Jungunternehmer plant Neues
Outlet-König Toni Kurz sucht Partner für sein Unternehmen

Der Ausbau des Outlet-Händlers harzt. Deshalb sucht Inhaber Toni Kurz für die nächste Phase einen Geschäftspartner – auch ein Verkauf kommt infrage.
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Bunter Unternehmer: Auffallen gehört für den Inhaber des Outlet King zum Konzept. Seine Posts gehen oft viral.
Foto: Instagram

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Erich Bürgler
Bilanz

An diesem Tag sind wieder einmal mehr als 30 Grad prognostiziert. Im 2000 Quadratmeter grossen Outlet-King-Laden ist die Sommerhitze bereits am Vormittag zu spüren. Eine Klimaanlage gibt es hier nicht. Trotzdem ist es der ideale Zeitpunkt, um eine Skijacke zu kaufen. Denn für deutlich weniger als 100 Franken gibt es komplette Winterbekleidung von Topmarken. Zwar liegt der Fokus im Sortiment des Outlets in Spiez BE am Thunersee derzeit auf Sommermode und Outdoor-Bekleidung, doch wahre Schnäppchenjäger kaufen jetzt die Restposten der Restposten. Die gibt es in einer Ecke neben einem grellen «Total-Liquidation»-Schild.

Inhaber Toni Kurz läuft im bunten Anzug und mit Hut durch die Gänge seines Flagship-Stores. Auffallen gehört zum Unternehmenskonzept. Die Kundschaft erkennt den 32-jährigen Chef sofort und grüsst freundlich. Bekannt ist er weniger deshalb, weil er es auf die «Forbes»-Liste der «30 Under 30» geschafft hat und zu den reichsten jungen Leuten im Bilanz-Ranking gehört. Man kennt ihn vielmehr von Werbespots auf Tele Bärn und seinen Social-Media-Posts, die oft viral gehen.

Artikel aus der «Bilanz»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Bilanz» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du unter bilanz.ch.

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Bilanz» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du unter bilanz.ch.

Jüngst hat er nach dem Ende der Sommerferien auf dem Pausenplatz verschiedener Schulen über 600 Gutscheine versteckt: für Bluetooth-Lautsprecher, Farbstifte und vieles mehr. Die Videos zu seinen Aktionen auf Instagram sorgen für viel Aufmerksamkeit. Auch Privates zeigt er in seinen Clips. Etwa, wie er Pizzas bei seinem direkt am Thunersee gelegenen Lieblingsrestaurant abholt – auf einem Stand-up-Paddle. Ebenso bekannt ist Kurz für seine Leibspeise: 411 Pizzas hat er 2019 vertilgt. Fast immer mit scharfer Salami belegt. In diesem Jahr wird er seinen Rekord kaum brechen; er ist erst bei etwas über 160.

Die humorvollen Beiträge sind Teil des Marketings von Outlet-König Toni Kurz. Doch in letzter Zeit war es dem Jungunternehmer nicht immer zum Lachen zumute. Harte Einschnitte waren nötig. Denn die Wachstumspläne des Unternehmens, das Kurz mit 19 Jahren gemeinsam mit seinem Stiefvater Thomas Rüegsegger gründete, gingen nicht auf. Die Firma baute den Onlinehandel aus, ging mit Pop-up-Stores auf Tour und eröffnete einen zweiten Laden in Oftringen im Kanton Aargau. Es war wohl zu viel auf einmal. «Ich habe die PS nicht auf den Boden gebracht. Die Expansionsstrategie ist gescheitert», sagt Kurz.

Neue Aufgaben für den Chef

Der Händler hat sein Onlinegeschäft, über das er Produkte bekannter Marken wie Oakley, Guess oder Helly Hansen auf Galaxus.ch und weiteren Marktplätzen anbietet, um 80 Prozent heruntergefahren. Vor allem mit Bekleidung erwirtschaftete das Unternehmen Verluste, da hohe Retourenquoten mit erheblichem Aufwand verbunden sind. Besser rentieren hingegen Kategorien wie Brillen von Oakley oder Uhren von Guess. Auch der Ende 2024 eröffnete zweite Standort in Oftringen blieb bisher hinter den Erwartungen zurück. Die Filiale ist etwa halb so gross wie diejenige in Spiez, erzielt jedoch nur ein Fünftel des Umsatzes.

Derweil machen dem Unternehmen höhere Fixkosten zu schaffen. «Unsere Mietkosten in Spiez sind stark gestiegen. Wir prüfen deshalb alternative Standorte in der Region, die das Outlet-King-Konzept als Mehrwert für ihren Mietermix erkennen.» Ein Teil der Neuerungen kam bei der Kundschaft gut an: So waren die Pop-up-Stores durchaus erfolgreich. Doch auch der organisatorische Aufwand war beträchtlich, sodass unter dem Strich kein Gewinn blieb.

Grundsätzlich kamen mit der Expansion neue Anforderungen auf den Chef zu. Aufgaben, die seinen Interessen und Stärken weniger entsprechen. «Ich dachte, je grösser wir werden, desto mehr neue Ideen kann ich einbringen. Das Gegenteil war der Fall. Statt um Kreativität ging es vermehrt um Abläufe und Organisatorisches.» Kurz reagierte und passte die Strukturen an. Die Geschäftsleitung besteht nun nur noch aus ihm. Die übrigen Kader haben das Unternehmen verlassen. Auch wegen des Rückbaus der Onlineaktivitäten musste er Mitarbeitende entlassen. Am Standort in Oftringen will er aber weiterhin festhalten. Die Kundschaft dort tickt etwas anders als im Berner Oberland: Während in Spiez Outdoor-Marken sehr gefragt sind, steht am zweiten Standort Modisches höher im Kurs. Das Sortiment wurde deshalb angepasst.

Outlet King bleibt auch nach Thomas Rüegseggers Ausstieg vor einigen Jahren ein Familienbetrieb. Der Grossteil der MC Schweiz AG, der Dachgesellschaft von Outlet King, gehört Toni Kurz. Seine Schwester Amanda Scheidegger hält ebenfalls eine Beteiligung und verantwortet unter anderem den Einkauf eines Teils des Sortiments und ist für Personalfragen zuständig. Seine Mutter hilft im operativen Geschäft in der Administration mit.

Übersommern im VW-Bus

Kurz zieht Lehren aus den vergangenen zwölf Monaten. Es gehe nun darum, die Strukturen und Prozesse des Unternehmens weiterzuentwickeln. Das sieht er nicht als seine Stärke: «Ich denke farbig. Ich brauche jemanden an meiner Seite, der schwarz-weiss denkt. Ich suche einen Partner, der bei Outlet King einsteigt und meine Schwächen ausgleicht. Jemand, der an das Konzept glaubt, eigene Ideen einbringt und ein starkes Netzwerk aus der Branche mitbringt.» Als Business-Partner könnte er sich einen Unternehmer, aber auch eine Firma aus der Branche vorstellen. Sogar sein vollständiger Rückzug steht zur Debatte. «Ein Verkauf des Unternehmens ist eine Option. Voraussetzung ist, dass der Käufer zu den Familienwerten der Firma steht und mein Team übernimmt.»

Am Swiss Economic Forum war Toni Kurz Referent zum Thema «Personal Branding» von Führungskräften. In seiner Rede ging es um Mut und Authentizität.
Foto: PD

Toni Kurz hat weitere unternehmerische Eisen im Feuer. Mit Zovoz führt er eine eigene Brillenmarke. Als Testimonial konnte er den Schweizer Popmusiker Loco Escrito gewinnen. Gemeinsam haben sie eine Limited-Edition-Brille herausgebracht. Zudem hat Toni Kurz sich auch als Speaker einen Namen gemacht. An Firmenanlässen und Wirtschaftsforen erzählt er vom Unternehmertum, von Rückschlägen und der Positionierung von Managern in den sozialen Medien. Am diesjährigen Swiss Economic Forum war er Referent zum Thema «Personal Branding» von Führungskräften. Kurz trat mit Hut und einem Anzug im Rosenmuster auf. In seiner Rede ging es um Mut und Authentizität.

In den vergangenen Jahren hat er ausserdem mit seiner Firma Immofeel mehrere Liegenschaften gekauft. Toni Kurz selbst lebt derzeit aber in seinem VW-Bus; seine Wohnung hat er untervermietet. Das macht er jeden Sommer so, wobei er heuer manchmal auf dem Boot eines Freundes auf dem Thunersee übernachtet.

Beruflich ist er weiterhin voll bei Outlet King engagiert. Bei einem gemeinsamen Pizza-Essen erzählt er begeistert von einer grossen Charge Asics-Schuhen, die er ergattert hat. Viele davon wird er zum Schnäppchenpreis in die Outlet-King-Filialen bringen. Weitere kommen auf Marktplätze diverser Onlinehändler – zu einem etwas höheren Preis als im Laden, aber immer noch viel günstiger im Vergleich zum Originalpreis. Da viele Laufsportler ihre Schuhgrösse genau kennen, dürften sich die Retouren in Grenzen halten.

Mehr Spass statt viel Geld

Toni Kurz erledigt einen Grossteil des Wareneinkaufs selbst. Es braucht dazu den richtigen Riecher, ein gutes Beziehungsnetz, schnelle Entscheidungen und auch Mut. Denn manchmal kauft er die Katze im Sack – etwa jüngst, als er Tausende von Teilen der schwedischen Sportmarke Craft einkaufte und nicht wusste, worum es sich dabei genau handelt. Hochwertige Marken sind wichtig für den richtigen Outlet-Mix. Kürzlich gab es etwa Wanderjacken der Schweizer Marke Radys mit über 80 Prozent Rabatt – inklusive des obligaten kurzen Filmbeitrags dazu auf Instagram.

Toni Kurz macht sich bereits Gedanken über seine Zukunft, falls er bei Outlet King kürzertreten sollte: «Es geht mir nicht darum, möglichst viel Geld zu verdienen. Ich will Spass an der Arbeit haben.» Er fasst verschiedene Optionen ins Auge. «Ich kann mir vorstellen, bei Start-ups einzusteigen oder selber Neues auszuprobieren.»

Für seine Sonnenbrillenmarke Zovoz konnte Toni Kurz den Popmusiker Loco Escrito als Testimonial gewinnen.
Foto: Instagram

Für das Kontrastprogramm spielt Kurz Fussball beim FC Traktor Sigriswil. Gemeinsam mit Freunden trainiert er auf dem «wahrscheinlich schönsten Fussballplatz der ganzen Schweiz» mit Blick auf den Thunersee. Wenn er aus dem VW-Bus zurück in seine Wohnung zieht, wird er sein Schlafzimmer kaum nutzen: Er schläft fast das ganze Jahr über draussen auf dem Balkon. Dies auch bei Minustemperaturen im Winter. Auch das hat System: «Das ganze Jahr draussen schlafen, Eisbäder im Winter und meine Zeit im Camper im Sommer sind ein Weg für mich, Stress abzubauen.» So schafft sich Toni Kurz seinen Ausgleich. Und auch den nötigen Abstand, um mit klarem Kopf über seine unternehmerische Zukunft zu entscheiden.

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