Darum gehts
- US-Regierung hebt Exportverbot für Fable 5 und Mythos 5 auf
- Zugang wird ab sofort weltweit schrittweise wiederhergestellt
- Anthropic lanciert parallel das günstigere Modell Sonnet 5
Das wochenlange Rätselraten ist vorbei. Die KI-Firma Anthropic hat auf x.com ankündigt an, den Zugang zu seinen mächtigsten KI-Modellen weltweit wieder freizuschalten. Der Zugang war ausserhalb der USA die letzten Wochen gesperrt. Jetzt hat das US-Handelsministerium die Exportkontrollen aufgehoben, die seit Mitte Juni galten. Ab heute läuft die Wiederherstellung auf den eigenen Plattformen.
Fable 5 und Mythos 5 basieren auf derselben Technologie, unterscheiden sich aber im Umfang: Fable ist für alle zugänglich und läuft mit strengen Schutzmechanismen. Mythos hat weniger Schutz und war nie breit verfügbar, sondern nur für ausgewählte Partner im sogenannten «Glasswing»-Programm. Mitte Juni hatte die US-Regierung überraschend eine Exportkontrolle verhängt. Kein Ausländer durfte Fable 5 oder Mythos 5 mehr nutzen, auch nicht Anthropics eigene nicht-amerikanische Mitarbeiter. Weil die Firma die Nationalität ihrer Kunden nicht unterscheiden konnte, sperrte sie die Modelle vorsorglich weltweit, betroffen waren auch Schweizer Nutzer.
Auslöser war laut Anthropic eine von Forschern gemeldete Methode, die Sicherheitssperren des Modells zu umgehen – ein sogenannter Jailbreak. Die US-Regierung sah darin ein Sicherheitsrisiko. Anthropic widersprach: Man habe dies geprüft und nur bereits bekannte, kleinere Schwachstellen gefunden, wie sie auch andere Modelle aufweisen würden. Ein kommerzielles Modell deswegen vom Markt zu nehmen, sei unverhältnismässig, liess die Firma damals verlauten.
Fable: Comeback mit Haken
Für die Freigabe von Fable hat Anthropic nach eigenen Angaben einen neuen Sicherheitsklassifikator trainiert, der den Jailbreak-Trick erkennen und blockieren soll. Wird eine Anfrage bei Fable 5 blockiert, leitet das System sie automatisch an ein schwächeres Model weiter. Das dürfte die US-Regierung wohl überzeugt haben, die Exportkontrollen aufzuheben.
Der schärfere Filter trifft nach Firmenangaben aber auch häufiger harmlose Anfragen – etwa beim ganz normalen Programmieren und bei der Fehlersuche im Code. Wer Fable 5 für Coding-Aufgaben nutzt, muss darum wohl mit Einschränkungen rechnen.
Anthropic kündigt zudem an, fortan enger mit US-Behörden zusammenzuarbeiten: Regierungsstellen sollen neue KI-Modelle bereits vorab testen können, und die Firma will Sicherheitslücken schneller an sie melden. Wie weit diese Zusammenarbeit reicht und wer am Ende mitentscheidet, wenn ein Modell blockiert oder freigegeben wird, lässt Anthropic offen.
Claude Sonnet und GPT-5.6
Zudem stellt Anthropic Sonnet 5 vor, das neue Standardmodell für Gratis- und Pro-Nutzer. Es soll nahe an die Leistung des teureren Opus 4.8 herankommen, aber deutlich günstiger sein. Die Firma bewirbt es als ihr bisher «agentischstes» Sonnet-Modell: Es soll selbständig mehrstufige Aufgaben planen, Werkzeuge wie Browser und Terminal bedienen und komplexe Arbeiten zu Ende führen, wo frühere Versionen abgebrochen hätten. Nur wenige Tage zuvor hatte OpenAI mit GPT-5.6 Sol ebenfalls ein neues «agentischstes» KI-Modell präsentiert.