Käufer von Fälschungen bekommen Post von der Schweizer Uhrenindustrie
Ärger wegen Fake-Rolex

Wer eine Fake-Rolex oder eine andere Fälschung kauft, gerät ins Visier der Schweizer Uhrenindustrie. Ertappte Besteller werden per Brief aufgefordert, Angaben zum Verkäufer zu machen.
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Beschlagnahmte Fälschungen von Schweizer Uhren kurz vor ihrer Vernichtung.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Deutscher Zoll fängt gefälschte Luxusuhr für Schweizer in Konstanz ab
  • Verband fordert Verkäuferdetails, sonst drohen Kosten für illegalen Import
  • Fälschungen kosten Schweizer Uhrenindustrie 2,7 Mrd. Fr. und 6000 Jobs
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Marco LüssiBlattmacher

Die bei Aliexpress georderte Uhr kam nie bei ihm an: Die Fälschung eines Luxusmodells, die der Schweizer sich an eine Päckli-Abholstation in Konstanz (D) hatte liefern lassen, wurde vom deutschen Zoll abgefangen. Statt der Armbanduhr erhielt der Mann einen Brief vom Verband der Schweizer Uhrenindustrie (FH), wie er auf der Onlineplattform Reddit berichtet. Darin wird er aufgefordert, detaillierte Angaben zum Verkäufer zu machen – ein entsprechendes Formular ist beigelegt.

Komme er dieser Aufforderung nach, sei man bereit, die Sache gütlich zu regeln, indem man lediglich die Einziehung der Uhr beantrage und auf eine Rechnungsstellung verzichte. Denn: «In Zusammenhang mit der illegalen Einfuhr sind Kosten entstanden, die wir grundsätzlich dem Empfänger in Rechnung stellen.» Sollte er keine Angaben zum Verkäufer machen, behalte man sich vor, ihm die entstandenen Kosten zu verrechnen.

Zoll gibt Adressen weiter

Dass die Bestellung einer Fälschung den Verband auf den Plan ruft, der den Hersteller des Originals vertritt, hatte der Reddit-User ebenso wenig erwartet wie die Tatsache, dass der Zoll seine Kontaktdaten weitergibt. Carole Aubert (54), Leiterin des Rechtsdiensts von FH, will sich nicht zum konkreten Fall äussern. Sie bestätigt jedoch, dass der Verband als Vertreter des Rechteinhabers – also jenes Schweizer Uhrenherstellers, dessen Produkt kopiert wurde – jeweils vom Zoll Angaben zum Empfänger erhalte. Dies sei sowohl in der Schweiz der Fall als auch in der EU.

Wie viele Besteller von Fälschungen jährlich angeschrieben werden, will Aubert nicht sagen. Sie nennt jedoch eine andere Zahl: 1,3 Millionen Inserate für gefälschte Uhren entferne man pro Jahr aus dem Internet. Dass dies möglich ist, liegt auch an der Kooperation jener Besteller, die Angaben zu ihrer Bezugsquelle liefern. Aubert: «Unser Ziel ist nicht, den Konsumenten systematisch strafrechtlich zu verfolgen, sondern die Fälschungen aus dem Verkehr zu ziehen und, soweit möglich, deren Quellen und Verkäufer zu identifizieren.»

Milliardenschaden für Schweizer Wirtschaft

Hauptquelle der Fälschungen sei China – verkauft würden die Fälschungen auf Onlinemarktplätzen, in sozialen Netzwerken und über zahlreiche unabhängige Websites, sagt Aubert. Die Verkäufer tauchten häufig unter anderen Identitäten wieder auf.

«Der Kauf einer Fälschung entspricht natürlich nicht zwangsläufig dem entgangenen Kauf eines Originalprodukts», räumt Aubert ein. Dennoch sei der Schaden real: Gemäss einer im letzten Jahr veröffentlichten OECD-Studie zu den Folgen gefälschter Swiss-Made-Produkte für die Schweizer Wirtschaft resultierte im Jahr 2021 ein Umsatzverlust von 2,7 Milliarden Franken, und es kam zu einem Verlust von 6000 Arbeitsplätzen. Zudem entgingen Bund und Kantonen Steuereinnahmen von rund 90 Millionen Franken. Aubert betont: «Die Bestellung einer Fälschung ist weder ein Jux noch eine Handlung ohne Folgen.»

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