Darum gehts
- Starkschneefälle bis Dienstag: Bis zu ein Meter Neuschnee in Alpenregionen
- Starke Winde mit bis zu 120 km/h gefährden Bergregionen und Flachland
- Lawinengefahr steigt: Gefahrenstufe 4 für Wallis, Alpennordhang und Graubünden
Höchste Lawinen-Gefahrenstufe in Teilen des Wallis
Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF hat die Lawinen-Gefahrenstufe für die Schweiz aktualisiert. Für weite Teile des Kantons Wallis gilt mittlerweile die Gefahrenstufe 5 von 5, also die grösstmögliche Lawinengefahr.
In den Regionen mit der höchsten Gefahrenstufe befindet sich unter anderem das Dorf La Fouly VS, das am Montag aufgrund der Wetterlage evakuiert werden musste. Auch für die Region rund um Goppenstein VS, wo am Montag ein Zug wegen einer Lawine entgleist ist, gilt jetzt die höchste Gefahrenstufe. Die Gefahrenstufe 5 wird laut dem SLF nur in 0.1 Prozent aller Fälle ausgerufen.
Für den Bund ist die Lawinen-Gefahrenstufe 5 eine ausserordentliche Situation. Viele sehr grosse und extrem grosse spontane Lawinen sind bei so einer Lage zu erwarten. Der Bund empfiehlt dringend den Verzicht auf Schneesport abseits geöffneter Pisten und Routen.
Für die restlichen Alpen gilt grösstenteils nach wie vor die Gefahrenstufe 4 von 5.
Lawinen-Gefahrenstufe wird um 8 Uhr aktualisiert
Aktuell gilt für weite Teile der Schweizer Alpen die Lawinen-Gefahrenstufe 4 von 5. Dass praktisch die ganzen Schweizer Alpen gleichzeitig eine so hohe Lawinengefahr haben, passiert nur sehr selten.
Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF wird sein Lawinenbulletin heute um 8 Uhr aktualisieren. Sollte sich die Gefahrenstufe sogar noch weiter erhöhen, werden wir dich in diesem Ticker auf dem Laufenden halten.
Heute weitere starke Schneefälle
Laut SRF Meteo fallen am Alpennordhang und im Wallis bis Dienstagabend weitere 30 bis 70 Zentimeter Schnee.
Viel Feuchtigkeit und zunehmend kühlere Luft gelangen in die Schweiz, die Schneefallgrenze sinkt auf 500 bis 700 Meter.
In der Nacht auf Mittwoch beruhigt sich das Wetter kurz, ehe ein Tief über der Bretagne bereits ab Mittwoch neue Niederschläge in die Schweiz lenkt.
Weitere Einschränkungen rund um Goppenstein VS
Nach der Zugentgleisung in Goppenstein VS und der nun erfolgten Sperrung der Strecke bis Samstag, gibt es weitere Einschränkungen in der Region.
Der Regionale Sicherheitsdienst Lötschental sperrte zudem die Strasse zwischen Goppenstein und Gampel-Steg, wie die BLS am Abend mitteilte. Sie stellte deshalb den Autoverlad am Lötschberg zwischen Goppenstein und Kandersteg ein.
Auch die RegioExpress-Züge von Spiez Richtung Lötschberg sind betroffen, sie fahren nur noch bis Kandersteg und wenden dort, wie die BLS weiter mitteilte. Somit ist zwischen Kandersteg und Brig der Bahnverkehr eingestellt. Die Sperre dauert voraussichtlich bis Dienstagmittag.
Kurzwellentrog zieht durchs Oberwallis
«Nach einigen Stunden Schneefall setzt der Schneefall nun wieder ein und verstärkt sich mit dem Durchzug eines Kurzwellentrogs», berichtet ein niederländischer Wetter-Blogger «Johanns (Alpen)weer», der nach eigenen Angaben seit 1999 in der Schweiz lebt auf X. «Die Temperaturen sinken», schreibt er. Doch was ist eigentlich ein Kurzwellentrog?
Ein Kurzwellentrog ist vereinfacht gesagt eine kleine Störung in der Luftströmung hoch oben am Himmel. Man kann sich den Wind in etwa 8 bis 10 Kilometern Höhe wie einen Fluss vorstellen, der nicht gerade fliesst, sondern in Wellen. Manchmal gibt es darin eine kleine Delle – genau das ist ein Kurzwellentrog.
In dieser Delle fliesst kältere Luft nach Süden, die beginnt, aufzusteigen, wodurch sich Wolken bilden. Die Folge: Oftmals Regen, Schauer oder Gewitter – oder eben Schneefall. Im Winter erhöhen Kurzwellentröge meist die Wahrscheinlichkeit für Schneefälle bis in tiefere Lagen, abhängig von der Luftmasse.
Saastal von der Aussenwelt abgeschnitten
Seit Montagabend, 20 Uhr, ist das Saastal im Kanton Wallis komplett von der Aussenwelt abgeschnitten. Das geht aus einer Mitteilung von «Saastal Tourismus» hervor. Die Kantonsstrasse zwischen Saas-Balen und Stalden bleibt bis auf Weiteres gesperrt, heisst es darin.
Die Strassensperrung betrifft alle Dörfer ab Saas-Balen. Auch Saas-Fee ist somit bis auf Weiteres nicht über die Strasse erreichbar. Am Dienstag um 12 Uhr soll ein Update zur Lage veröffentlicht werden.
Auch der Zugang zu anderen Walliser Ortschaften ist wegen der Lawinengefahr beeinträchtigt. So ist die Zufahrt nach Zermatt VS teilweise gesperrt. Ebenfalls sind Sierre VS und Zinal VS von Strassensperrungen betroffen.
Mega-Lawine im Wallis? Das sagt Dienststelle Naturgefahren
Nach den starken Schneefällen herrscht im Wallis aktuell die Lawinengefahr-Stufe 4 von 5. Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF warnt vor der Möglichkeit grosser, spontaner Lawinenabgänge.
Am Montagmorgen entgleiste in Goppenstein im Oberwallis ein Zug nach einem Lawinenniedergang, fünf Menschen wurden verletzt. Aus der Ortschaft La Fouly wurden unterdessen 50 Personen evakuiert.
«Wir erwarten bis morgen früh weitere 60 cm Neuschnee und morgen nochmals 30 cm. Das ergibt in manchen Gebieten fast einen Meter Schnee, allerdings mit sehr unterschiedlicher Verteilung», erläutert Pascal Stoebener, Leiter der Lawinenabteilung der Dienststelle Naturgefahren des Kantons Wallis, im Gespräch mit der Zeitung «Le Nouvelliste». Weitere Evakuierung sind aktuell nicht geplant. Allerdings könnte am Montagabend in einigen Gebieten die Lawinengefahr der Stufe 5 erreicht werden.
Naturgefahren-Experte beruhigt
Sollte dieses Szenario wirklich eintreffen, wären die Behörden unter Umständen zu weiteren Evakuierungen gezwungen. Der Dienststelle für Naturgefahren zufolge zählen das Val Ferret und das Grosser St. Bernhard-Tal sowie der Nordkamm der Alpen, einschliesslich des Goms, zu den Gebieten mit dem höchsten Risiko.
Eine Wiederholung des üblen Lawinen-Februars 1999 schliesst Stoebener aus. Damals ereigneten sich gemäss SLF nach aussergewöhnlichen Schneefällen mehr als 1200 Lawinenabgänge in den Schweizer Alpen. Am tragischsten war die Lawine in Evolène, die am 21. Februar 1999 zwölf Menschenleben forderte.
«Wir befinden uns nicht in einer Extremsituation, solche Episoden erleben wir alle zwei bis drei Jahre. Ab Mittwoch sollte sich die Lage beruhigen», bremst Stoebener eine mögliche Lawinen-Panik. Der Blick auf die Wetterprognose zeigt: Mit sehr viel mehr Schneefall ist in den nächsten Tagen nicht mehr zu rechnen.
Hier müssen Autofahrer aktuell aufpassen
Ein Blick auf die TCS-Störungskarte zeigt, wo es aktuell aufgrund von Schneefall zu Verkehrseinschränkungen kommt. Blick listet die Problemstrassen auf.
- H21 zwischen Martigny VS Richtung Grosser St. Bernhard. Sperrung zwischen Orsières und Bourg-St-Bernard.
- Nufenenpass: Zwischen All'Acqua und Ronco in beiden Richtungen gesperrt.
- Kantonsstrasse zwischen St-Romain und Anzère VS Schneekettenpflicht, Gefahr in beide Richtungen.
- Hauptstrasse zwischen Davos und Tiefencastel GR: Die Fahrbahn ist in beiden Richtungen schneebedeckt.
- Hauptstrasse zwischen Spissermühle und Samnaun GR: Die Fahrbahn ist in beiden Richtungen schneebedeckt.
- Hauptstrasse zwische Disentis/Muster und Biasca TI: Die Fahrbahn ist in beiden Richtungen schneebedeckt.
- Hauptstrasse zwischen Brig und Bellwald VS: Die Fahrbahn ist in beiden Richtungen schneebedeckt. Es gilt eine Schneekettenpflicht.
- Hauptstrasse zwischen Disentis und Andermatt UR: Zwischen Disentis/Muster und Oberalp-Pass ist die Fahrbahn in beiden Richtungen schneebedeckt.
- Hauptstrasse zwischen Reichenau und Disentis: Zwischen Reichenau und Ilanz GR ist die Fahrbahn in beiden Richtungen schneebedeckt
- Kantonsstrasse zwischen Les Crosets und dem Val d'Illiez VS. Zwischen Les Crosets und der Abzweigung Champoussin besteht in beiden Richtungen Gefahr wegen Schneefalls. Auch hier sind Schneeketten Pflichtprogramm.
- Gleiches gilt für die Strecke Leukerbad–Leuk in beide Richtungen
- Auch zwischen Susch und Davos GR ist die Fahrbahn schneebedeckt
- Ähnliche Bedingungen herrschen auch zwischen Sembrancher und Verbier VS und auf der Hauptstrasse zwischen Siders und Crans-Montana VS.
- Zu Verkehrsbehinderungen kommt es ferner zwischen Berheim und Flumserberg SG. Auch hier gilt eine Schneekettenpflicht.
- Zwischen Schwyz und Rapperswil SG steht ein Lastwagen auf schneebedeckter Fahrbahn quer
Leserin filmt kleine Lawine im Kanton Glarus
Eine Leserin hat uns über Whatsapp noch ein Video gesendet. Darin zu sehen: Eine kleine Lawine am Berg Wiggis im Kanton Glarus auf 2282 Meter über Meer. Aufgenommen wurde der Clip um 12.47 Uhr.
Goms VS: «Strasse zu, Bahnlinie zu und Skilifte geschlossen»
Eine Leserin freut sich, dass sie gerade jetzt Skiferien auf der Bettmeralp im Kanton Wallis macht. Eine andere Leserin meldet: «Wir kämpfen uns durch den Tiefschnee um zur Skischule zu gelangen.»
Auch in Birgisch kam ordentlich Niederschlag in Form von Schnee runter. Am Nachmittag geht dafür in Goms nicht mehr viel. «Strasse zu, Bahnlinie zu und Skilifte geschlossen», meldet ein weiterer Leserreporter. Er setzt jetzt auf Netflix.
Bei der Reha in der Klinik Seewis im Prättigau GR am Montagmorgen genoss ein Leser den Ausblick auf die Schneelandschaft. Währenddessen türmt sich der Schnee in Andermatt UR auf den Vogelbeerentraubenbäumen.
«Endlich Winter in der Winteregg», meldet zudem ein Leserreporter aus Mürren BE, der mit seinem Grosskindern unterwegs ist. Alle Bilder findest du hier:
Für viele sollte der Winter längst vorbei sein, jetzt erhalten einige Alpenregionen noch den grössten Schneefall dieses Winters: Nach zu trockenen Wochen fällt bis zu ein Meter Neuschnee – und das bis Dienstagabend. Wetterexperten warnen gar vor einem Starkschneefall-Ereignis. Die Schneefälle werden von stürmischen Böen begleitet.
Besonders betroffen ist das Glarnerland bis über die Urner Alpen zum westlichen Berner Oberland hin und östlich bis zum Rätikon. Oberhalb von 1500 Metern könne es dort 70 bis 100 cm Neuschnee geben, schrieb Meteo Schweiz am Sonntagnachmittag. Bis Dienstagnacht sinke die Schneefallgrenze auf 600 Meter.
Zudem fegt stürmischer West- bis Nordwestwind über die betroffenen Regionen. Oberhalb von 2000 Metern erwartet Meteo Schweiz Böen mit bis zu 120 Kilometer pro Stunde. Auch im Flachland wird es stürmisch mit Windstärken von bis zu 90 km/h.
Ende der Trockenheit, grosse Lawinengefahr
Seit Dezember war es viel zu trocken in der Schweiz. Ein Hochdruckgebiet über Skandinavien blockierte die Wolken. Jetzt bringt ein Wetterumschwung endlich Niederschlag.
Der Grund für den extremen Schneefall: Zwischen einem Hoch vor Portugal und einem Tief über der Nordsee wird feuchte Luft Richtung Schweiz gedrückt. Die Strömung dreht dabei von West auf Nordwest. Diese Luft staut sich an den Alpen und regnet bzw. schneit sich dort ab.
Das Lawinenbulletin des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) warnt vor erhöhter Lawinengefahr. Die zweithöchste Gefahrenstufe 4 (gross) wird für das Wallis, den Alpennordhang und Graubünden vorausgesagt.
Jubel bei Wintersportlern
Für Wintersportorte sind die Schneemengen hingegen ein Segen: Nach einem ungewöhnlich milden und zu trockenen Januar können Skigebiete nun mit besseren Pistenbedingungen und einer längeren Saison rechnen – vor allem in den westlichen und zentralen Alpen.
Ein Beispiel: In Gebieten wie Engelberg OW, Adelboden BE und Davos GR könnten die Schneeverhältnisse innerhalb weniger Tage von «grün-braun» zu «tiefwinterlich» wechseln – ideal für Tourismusbetriebe, herausfordernd für Lawinensicherung und Verkehr.
Versinkst du im Schnee? Schicke uns deine Fotos und Videos per Whatsapp unter +41 79 813 80 41.