Darum gehts
- Mieten in der Schweiz steigen wegen Wohnungsnot und Energiepreisen
- Baubewilligungsverfahren dauern 280 Tage, 73 Prozent länger seit 2017
- Privater Bauherren-Anteil sinkt von 38 Prozent (2001) auf 15 Prozent
Da kommt was auf Mieterinnen und Mieter zu! Zuletzt beruhigte sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt leicht. Jetzt aber rechnet Raiffeisen schon bald wieder mit deutlich steigenden Mieten in der Schweiz. Schuld seien das knappe Wohnungsangebot und immer mehr Vorschriften, heisst es in der neuesten Immobilienstudie der Bank. Grösster Treiber sind aber die höheren Energiepreise infolge des Irankriegs, die das Bauen teurer machen.
Die Folgen bekommen Mieter längst zu spüren. In vielen Regionen herrscht derzeit akuter Wohnungsmangel. Wer heute eine neue Wohnung sucht, zahlt oft massiv mehr als noch vor wenigen Jahren. Der Graben zwischen Angebotsmiete und Bestandesmieten wird immer tiefer. Laut Raiffeisen deuten die extrem tiefen Angebotsquoten und die stark steigende Zahl von Suchabonnements darauf hin, dass der Druck auf dem Mietmarkt weiter zunimmt.
Private Bauherren warten zu
Denn Besserung ist nicht in Sicht. Trotz historisch tiefer Leerstände wird weiterhin viel zu wenig gebaut. Für Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile (59) ist klar: Der Wohnungsbau wird zunehmend von Gesetzen und Auflagen ausgebremst. Die Zahl der Vorschriften rund ums Bauen explodiert regelrecht. Seit 2005 sind die kantonalen Baugesetze im Schnitt um 26 Prozent länger geworden, die Bauverordnungen sogar um 32 Prozent. Immer neue Regeln zu Klima, Energie, Lärmschutz, Barrierefreiheit oder Denkmalschutz machen Bauprojekte komplizierter und teurer, heisst es.
Die Folgen: Die Dauer von Baubewilligungsverfahren für Mehrfamilienhäuser ist im Schweizer Schnitt seit 2017 von 162 auf 280 Tage gestiegen – eine Verlängerung von 73 Prozent in weniger als zehn Jahren. Das schreckt vor allem private Bauherren ab. Der Anteil der Schweizer Einwohner, die selber ein Haus bauen, ist auf etwas über 15 Prozent gesunken. Das ist ein neuer Tiefststand. 2001 waren noch 38 Prozent der Bauherren Privatpersonen.
«Die Vielzahl neuer gesellschaftlicher und technischer Erwartungen treibt Komplexität, Risiken und Kosten massiv nach oben», warnt Hasenmaile. Bewilligungsverfahren dauern länger, Investoren werden vorsichtiger – und am Ende fehlen neue Wohnungen. Ein Teufelskreis, der vielen Mieterinnen und Mietern im Land zunehmend schlaflose Nächte bereitet.