Luxusläden nehmen Reissaus
Was los ist an Basels beliebtester Einkaufsmeile

Basels Freie Strasse erlebt einen Sommer zum Vergessen. Gleich mehrere Luxusläden haben die beliebte Shoppingmeile verlassen. Blick kennt die Gründe für den Exodus.
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Links Bally, rechts Louis Vuitton: Die beiden Luxusmarken haben sich an der Basler Freien Strasse eine Adresse geteilt.
Foto: Stefan Bohrer

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Luxusläden verlassen Basels Freie Strasse, Louis Vuitton und Bally schliessen
  • S&P Global Luxury Index seit 2023 mit 10 Prozent Verlust
  • LVMH-Aktien verloren seit 2023 rund 50 Prozent ihres Werts

Die älteste und wichtigste Einkaufsmeile der Stadt bewegt die Baslerinnen und Basler. Einmal mehr. Nach dem Millionenumbau der vergangenen Jahre war der Unmut bereits gross: Die Einkaufsstrasse wurde komplett versiegelt, eine Handvoll Topfpflanzen sorgt zurzeit für ein bisschen Begrünung in der sonst grauen Fussgängerzone.

Doch heute ist es nicht die Bepflanzung, sondern die hohe Leerstandsquote, die die Stadtbewohner beschäftigt. «Luxus ist in Basel tot», sagt Andreas K*. Der Blick-Leser wohnt in Basel und beobachtet das Ladensterben seit einiger Zeit. «Jedes Mal, wenn ich die Freie Strasse runterlaufe, ist ein weiterer Laden verschwunden», sagt er. Und merkt weiter an: «Es sind nicht nur Modeunternehmen betroffen.» Auch die Fitnesspremiummarke Techno Gym habe es am Standort nur ein knappes Jahr ausgehalten, bevor sie diesen Sommer Reissaus nahm.

An der oberen Freien Strasse, wo die teuren Luxusmarken zu Hause sind, stehen die Zeichen auf Exodus. Innert weniger Wochen machten Louis Vuitton und Bally im Sommer ihre Läden dicht. Auch die traditionsreiche Boutique Sophys schloss ihre Türen für immer.

Branche unter Druck

Was steckt hinter den Schliessungen exklusiver Läden? «Das Problem ist nicht unbedingt Basel, sondern die globale Luxusindustrie», erklärt Frank Müller (61). Neben seiner Tätigkeit als selbständiger Berater für Luxusfirmen ist er auch Dozent an der Universität St. Gallen. «Die ganze Luxusgüterindustrie muss sparen und fokussiert deshalb auf die profitablen Standorte», so Müller weiter. Weil Basel – im Gegensatz zu Genf, Zürich oder den Bergregionen wie St. Moritz oder Gstaad – nicht dazugehöre, würden Läden wie Louis Vuitton den Rotstift hier zuerst ansetzen.

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Die globale Inflation der vergangenen Jahre hatte zur Folge, dass die Mittelschicht zurückhaltender konsumierte und sich keine Luxusgüter mehr leisten wollte. Hinzu kommt der Ausbruch des Iran-Kriegs, der die kauffreudige und stark wachsende Kundschaft in der Golfregion erschütterte.

Die Baisse in der Branche zeigt sich auch an der Börse: Der S&P Global Luxury Index, der die Aktienkurse der 80 grössten und wichtigsten Luxuskonzerne abbildet, trat in den letzten fünf Jahren auf der Stelle. Blickt man auf den Zeitraum seit Jahresbeginn, beträgt das Minus knapp 10 Prozent. LVMH, der grösste Modekonzern der Welt, zu dem auch Louis Vuitton gehört, verlor seit 2023 gar rund die Hälfte seines Börsenwerts.

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Keine repräsentative Lage

Diese Schwierigkeiten in der noblen Branche kommen nun in der Fussgängerzone an. Unprofitable Filialen an nicht repräsentativen Lagen würden darum hinterfragt, erklärt Müller. Dass die grossen Ketten wieder an Standorte wie die Freie Strasse zurückkehren, erwartet der Luxusexperte nicht: «Was Luxusgeschäfte angeht, ist die Perspektive in Basel nicht gut.»

Das sieht Mathias F. Böhm (50) anders. Der Basler ist Geschäftsführer von Stadt Konzept Basel. Dieses setzt sich für eine attraktive und vielfältige Innenstadt ein. In den Abgesang der Luxusläden in der Basler Innenstadt möchte er nicht einstimmen. «Nein, Luxus ist in Basel nicht tot», betont Böhm. Vielmehr durchlaufe die ganze Branche einen Wandel, der sich nun auch in Basel zeige.

Folgt jetzt die Kettenreaktion?

Für den Stadtvermarkter ist klar, dass es für einen attraktiven Mix in der Innenstadt auch teurere Geschäfte braucht. Und er ist überzeugt, dass bald neue attraktive Marken in die Freie Strasse einziehen werden. Damit der Standort nicht sein Luxusimage verliere, dürfe man aber nicht einfach eine Billigkette einziehen lassen. Umgekehrt erhöhe ein Luxuslabel mit grossem Namen als «Leuchtturm» den Wert des Standorts, sodass weitere folgen könnten.

Über seine Pläne in der Stadt am Rheinknie schweigt sich Louis Vuitton unterdessen aus. Die Anfrage von Blick über die Gründe für den Rückzug beliess das französische Unternehmen unbeantwortet. Dass sich am Leerstand in Basel bald etwas ändert, glaubt Blick-Leser K. nicht: «Die Basler haben momentan einfach kein Bedürfnis nach Luxus.»

* Name geändert 

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