«Man darf aktuell keinen Meter neben der Piste fahren»
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Bergführer über momentane Lage:«Man darf aktuell keinen Meter neben der Piste fahren»

Lawinengefahr hoch, Skigebiete zu, Ortschaften eingeschlossen
Das müssen Wintersportler über die Lage in den Bergen wissen

In der Schweiz sind Sportferien, doch gerade jetzt herrscht in den Bergen enorme Lawinengefahr. Entsprechend vorsichtig sollten die Wintersportler aktuell sein. Blick klärt die wichtigsten Fragen.
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In der Schweiz herrscht enorme Lawinengefahr, im Wallis teils sogar die höchste Warnstufe 5.
Foto: SLF

Darum gehts

  • Lawinenwarnstufe 5 im Wallis, Sportferien durch extreme Gefahr stark beeinträchtigt
  • Fahren abseits der Pisten ist lebensgefährlich und sollte strikt vermieden werden
  • Zermatt: Nur 12 von 56 Skianlagen geöffnet, viele Strassen gesperrt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

So gross ist die Lawinengefahr selten: Der Bund hat für Teile des Wallis die höchste Lawinenwarnstufe 5 verhängt. Dort besteht wegen des Neuschnees extrem grosse Gefahr. In praktisch allen anderen Berggebieten der Schweiz herrscht zudem Warnstufe 4 – und das ausgerechnet während der Sportferien.

Entsprechend müssen die Skifahrer und Snowboarderinnen mit Einschränkungen rechnen. Und äusserst vorsichtig unterwegs sein, wenn sie sich auf die Pisten wagen. Blick beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Kann ich abseits der Pisten fahren?

Wer aktuell in den Skiferien weilt, sollte sich gut über die Lage informieren. Und immer auf den offenen Pisten bleiben. Pierre Mathey (60), Geschäftsführer des Schweizer Bergführerverbands, findet deutliche Worte: «Es ist ganz klar nicht verantwortbar und äusserst gefährlich, abseits der Pisten zu fahren.» Wenn ein Ski- oder Snowboardfahrer nämlich abseits der Piste fährt, kann es passieren, dass er eine Lawine auslöst. «Das ist eine tödliche Gefahr», so Mathey. Ihm ist es wichtig, eine deutliche Botschaft zu vermitteln: «Ski und Snowboard fahren abseits der Pisten ist aktuell ganz klar tabu!» Und zwar grundsätzlich überall in der Schweiz, insbesondere im Wallis.

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Skitouren sind derzeit also nicht möglich?

Zumindest nicht in allen Teilen der Schweiz. Für jene, die unbedingt eine Skitour machen wollen, hat Mathey einen Tipp: «Man könnte zum Beispiel eine Stunde nach Süden, also Italien, fahren, wo die Lawinengefahr tiefer ist.» Auch Teile des Tessins sind eine Möglichkeit. Klar ist aber: «Es ist nicht immer möglich, eine Alternative zu finden. Dann sollte man einfach ein paar Tage abwarten, bis sich die Situation beruhigt hat», meint er. Heisst: Es ist sinnvoller, die Tour zu verschieben – auch wenn man äusserst erfahren ist.

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Welche Orte sind vom Rest der Schweiz abgeschnitten?

Wegen der grossen Lawinengefahr sind viele Strassen in den Alpenregionen gesperrt. Die Situation ist laut dem Verkehrsinformationsdienst Viasuisse prekär, die Lage kann sich jederzeit ändern. Wir halten dich im Ticker auf dem Laufenden. Besonders betroffen ist das Wallis. So ist etwa der Autoverlad am Furka und am Lötschberg geschlossen, weil die Zufahrt zu den Verladestationen gesperrt ist.

Das Lötschental ist von der Aussenwelt abgeschnitten, was etwa die Bergsturz-Gemeinde Blatten VS betrifft. Mehrere Walliser Ferienorte sind komplett eingeschneit. So sind etwa die Hauptstrassen zu den Ortschaften Saas-Fee und Saas-Grund, Zermatt und Arolla gesperrt. Die Familie Käser ist in ihrem Ferienhaus in Arbaz eingeschneit – und hat keine Lebensmittel mehr.

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Welche ÖV-Strecken sind wegen des Wetters unterbrochen?

Auf der Südseite des Lötschbergtunnels entgleiste am Montag zudem ein Regioexpress der BLS wegen einer Lawine. Die Strecke des RE1 zwischen Spiez BE und Brig VS ist derzeit unterbrochen – laut Angaben der SBB voraussichtlich bis kommenden Samstagmorgen. Es fahren Ersatzbusse und Züge auf anderen Linien. 

Auch der Bahnverkehr der Linie R82 ist wegen des starken Schneefalls zwischen Sembrancher VS und Orsières VS unterbrochen. Die SBB gehen davon aus, dass die Einschränkung den Rest des Tages anhält. Ersatzbusse sind im Einsatz, es ist mit Verspätungen und Ausfällen zu rechnen.

Im Appenzellerland haben starke Windböen zum Ausfall der Linie S23 zwischen Weissbad AI und Wasserauen AI geführt. Die Strecke ist laut SBB-Angaben bis 19 Uhr unterbrochen. Es sind Ersatzbusse im Einsatz. 

In Grindelwald BE steht zudem die Gondel- und Kabinenbahn zwischen Grindelwald Terminal und Männlichen still – auch hier wegen starken Winden. Der Unterbruch dauert bis voraussichtlich 18.50 Uhr. 

Die SBB halten dich hier auf ihrer Website auf dem Laufenden.

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Wie ist die Situation in den Walliser Skigebieten?

Die Lawinengefahr hat mehrere Skigebiete im Wallis dazu bewegt, den Betrieb am Dienstag erst gar nicht aufzunehmen. Konkret bleiben Saas-Fee und Saas-Grund, Glacier 3000, Les Marécottes, Grächen und die Gebiete in Orsières geschlossen. Auch das grosse Skigebiet 4 Vallées ist stark betroffen. Dort sind nur 38 der 61 Anlagen offen, fast die Hälfte der Pisten sind gesperrt. Die Aletsch Arena, wo teilweise Lawinenwarnstufe 5 gilt, hat 30 der total 35 Lifte in Betrieb, 78 der 121 Pisten sind befahrbar. In Zermatt laufen aktuell bloss 12 der 56 Skianlagen, nur jede fünfte Piste ist geöffnet. 

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Und wie sieht es in den Skigebieten anderer Kantone aus?

Weil die Lawinengefahr in der ganzen Schweiz sehr hoch ist, sind auch die Skigebiete in Graubünden teilweise nicht komplett geöffnet. Der Betrieb der Destination Davos-Klosters ist stark eingeschränkt. In den zwei grossen Skigebieten Parsenn und Jakobshorn sind 5 von 18 Anlagen respektive 2 von 10 Liften offen. In Laax laufen derzeit nur 11 von 30 Skiliften. Lenzerheide-Arosa hat 25 von 43 Anlagen geöffnet.

Ähnliches Bild im Berner Oberland: Die drei Skigebiete der Jungfrau-Region sind nur mit eingeschränktem Betrieb unterwegs. In Grindelwald-Wengen sind 13 von 21 Liften geöffnet, in Mürren-Schilthorn 10 von 13 und in Grindelwald-First 3 von 7. Adelboden-Lenk hat 9 von 21 Anlagen in Betrieb. Am Hasliberg sind 9 der 16 Lifte offen.

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