KI-Gigant greift nach Zürich
Superlöhne, exklusive Events und Gratis-Token: Wie Anthropic die Schweiz erobern will

Die Schweiz wird zum neuen Hotspot für künstliche Intelligenz: Anthropic, der kalifornische KI-Gigant, hat in Zürich ein Büro eröffnet. Spitzenforscher und Unternehmen stehen Schlange, um bei der Revolution dabei zu sein.
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Anthropic, die Firma hinter dem KI-Assistenten Claude, gilt als Überflieger in Sachen künstlicher Intelligenz.
Foto: AP Photo/Patrick Sison

Darum gehts

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Stefan Barmettler und Olivia Ruffiner
Handelszeitung

Am 1. Juni war ein Foyer im Zürcher Kreis 4 der Place to be. Auf eng aufgereihten Schalenstühlen sassen vorab Männer in den Dreissigern, Dresscode dunkelblaue Poloshirts oder weisse Hemden. Während der Fachvorträge balancierten sie ihre Laptops auf den Knien oder tippten in die Handys. Es waren Forscher, Jungunternehmer, Anwälte und Technologiechefs von Schweizer Firmen, die sich an diesem Tag über künstliche Intelligenz (KI) austauschten.

Artikel aus der «Handelszeitung»

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Der Name des Events: «Claude Code for Scale». Was in den Ohren von Laien wenig prickelnd klingt, ist in der Technologiewelt der Lockruf, der derzeit alle in den Bann zieht. Auch in der Schweiz.

Der Event «Claude Code for Scale» lockte rund 150 Entwickler und KMU-Entscheider an die Badenerstrasse 170. Gut dreimal so viel haben Interesse bekundet. Es richtete sich an Betriebe im regulierten Bereich.
Foto: Anna Ushakova (ZVG/HANDOUT)

Claude ist der Name der Sprachmodellfamilie von Anthropic, der zurzeit heissesten Adresse in Sachen KI. Für den Event in Zürich hat man 150 Interessierte zugelassen, Einlass begehrten dreimal mehr. Es waren vorab KMU vertreten, ein Drittel aus Grossfirmen – und zwar C-Level, wie einer sagt.

KI elektrisiert

Ein Softwareentwickler, der es ebenfalls auf die Shortlist schaffte, erzählt: «Die Leute wollten nicht mehr nach Hause.» Angeregt war der Austausch, immens der Klärungsbedarf. Präsent war eine Handvoll Forschender von Anthropic, einige mit Caps mit der Aufschrift «Claude» samt dem sternenförmigen Firmenlogo. Auch in Genf, wo kürzlich eine Anthropic-Sause stattfand, war die Nachfrage riesig gewesen: fünfhundert Personen begehrten Zugang für «Claude for Leaders», hinein schafften es fünfzig.

Eine lange Warteliste in Zürich, überbucht in Genf: KI elektrisiert, Anthropic auch. Die Firma ist der Highflier in der überdrehten Tech-Welt Kaliforniens. Bei der jüngsten Finanzierungsrunde diesen Frühling sammelte sie bei Investoren 65 Milliarden Dollar ein; nun bringt es das Forschungslabor mit gerade mal 2500 Mitarbeitenden auf eine geschätzte Bewertung von 965 Milliarden, was dem kumulierten Börsenwert von Roche, Novartis und Nestlé entspricht.

Info

Anthropics Weg an die Spitze

Anthropic wurde 2021 von sieben ehemaligen Open-AI-Führungskräften gegründet, unter anderem von den Geschwistern Dario und Daniela Amodei. Auslöser waren Meinungsdifferenzen mit Open-AI-CEO Sam Altman zur KI-Sicherheitsstrategie. Anthropic verfolgt das Ziel, grosse Sprachmodelle mit Fokus auf Sicherheit und Ethik zu entwickeln. Um diesen Anspruch umzusetzen, publizierte Anthropic die Modellfamilie Claude. Das Kernkonzept heisst «Constitutional AI». Die KI wird anhand eines Grundgesetzes trainiert, das sicherstellt, dass sie Menschenrechte respektiert und stets «hilfreich, ehrlich und harmlos» agiert.

Der kommerzielle Durchbruch gelang Anthropic mit Claude Code, das grosse Teile der Softwareentwicklung automatisiert. Das löste ein Börsenbeben bei Softwaretiteln aus: Über Nacht wurden 285 Milliarden Dollar an Marktwert vernichtet. Den nächsten Schub gab das Modell Mythos, das in der Lage sei, mehrere Tausend Schwachstellen in gängigen Betriebssystemen aufzuspüren. Anthropic behielt Mythos aufgrund von Sicherheitsbedenken zurück und öffnete es nur ausgewählten Behörden. Seit dem 1. Juli können User auf das Modell Fable 5 zugreifen, eine abgeschwächte Version von Mythos, die drei Wochen von der US-Regierung blockiert wurde.

Die Claude-Modelle bilden Anthropics Geschäftsgrundlage. Das Unternehmen verdient hauptsächlich an Unternehmensverträgen und API-Zugriffen. Im April wechselte es von einem pauschalen Abopreis zur nutzungsbasierten Abrechnung, da insbesondere die Rechenleistung teurer wird. Das zahlt sich aus: Anthropic bezifferte jüngst den annualisierten Umsatz (Run-Rate) fürs laufende Jahr mit über 47 Milliarden Dollar. 2025 hat das Unternehmen 14 Milliarden Dollar umgesetzt.

Anthropics Weg an die Spitze

Anthropic wurde 2021 von sieben ehemaligen Open-AI-Führungskräften gegründet, unter anderem von den Geschwistern Dario und Daniela Amodei. Auslöser waren Meinungsdifferenzen mit Open-AI-CEO Sam Altman zur KI-Sicherheitsstrategie. Anthropic verfolgt das Ziel, grosse Sprachmodelle mit Fokus auf Sicherheit und Ethik zu entwickeln. Um diesen Anspruch umzusetzen, publizierte Anthropic die Modellfamilie Claude. Das Kernkonzept heisst «Constitutional AI». Die KI wird anhand eines Grundgesetzes trainiert, das sicherstellt, dass sie Menschenrechte respektiert und stets «hilfreich, ehrlich und harmlos» agiert.

Der kommerzielle Durchbruch gelang Anthropic mit Claude Code, das grosse Teile der Softwareentwicklung automatisiert. Das löste ein Börsenbeben bei Softwaretiteln aus: Über Nacht wurden 285 Milliarden Dollar an Marktwert vernichtet. Den nächsten Schub gab das Modell Mythos, das in der Lage sei, mehrere Tausend Schwachstellen in gängigen Betriebssystemen aufzuspüren. Anthropic behielt Mythos aufgrund von Sicherheitsbedenken zurück und öffnete es nur ausgewählten Behörden. Seit dem 1. Juli können User auf das Modell Fable 5 zugreifen, eine abgeschwächte Version von Mythos, die drei Wochen von der US-Regierung blockiert wurde.

Die Claude-Modelle bilden Anthropics Geschäftsgrundlage. Das Unternehmen verdient hauptsächlich an Unternehmensverträgen und API-Zugriffen. Im April wechselte es von einem pauschalen Abopreis zur nutzungsbasierten Abrechnung, da insbesondere die Rechenleistung teurer wird. Das zahlt sich aus: Anthropic bezifferte jüngst den annualisierten Umsatz (Run-Rate) fürs laufende Jahr mit über 47 Milliarden Dollar. 2025 hat das Unternehmen 14 Milliarden Dollar umgesetzt.

Der Hype kennt keine Grenzen, die Wette wird immer riskanter. Das Ziel: die Techbörse Nasdaq. Anfang Juni wurde ein Antrag auf Börsengang bei der US-Aufsichtsbehörde SEC eingereicht. Finanzchef Krishna Rao liess verlauten: «Diese Finanzierung wird uns helfen, die historisch hohe Nachfrage zu bedienen und Claude an noch mehr Orten der Arbeitswelt zu etablieren.»

Der Hype kommt auch in der Schweiz an

Anthropic ist im Angriffsmodus, auch in der Schweiz. Bislang sollen 300’000 Firmen auf der Kundenliste stehen, drei Viertel in Europa, darunter die Allianz und die KPMG mit ihren Ablegern in der Schweiz. Die Recherche der Handelszeitung zeigt, wie intensiv der KI-Gigant aus San Francisco das Terrain in der Schweiz beackert. Offiziell hält man sich bedeckt. Der Hauptsitz von Anthropic Switzerland ist in einem eleganten Bürogebäude am Zürcher Bahnhofplatz 1. Neben der US-Investmentfirma KKR, Anwaltskanzleien und Arztpraxen sucht man das Namensschild der KI-Firma vergebens.

Der Sitz der Anthropic Switzerland GmbH ist am Bahnhofplatz 1. Vor Ort deutet kein Firmenschild auf die Präsenz der wertvollsten KI-Firma der Welt hin.
Foto: GoogleEarth Webshot

Diskretion ist oberstes Gebot, speziell jetzt, vor einem geplanten Börsengang in New York. Fragen beantwortet die Firma nicht, Mitarbeitende reagieren weder auf Mails noch auf Anrufe. Stattdessen wird hinter den Kulissen fleissig am Ecosystem Switzerland gestrickt.

Graswurzelbewegung kommt nach Zürich

Dabei setzt die KI-Firma auf eine «Claude Community», deren Mitglieder sich «Clauders» nennen. Die Schlüsselfiguren im Netzwerk sind 56 Ambassadore, die zurzeit in 29 Ländern weibeln. Der Zürcher Clauder heisst Arnaud Delacour, er organisierte den letzten Event «Claude for Scale». Delacour studierte an der französischen Kaderschmiede École Supérieure des Sciences Économiques et Commerciales und führt sein eigenes Biotech-Unternehmen. Im Februar programmierte er an einem Hackathon von Anthropic in London und war begeistert. «Ich wollte diese Energie nach Zürich bringen, und Anthropic hatte noch keinen Ambassador hier, also habe ich mich beworben», sagt er.

Der «Clauder» vom Grossmünster: Arnaud Delacour ist einer von 56 Anthropic-Botschaftern weltweit. Mit dem freiwilligen Community-Programm buhlt die KI-Firma derzeit in 29 Ländern um Unternehmen als Kunden.
Foto: Anna Ushakova (ZVG/HANDOUT)

Als Ambassador ist er kein offizieller Anthropic-Mitarbeiter und wird nicht von der Firma bezahlt, aber betreut. Das Community-Team stellt Informationsmaterial zur Verfügung, im Gegenzug sind Ambassadore dazu angehalten, regelmässig Events zu organisieren. Fast täglich findet in San Francisco, München, London, Buenos Aires, Genf oder Zürich ein Get-Together statt. Diese bewirtschaften zunehmend konkrete Branchen.

Spezifische Sektoren im Visier

Ab September sollen spezifische Sektoren angesprochen werden: Robotik, Life Science, Cybersecurity und Finance. Auf Letzteres fokussiert sich in Zürich der Ambassador Karl Pilgram. Er ist hauptberuflich Softwareentwickler bei Finnova, einer auf Bankensoftware spezialisierten Agentur aus Lenzburg AG. Ein Fit für Anthropic: Die geplanten Verticals der Clauders decken jene Themen ab, in denen sich viele potente Konzerne tummeln, besonders Banken und Pharma.

Info

Was macht Anthropic in Zürich?

Gemäss Stellenbeschreibungen und Gesprächen mit Personen aus dem Umfeld befasst sich das Anthropic-Team in Zürich mit der Weiterentwicklung generativer KI-Modelle.

  • Pre-Training: Die erste Stufe beim Training von KI-Modellen. Das Modell wird mit so vielen Daten wie möglich gefüttert und lernt grundlegende Muster, Sprachen und Fakten über die Welt allein aus dem Kontext. Während dies klassischerweise mit Text geschieht, wird das Pre-Training in Zürich für multimodale Fähigkeiten weiterentwickelt.
  • Multimodalität: Es geht darum, grossen Sprachmodellen (LLMs) die Fähigkeit zu verleihen, nicht nur Text zu verstehen und zu verarbeiten, sondern auch mit anderen Datenformaten (Modalitäten) wie Bildern, Audio oder Video zu interagieren.
  • Inferenz: Der Prozess, wenn eine Anfrage (Prompt) in ein LLM eingegeben wird. Das Modell verwandelt die Anfrage in eine Informationseinheit (Token), leitet sie durch sein neuronales Netz und rechnet die Token dann für die Antwort wieder in natürliche Sprache um. Dieser Ausgabeprozess ist rechenintensiv und teuer, weshalb die Kosten in der Regel pro generiertem – und oft auch pro eingegebenem – Token abgerechnet werden.

Was macht Anthropic in Zürich?

Gemäss Stellenbeschreibungen und Gesprächen mit Personen aus dem Umfeld befasst sich das Anthropic-Team in Zürich mit der Weiterentwicklung generativer KI-Modelle.

  • Pre-Training: Die erste Stufe beim Training von KI-Modellen. Das Modell wird mit so vielen Daten wie möglich gefüttert und lernt grundlegende Muster, Sprachen und Fakten über die Welt allein aus dem Kontext. Während dies klassischerweise mit Text geschieht, wird das Pre-Training in Zürich für multimodale Fähigkeiten weiterentwickelt.
  • Multimodalität: Es geht darum, grossen Sprachmodellen (LLMs) die Fähigkeit zu verleihen, nicht nur Text zu verstehen und zu verarbeiten, sondern auch mit anderen Datenformaten (Modalitäten) wie Bildern, Audio oder Video zu interagieren.
  • Inferenz: Der Prozess, wenn eine Anfrage (Prompt) in ein LLM eingegeben wird. Das Modell verwandelt die Anfrage in eine Informationseinheit (Token), leitet sie durch sein neuronales Netz und rechnet die Token dann für die Antwort wieder in natürliche Sprache um. Dieser Ausgabeprozess ist rechenintensiv und teuer, weshalb die Kosten in der Regel pro generiertem – und oft auch pro eingegebenem – Token abgerechnet werden.

Auch der Kommunikationsriese Swisscom spielt indirekt mit. Seine Tochterfirma OWT, eine Strategie- und Technologieberaterin in Lausanne, betreibt eine Alpha Factory, bei der Anthropic mit an Bord ist. «OWT und Anthropic, der Entwickler von Claude und Claude Code, arbeiten zusammen, um Schweizer Unternehmen bei der Einführung zuverlässiger, menschenzentrierter und verantwortungsbewusster KI-Lösungen zu unterstützen», heisst es. Zu Deutsch: Die Swisscom-Tochter dient als Türöffner, um Claude in Schweizer Firmen beliebt zu machen. Es ist offenkundig ein Man’s Business: Im Führungsteam von OWT sitzen 15 Männer und null Frauen.

Studierende direkt angesprochen

Die Claude Community soll Unternehmen an die Produkte der Firma heranführen; ähnlich funktioniert das Campus-Programm von Anthropic. Statt offiziell mit Hochschulen zu kooperieren, spricht Anthropic Studierende direkt an, sich für die KI-Initiative zu bewerben. Auch Studierende der ETH Zürich nahmen teil. Der daraus entstandene «Claude Builders Club» wird von einer Gruppe Studierender geleitet, die sich «Claude Builder Ambassadors» nennen. Sie organisieren im Namen von Claude technologiefokussierte Events wie Workshops und Hackathons. 

Voller Hörsaal für Claude: Anthropic weibelt mit dem Campus-Programm um junge Talente. Die Initiative wird von zwei Studenten betreut, unabhängig von der ETH. Am letzten Event waren über 100 Studierende anwesend.
Foto: Website / Claude Zurich

Am letzten Hackathon programmierten über hundert Studierende mit den Produkten von Anthropic. Ein Blick in die Whatsapp-Gruppe zeigt: Mehr als 600 ETH-Studentinnen und -Studenten sind mit an Bord. Sie erhalten Goodies von der Firma in Form von Nutzungskrediten (Tokens) oder einen Monat Gratiszugriff auf Claude Code. Das ist die leistungsstarke Programmier-KI, die jüngst für Nervenflattern bei Softwareunternehmen sorgte. Auch hier will niemand über den Claude Builders Club reden, schon gar nicht die Firma.

Junge Entwicklerinnen gesucht

Vertrauliche Gespräche zeigen: Mit dem Claude-Campus-Programm will Anthropic junge Entwicklerinnen und Entwickler früh mit ihren Produkten vertraut machen. Ein ETH-Insider berichtet: «Es ist ein offenes Geheimnis, dass die KI-Firmen den Kontakt zur ETH suchen.» Der Builders Club ist – ähnlich wie das Ambassador-Programm – eine Graswurzelbewegung, die auf das Netzwerk und die Anknüpfung von Unternehmern wie auch Studierenden setzt. Das alles geschieht unabhängig von der Hochschule. Ein Sprecher bestätigt: «Es gibt derzeit weder offizielle Partnerschaften zwischen Anthropic und dem ETH AI Center oder mit anderen Einheiten der ETH Zürich, noch gibt es Donationen von Anthropic an die ETH Foundation.»

Das klingt gut, aber als Anthropic ihr Zürich-Büro eröffnete, war die Absicht klar. Jared Kaplan, Forschungschef von Anthropic, sagte: «Zürich ist ein globales Kompetenzzentrum der KI-Forschung.» Da will man mittun.

Anthropic lockt Spitzenforscher an

Anthropic mischt erst seit Herbst 2024 in Zürich mit, aber dafür umso emsiger. Seitdem wirbt der Angreifer gezielt Spitzenpersonal von Google und Meta ab. Einen Vorteil hat das vergleichsweise junge Forschungslabor: «Für ein Spitzentalent ist es viel aufregender, einer von einem Dutzend Pionieren in einem neuen Zürcher Labor zu sein als einer von 5000 Angestellten im riesigen Google-Apparat», sagt Klaus Fuchs. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer von Rockstar Recruiting, einer Vernetzungsplattform für die Deep-Tech-Branche in der Schweiz.

Anthropic, so wie Meta und andere Tech-Riesen, fischt nicht blind im Talentteich. Die meisten Stellen werden über Active Sourcing, Netzwerk und Headhunter vergeben. «Weit mehr als 50 Prozent aller Deep-Tech-Stellen waren gar nie ausgeschrieben», sagt Fuchs. Das hat gute Gründe: Aus den Stellenbeschreibungen lässt sich erschliessen, an was das Unternehmen gerade tüftelt. Gerade wenn ein Börsengang ansteht und ein hoher Konkurrenzkampf besteht, will sich niemand in die Karten blicken lassen.

Ausbau im Zürcher Office

Das Zürcher Büro war bislang vor allem auf Forschung ausgerichtet. Den Vertrieb und das Marketing steuerte das Büro in München. Seit einem Monat baut nun Jael Rolli für Anthropic in Zürich ein «Go to Market»-Team auf, wie sie selbst auf der Berufsplattform Linkedin verkündet hat. Sie ist eine der wenigen Schweizerinnen bei Anthropic und arbeitete zuvor als Key-Account-Managerin bei verschiedenen Tech-Firmen wie der Arbeitssoftwareplattform Miro.

Neben Rolli sind die meisten Mitarbeitenden am Zürcher Bahnhofplatz hoch spezialisierte Tech-Fachkräfte, die sich mit dem Pre-Training, der Inferenz und den Sicherheitsaspekten der Modelle befassen.

Recruiter Fuchs: «Wenn man sich die Profile anschaut, lässt sich sagen: Die künftige Generation der Anthropic-Modelle wird zu einem wesentlichen Teil in Zürich gebaut und entwickelt.» In der Zürcher Tech-Welt macht das Gerücht die Runde, dass Anthropic nur wegen bestimmter Forscher überhaupt seine Zelte hier aufgeschlagen habe. Dafür sprechen hochpräzise Stellenprofile, die nur auf eine Handvoll Cracks zutreffen.

Grosses Talent in Zürich

Das grosse Talent, das Anthropic unbedingt eintüten wollte, sei Neil Houlsby gewesen, der Bürochef von Zürich. In den letzten Monaten lachte er sich gut zwei Dutzend High-Achiever bei der Konkurrenz an.

Seine Kerntruppe, die er zusammenstellte, hat vieles gemeinsam: Sie sind mehrheitlich Expats, die an Topuniversitäten wie Cambridge oder der ETH in Computerwissenschaften doktorierten und anschliessend im Zürcher Tech-Hub Akzente setzten. Bevor sie bei Houlsby anheuerten, hatten sie Leitungs- und Forschungspositionen bei Google Deep Mind, Meta, Snap Inc. oder Microsoft bekleidet.

Der KI-Crack: Neil Houlsby leitet das Zürcher Büro von Anthropic. Er war zehn Jahre lang bei Google Deep Mind.
Foto: Screenshot

Zürich-Chef Houlsby gilt als Überflieger. Weggefährten beschreiben ihn als charmant, eher introvertiert. In der Zürcher Szene ist er bestens verdrahtet und geniesst als Forscher eine hohe Reputation. Sein Palmarès ist lang: Bisher publizierte der 38-Jährige zu KI-Modellen über achtzig Fachbeiträge, die weltweit Beachtung fanden. Er studierte Mathematik in Cambridge und promovierte in Philosophie und Machine Learning – Schwerpunkte, die sich in den Werten von Anthropic widerspiegeln. Nach dem Studienabschluss heuerte er bei Google in Zürich an, wo er über zehn Jahre lang die Teams von Google Brain und Google Deep Mind leitete.

Zürich-Chef nicht nur bei KI stark

Letzten Frühling hat er zu Anthropic gewechselt. Dort forscht er weiter im Bereich neuronaler Architekturen, Computer Vision und Sprachmodellen – mit dem Fokus auf sichere und verantwortungsvolle KI. Ähnlich wie bei Anthropic-CEO Dario Amodei sind die Ambitionen hoch: Houlsby ist nicht nur Spitzenforscher, Familienvater und Klassikliebhaber; er pflegt auch ein intensives Hobby – Triathlon. Und wie: Bei den European Triathlon Championships in Madrid siegte er in seiner Altersklasse.

Houlsby ist nicht der einzige sportive Tech-Forscher. Anders als Banker trifft man Techies am Abend nicht in den Bars rund um den Zürcher Paradeplatz, sondern beim Workout. Ein Quervergleich von Linkedin mit der Sport-App Strava belegt: Die Topperformer beim Joggen und Schwimmen rund um den und im Zürichsee sind bei Google, Meta oder einem Tech-Start-up unter Vertrag. Der Wettbewerb ist entfacht: Es geht um Zentimeter, Sekunden und Milliarden.

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