Kunde kritisiert Foodwaste
Coop-Verkäufer dürfen ablaufende Esswaren nicht mitnehmen

Der Detailhändler entsorgt nicht mehr verkaufbare Produkte, statt sie dem Personal zu geben. Das stösst bei Kunden auf starke Kritik, der Händler verteidigt seine Rabatt-Politik. Bei der Konkurrenz sieht es nicht besser aus.
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Coop hat zuletzt seine Rabatte geändert: Der maximale Rabatt auf ablaufende Produkte ist nun 40 Prozent.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Coop reduziert Rabatte auf ablaufende Produkte auf maximal 40 Prozent
  • 99,8 Prozent der Lebensmittel werden gespendet oder weiterverwendet laut Coop
  • Detailhandel in Schweiz entsorgt jährlich über 100'000 Tonnen Lebensmittelabfälle
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Caroline Freigang
Beobachter

«Nach Weihnachten lagen im Coop in Weggis Berge von ablaufendem Kuchenteig mit 50-Prozent-Sticker. Als ich am nächsten Tag noch mal dort war, war dieser nicht mehr da», berichtet ein Beobachter-Leser. Er habe nachgefragt, was damit passiert sei, und erhielt die Antwort, dass der Teig entsorgt worden sei.

Der Leser ist empört: «Ich fragte auch, ob die Angestellten Produkte, die entsorgt würden, nicht gratis oder wenigstens zu einem grossen Rabatt mit nach Hause nehmen dürfen?» Die Entsorgung koste ja schliesslich auch etwas. Man habe ihm gesagt, dass dem nicht so sei. Coop äussert sich auf Nachfrage nicht zu diesem Fall.

Artikel aus dem «Beobachter»

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Nur noch 40 Prozent Rabatt

Coop sagt dazu nur, Mitarbeitende würden wie die Kundinnen und Kunden von herabgesetzten Preisen bei Artikeln, die kurz vor dem Ablaufdatum stehen, profitieren. Zudem hätten sie die Möglichkeit, via die App «Too Good To Go» Lebensmittel vergünstigt zu beziehen.

Nur hat Coop zuletzt seine Rabatte geändert: Der maximale Rabatt auf ablaufende Produkte ist nun 40 Prozent. Die 50-Prozent-Sticker sind passé. So sei der Anreiz noch weniger da, ablaufende Ware zu kaufen, bemängelt der Leser.

Frage an Coop: Warum bietet man ablaufende Produkte, die nicht verkauft wurden, Mitarbeitenden nicht gratis oder mit einem grösseren Rabatt an? Darauf gibt es keine Antwort. Nur: Man spende Lebensmittel an Organisationen wie «Tischlein deck dich» und die Schweizer Tafel. Ergänzt durch weitere Massnahmen würden 99,8 Prozent der Lebensmittel verwendet.

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«Rettersäckli» mit Früchten und Gemüse

Auch bei anderen Detailhändlern dürfen Mitarbeitende kurz vor oder nach Ladenschluss keine Ware gratis oder stark reduziert mitnehmen. Die Migros teilt nur mit: «Waren, deren Haltbarkeitsdatum bald abläuft, werden zu reduzierten Preisen sowohl der Kundschaft als auch den Mitarbeitenden angeboten.» Heute würden knapp 99 Prozent ihrer Lebensmittel entweder zu regulären oder reduzierten Preisen verkauft oder an gemeinnützige Organisationen gespendet.

Ähnlich tönt es bei Aldi Suisse und Lidl. Lidl Schweiz bietet zudem «Rettersäckli» mit Früchten und Gemüse zum Einheitspreis von 5 Franken sowie «Bakery-Rettersäckli» mit Backwaren für 1 Franken an. Dies ist aber ein Angebot, das auch Kunden kaufen können.

Der im November 2025 im Auftrag des Bundesamts für Umwelt (Bafu) veröffentlichte ZHAW-Bericht zum Stand der Lebensmittelverluste in der Schweiz zeigt, dass diese im Detailhandel über 100’000 Tonnen pro Jahr betragen. Sie werden in Biogasanlagen verwertet, im Kehricht entsorgt oder zu einem kleinen Teil als Futtermittel genutzt.

Gemäss einer Toolbox von Foodwaste.ch für den Detailhandel, deren wissenschaftliche Grundlage vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit (BLV) in Auftrag gegeben wurde, könnte ein Grossteil dieser Abfälle vermieden werden, indem Lebensmittel für eine begrenzte Dauer nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums zu reduziertem Preis verkauft oder gespendet würden. «Bislang werden diese Empfehlungen jedoch nur punktuell umgesetzt, etwa von einzelnen Detailhändlern und kleineren Geschäften», sagt Claudio Beretta von Foodwaste.ch.

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