Mehrheit geht ins Ausland
Ricola produziert 43'000 Zältli – pro Minute

Der Slogan «Wer häts erfunde?» ist schon fast Schweizer Kulturgut. Der Kräuterzucker auch. Besonders beliebt ist es aber im Ausland. Die Geschichte hinter Ricola.
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Seit 1940 hat Ricola nach eigenen Angaben nichts am Originalbonbon verändert – weder an Form noch Rezeptur.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

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Olivia Ruffiner
Handelszeitung

Es war 1930, als Emil Richterich in Laufen bei Basel die Confiseriefabrik Richterich & Co. gründete, aus der sich der heutige Firmenname (Ri-Co-La) ableitet. Vergangenes Jahr feierte das Halsbonbon seinen 95. Geburtstag. Einen Geburtstag, an den Richterich in den ersten zehn Jahren wohl kaum geglaubt hätte. Gut zehn Jahre tüftelte er an der Formel, bis er im Jahr 1940 die perfekte Mischung aus dreizehn Kräutern fand und diese als viereckiges, knubbeliges Dääfeli verkaufte.

Die harte Rationierung von Zucker während der Kriegsjahre spielte Richterich in die Hände: Die Kräuterbonbons waren ohne Lebensmittelmarken zu erhalten, was ihnen grosse Beliebtheit einbrachte. Über die Jahre sollten viele Formen und Geschmäcker von Bonbons folgen und teilweise auch wieder verschwinden. Das urchige, braune Stück ist aber auch nach achtzig Jahren noch immer ein weltweit führendes Halsbonbon. Ricola publiziert seit 2018 keine Geschäftszahlen mehr. Damals lag der Umsatz bei 339 Millionen Franken. Im Jahr 2023 schätzte das Fachmedium Konsider den Jahresumsatz auf 350 Millionen Franken.

Artikel aus der «Handelszeitung»

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Ricola enthält in der Originalmischung 13 Schweizer Kräuter: Spitzwegerich, Eibisch, Pfefferminze, Thymian, Salbei, Frauenmantel, Holunderblüten, Schlüsselblume, Schafgarbe, Bibernelle, Ehrenpreis, Malve und Andorn. Diese werden von Bergbauern im Wallis, Emmental, am Jura-Südfuss und dem Puschlav angebaut. Die Fläche dafür umfasst nach Unternehmensangaben rund 130 Fussballfelder. Jährlich verarbeitet Ricola im Werk in Laufen BL 1500 Tonnen Kräuter zu rund neun Milliarden Bonbons.

Zehn Jahre tüftelte Emil Richterich an der 13-Kräuter-Formel.
Foto: Ricola

Zollhammer statt Vorschlaghammer

Im Jahr 2024 kündigte Ricola an, das Hero-Werk in Lenzburg AG zu übernehmen und für 20 Millionen Franken umzubauen. Im Endausbau sollen 105 Vollzeitstellen geschaffen werden. US-Präsident Donald Trump und seine Zoll-Wut machten dem Schweizer Familienbetrieb einen Strich durch die Rechnung. Das Unternehmen lebt vom Export, in der Schweiz bleiben gut 10 Prozent der Ricola-Produkte. Beim Umbau tritt man also lieber auf die Bremse. Man wolle sich auf die bestehende Belegschaft konzentrieren, sagte CEO Thomas Meier zu CH Media. Eine Verlagerung der Produktion ins Ausland strebe man nicht an, schliesse sie aber auch nicht gänzlich aus.

Nach dem Tod von Emil Richterich im Jahr 1979 führten dessen Söhne Hans Peter und Alfred Richterich das Unternehmen in der zweiten Generation weiter. Ab den 1990er-Jahren prägte Felix Richterich in dritter Generation Ricola. Am 1. Mai 2019 übergab er die operative Leitung an Thomas Meier und wechselte ins Verwaltungsratspräsidium. Seine Cousine Eva Richterich hielt zwischen 2014 und 2020 strategische und operative Rollen inne und ist heute im Verwaltungsrat der Familienholding aktiv. Im Jahr 2018 hielt mit Raphael Richterich die vierte Generation Einzug. Er war zunächst als Vizepräsident im Verwaltungsrat, im Mai 2025 fand mit seinem Antritt als Präsident der Generationenwechsel statt.

Anstossen mit Ricola?

Der Bonbonhersteller besitzt noch immer einen Tüftlergeist. So gibt es heute neben den «Chrüüterzältli» auch Instant-Tee unter dem Namen Ricola, der wie Nescafé-Pulver direkt in heissem Wasser aufgelöst wird. Das neueste Produkt im Portfolio von Ricola sind die Brausewürfel Drink Cubes. Diese sind das Resultat der Zusammenarbeit mit dem österreichischen Brausehersteller Waterdrop.

Es kamen immer mehr Lutschbonbons mit neuen Geschmacksrichtungen sowie zuckerfreie Varianten hinzu. Unterdessen bietet Ricola sechzig verschiedene Produkte auf dem Weltmarkt an, die weit über das Bonbonwesen hinausgehen.

Das Original-Bonbon ist braun und viereckig.
Foto: Paul Seewer

Manche Ideen kommen auch nie zum Fliegen, so wie die 2021 angestrebte Getränkemarke Herbling, die den Kräuterklassiker verflüssigen sollte (die Handelszeitung berichtete). Realisieren wollte Ricola das mit einem Crowdfunding in Höhe von 50’000 Franken, das nie zustande kam. Im Antrag waren bereits die Geschmackssorten bekannt: Demnach sollten «Noble Natural», «Luscious Lemon», «Mountain Mint» und «Blissful Berry» weltweit in die Gläser kommen.

Die ganze Welt lutscht Ricola-Dääfeli

Das Baselbieter Unternehmen will seinen Kräuterzucker auch um die Welt bringen. Es sieht besonders in Asien und den dortigen Märkten China, Japan und Korea grosse Wachstumschancen. Um die Präsenz auszubauen, setzt Ricola auf die Zusammenarbeit mit lokalen Superstars. Vor gut einem Jahr lief eine Kampagne mit dem koreanischen Sänger und Schauspieler Cha Eun-woo, der auf Instagram 46,9 Millionen Follower hat. Von ihm signierte Ricola-Päckli der limitierten Auflage gibt es noch heute auf Secondhandplattformen zu ersteigern.

Auch die US-Sängerin Ariana Grande machte auf den Schweizer Kräuterzucker aufmerksam. In einem Video mit der «Vogue» stellte sie den Inhalt ihrer Tasche vor und zog prompt eine Packung Ricola heraus.

In Ariana Grandes Tasche hat es immer eine Packung Ricola, sagt die Sängerin zur «Vogue».
Foto: Screenshot Youtube

Nicht nur Sängerinnen schwören auf Ricola, seit neuestem setzt auch die Schweizer Armee auf die Dääfeli. Neben Militärbiscuit und Armeeschokolade nimmt die Schweizer Armee neu auch Ricola mit in den Proviant auf. Wie der Blick berichtet, werden die Bonbons in Minipäckli zu je zwei Stück abgegeben. «Seitens Truppe wurde eine entsprechende Nachfrage festgestellt», erklärt Armeesprecher Stefan Hofer. Die süssen Zückerli sollen eine Abwechslung zu Kaugummi und Traubenzucker bieten.

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