«Unsere Vorräte sind aufgebraucht»
Proteste der Lastwagenfahrer – Süditalien geht Pasta und Sprit aus

Streikende Lkw-Fahrer legen in Süditalien den Warenverkehr lahm. Pastafabriken stehen still, Supermarktregale leeren sich und Tankstellen geht der Sprit aus. Die Versorgungslage ist prekär.
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Ein Hinweis an leeren Regalen in einem Supermarkt in der Provinz Neapel.
Foto: AP Photo/Alessandra Tarantino

Darum gehts

  • Lkw-Fahrer protestieren gegen hohe Dieselpreise und blockieren wichtige Verkehrsachsen
  • Pastahersteller wie Rummo, La Molisana und Garofalo müssen ihre Produktion drosseln oder ganz einstellen
  • In Süditalien werden Lebensmittel und Treibstoff knapp
Nathalie Benn, RIngier
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Den Protestwellen, die derzeit über ganz Westeuropa schwappen, schliesst sich eine weitere Gruppe an: die italienischen Lkw-Fahrer. Seit Tagen blockieren sie aus Protest gegen hohe Dieselpreise und Lebenshaltungskosten wichtige Verkehrsachsen, insbesondere im Süden des Landes. Seit dem 19. Oktober haben sich die Blockaden ausgeweitet – mit Folgen für die Versorgung der Bevölkerung.

Besonders hart trifft es die Pasta-Produzenten: Der Hersteller Rummo aus Benevento in Kampanien musste die Produktion vollständig einstellen. La Molisana aus Campobasso fuhr die Produktion drastisch herunter, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtet. Auch beim Pastahersteller Garofalo aus Gragnano in Neapel standen die Anlagen still. Wie die Zeitung «Il Fatto Quotidiano» unter Berufung auf Firmenchef Massimo Menna schreibt, konnte die Firma gestern Dienstag die Produktion erst mit 40 Prozent der üblichen Kapazität wieder aufnehmen. Grund sind ausbleibende Rohstofflieferungen, insbesondere von Weizen und Hartweizengriess.

Pasta-Patron schlägt Alarm

«Wir stehen momentan still. Es kommen weder Lastwagen noch Tankwagen an, und unsere Vorräte sind aufgebraucht», erklärte Rummo-Chef Cosimo Rummo gegenüber der italienischen Zeitung «La Repubblica». Seiner Einschätzung nach stehe ein Grossteil der italienischen Pasta-Produktion still oder sei kurz davor. Die Folge: Leere Regale in den Supermärkten.

Aber nicht nur Pasta fehlt. Auch frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Milchprodukte werden wegen Lieferverzögerungen knapp. Rummo warnt: «Wenn sich die Proteste länger hinziehen, wird der Süden praktisch ohne Lebensmittel und Medikamente dastehen.»

Regierung verspricht Millionenhilfen

Die Proteste betreffen aber längst nicht nur die Lebensmittelindustrie: Weil Tanklastwagen vielerorts nicht mehr durchkommen, geht zahlreichen Tankstellen der Treibstoff aus. In Apulien, Kalabrien und der Basilikata meldeten bereits mehrere Betreiber, dass weder Benzin noch Diesel verfügbar sei. In der Provinz Isernia in der Region Molise war am Dienstag der Treibstoff an nahezu allen Tankstellen aufgebraucht. Auch auf mehreren Mittelmeerinseln werden die Treibstoffreserven knapp. Auf Ischia und Procida droht deshalb sogar die Einstellung der Fährverbindungen zum Festland.

Die Lkw-Fahrer protestieren gegen massiv gestiegene Treibstoff- und Betriebskosten. Sie fordern finanzielle Entlastungen und höhere Transporttarife, um die gestiegenen Ausgaben ausgleichen zu können.

Nach Gesprächen mit Verkehrsminister Matteo Salvini am Dienstag kündigte die Regierung die Freigabe von rund 480 Millionen Euro an bisher blockierten Diesel-Steuergutschriften sowie weitere Hilfen an. In Sizilien wurde daraufhin die Aufhebung der Blockaden angekündigt. In anderen Regionen dauern die Proteste an. Am 27. Oktober sollen die Verhandlungen mit der Regierung fortgesetzt werden.

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