Darum gehts
- Die SBB wollen 21 neue Hochgeschwindigkeitszüge für den Europa-Verkehr kaufen
- Über 6 Mio. Passagiere nutzten 2026 internationale SBB-Züge, Nachfrage steigt
- Ein Hochgeschwindigkeitszug kostet circa 33–38 Mio. Euro, Ausschreibung 2027 geplant
Die SBB schlagen im internationalen Zugverkehr einen neuen Kurs ein: Statt wie geplant Züge zu leasen, kaufen die Bundesbahnen 21 neue Hochgeschwindigkeitszüge gleich selbst, wie die SBB bekannt geben. Dazu sichern sie sich Optionen auf 20 weitere. Ziel ist ein massiver Ausbau der Europareisen – künftig sollen die Schweizer Züge sogar bis nach London rollen.
Der glückliche Gewinner des Vertrags wird einen Deal vermutlich in Milliardenhöhe machen. Ein moderner Hochgeschwindigkeitszug, zum Beispiel vom deutschen Bahnhersteller Siemens, kann rund 33 bis 38 Millionen Euro pro Zug kosten.
Reiseboom nach Europa
Die neue Flotte wird dringend gebraucht, denn Bahnreisen ins Ausland boomen. Allein im ersten Halbjahr 2026 stiegen über sechs Millionen Passagiere in die internationalen Züge der SBB – ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Mit dem potenziellen Milliardenkauf will sich die Bahn die Basis für ein klimafreundliches Europanetz schaffen. Die Einsatzgebiete der neuen Züge lesen sich wie ein Ferienplaner. Man soll mit ihnen aus der Schweiz künftig bis nach Frankreich, Italien, Spanien, Belgien, in die Niederlande und nach England kurven können.
Diese Anbieter kommen infrage
Eigentlich wollten die SBB die neuen Züge über einen sogenannten Operating Lease mieten. Auch wegen des hohen Kostendrucks. Vier erfahrene Bahn-Leasing-Firmen – Alphatrains, Beacon Rail, Rock Rail und die Willow Group – waren dafür im Rennen. Doch nach vertieften Abklärungen ziehen die SBB nun die Notbremse und brechen das Leasingprojekt auf der Beschaffungsplattform Simap offiziell ab.
Für den neuen Vertrag kommen ganz andere Anbieter in Frage. Alstom aus Frankreich baut den französischen TGV und dessen Nachfolger AGV. Siemens Mobility ist bekannt für den ICE der Deutschen Bahn und die Velaro-Plattform, die in mehreren Ländern weltweit im Einsatz ist. Auch der spanische Hersteller Talgo oder Japans Hitachi könnten sich voraussichtlich bewerben.
Die heimische Stadler Rail muss erst mal weichen, wie auch CH Media berichtet. Die Top-Geschwindigkeit der Giruno-Züge von bis zu 250 Kilometern pro Stunde ist gar nicht schnell genug für die italienischen Hochgeschwindigkeitsstrecken.
Kaufen ist billiger als leasen
Der Grund für den Umstieg auf Kauf statt Leasing ist simpel: Geld und Flexibilität. Der Kauf lässt sich in die langfristige Finanzplanung integrieren und ist über die gesamte Lebensdauer der Züge wirtschaftlicher als ein Mietmodell, so die SBB auf ihrer Website. Zudem können die SBB mit eigenen Zügen agiler auf Nachfrageschwankungen reagieren und die Zusammenarbeit mit Partnerbahnen vereinfachen.
Reisende müssen sich noch etwas gedulden. Nach der Verschiebung des ursprünglichen Zeitplans startet die offizielle Ausschreibung für die neuen Hochgeschwindigkeitszüge voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027.