Toni Shala bringt frisches Geld ins Unternehmen
Der neue Phantom-Eigentümer von Micasa

Verkauf durch die Migros, Management-Buyout, und jetzt schon wieder neue Eigentümer: Nach eineinhalb Jahren Micasa-Chaos will es Toni Shala richten. Blick sprach mit einem halben Dutzend Möbelmarkt-Insider über den unbekannten Unternehmer.
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Toni Shala ist der neue Besitzer der Möbelhauskette Micasa. So zeigt sich der Unternehmer auf Linkedin.
Foto: Webshot / Linkedin

Darum gehts

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Micasa klingt zwar noch nach Migros, doch steckt nichts mehr vom orangen Riesen in der 1981 gegründeten Möbelkette. Anfang 2025 trennte sich der Dutti-Konzern von den 30 Einrichtungshäusern. Ein Jahr nach der Übernahme durch das damalige Management – die neuen Eigner waren Deutsche und Österreicher – ist dieses Micasa-Experiment gescheitert. Laut einem aktuellen Handelsregisterauszug besitzt Toni Shala (51) seit Ende Oktober 100 Prozent der Micasa-Aktien. Toni wer?

Nachfrage bei Micasa. «Er ist ein erfahrener Unternehmer mit langjähriger Tätigkeit in der Logistik für die Möbel- und Einrichtungsbranche», sagt eine Sprecherin der PR-Agentur Oppenheim-Partner, die für Shala und Micasa die Pressearbeit macht. Blick bat um ein Gespräch mit dem neuen Geldgeber, worauf die Sprecherin nicht eingeht. Auch Bildmaterial von Investor Shala gebe es keines.

Stattdessen fallen Floskeln wie «fundiertes Know-how in den Bereichen Logistik, Kundenservice und operative Führung». Kompetenzen, die für ein Einrichtungshaus von zentraler Bedeutung seien. «Herr Shala sieht gute Voraussetzungen, das Unternehmen langfristig erfolgreich weiterzuentwickeln», so die Sprecherin weiter. Detailfragen bleiben unbeantwortet.

Geheimnis nach Druck von aussen gelüftet

Das Presseteam von Micasa hielt sich bis vor wenigen Tagen bedeckt, wollte den Namen der Schweizer Investorengruppe nicht der Öffentlichkeit preisgeben. Ob es daran liegt, dass Shala «ein unbeschriebenes Blatt in der Schweizer Möbelbranche ist», wie ein gut vernetztes Schweizer Urgestein der Möbelbranche sagt? Blick befragte ihn und ein gutes halbes Dutzend Brancheninsider bis hoch in die Chefetagen. Alle wollen anonym bleiben, alle bestätigen aber diesen Eindruck: Toni Shala, oder Toni S., wie der Unternehmer sich auf der bekannten Berufsnetzwerk-Plattform LinkedIn nennt, ist ein Phantom in der Möbelbranche.

«Als ich beim Blick vom neuen Micasa-Eigentümer gelesen habe, dachte ich mir nur: Wer zum Teufel ist Toni Shala?», sagt einer. «Dieser Mann ist mir kein Begriff», eine andere.

Gemäss seinem LinkedIn-Profil ist Shala seit 2012 Teil der Firma Jubex Transporte aus Spreitenbach AG; zwischenzeitlich als Geschäftsführer, mittlerweile als Verwaltungsrat. Dienstleistungen der Aargauer Firma laut Webseite: Transporte, Lagerlogistik, Möbelmontage, Entsorgung, Umzug.

Das deckt sich mit Handelsregistereinträgen. Aus diesen geht auch hervor, dass der gebürtige Kosovar seit 2025 zudem im Management des Software-Unternehmens Tobb GmbH sitzt. Dieses hat die Adresse einer Anwaltskanzlei in Cham ZG.

Medienberichte über seine Arbeit als Jubex-Geschäftsführer lassen sich keine finden. Auch das Internet gibt wenig über Shala her. Offenbar war er 2009 Assistenztrainer beim FC Wohlen (U14), gemäss Vereinswebseite. Privat unterhält er einen Instagram- und Facebook-Account.

Geldspritze bitter nötig

Laut Micasa bringt Investor Shala «zusätzliche finanzielle Mittel» und sichert damit die Finanzierung für die weitere Entwicklung des Unternehmens. Das ist bitter nötig. Laut Wirtschaftsauskunft Teledata laufen sogenannte vorrechtliche Inkassoverfahren, es bestehe eine hohe Zahlungsausfall-Wahrscheinlichkeit. «In der Branche hört man, dass Lieferanten nur noch gegen Vorkasse Micasa beliefern würden», sagt eine Kennerin des Möbelmarkts. Auch verärgerte Kundinnen und Kunden meldeten sich bei Blick, weil sie zahlten, aber keine Ware geliefert bekamen.

«Mich interessiert weniger, wer Shala ist, als woher das Geld kommt, das er mitbringt», fragt sich ein weiterer Insider aus der Branche. Von der PR-Agentur gibt es darauf keine klare Antwort: «Die Übernahme wird durch private Mittel der Investorengruppe finanziert. Zu Einzelheiten der Transaktion und Finanzierung äussern wir uns nicht», lautet die Rückmeldung.

Die nächsten Monate werden zeigen, ob Shala das Ruder bei Micasa herumreissen und wieder Vertrauen in die Marke bringen kann. Ein Branchenkenner spricht von einem mutigen Unterfangen: «Für das Ladennetz braucht es vor allem Geld – und einen guten Plan.»

Micasa hat bereits angekündigt, vier der 30 Filialen zu schliessen. 70 Angestellte verlieren deswegen ihren Job. Das Filialnetz bleibt «zentraler Bestandteil des Geschäfts», versichert die Sprecherin. Besonders der Online-Handel solle ausgebaut werden. Viel Zeit bleibt Shala nicht, wie dieser Brancheninsider sagt: «Der Wettbewerb in der Möbelbranche ist brutal.» Gleichzeitig erlebe er, wie aktuelle Micasa-Angestellte bei ihm anklopfen, weil sie es nicht mehr beim Ex-Möbelhaus der Migros aushielten.

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