerzielle Starts der Schwerlastrakete auf eine Million drücken.

167 Starts
So viele Raketen schoss SpaceX 2025 ins All. Das entspricht fast einem Start alle zwei Tage und mehr Starts als alle anderen Raumfahrtnationen zusammen.


400 Booster-Landungen
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10 Explosionen
So oft explodierten Starship-Raketen bei Testflügen. Elon Musk nimmt spektakuläre Fehlschläge bewusst in Kauf, um die Entwicklung zu beschleunigen.


120 Meter
Die Gesamthöhe macht Starship zur grössten und leistungsstärksten Rakete, die jemals gebaut wurde.


7000 Satelliten
Das Satellitennetzwerk Starlink umfasst inzwischen mehr als 7000 Satelliten und ist damit das grösste seiner Art.


13’000 Mitarbeiter
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90 Millionen US-Dollar
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