Darum gehts
- Ökonom Roubini warnt vor globaler Krise durch steigende Ölpreise und Iran-Krieg
- Ölpreis über 110 Dollar, Risiko für KI-Bereich und Golfstaaten-Investitionen
- Ein Fünftel des globalen Öls durch Hormus-Strasse, mögliche Blockade droht
Der Krieg im Iran läuft mittlerweile seit über einer Woche. Eine klare Strategie von US-Präsident Donald Trump (79) zeichnet sich bislang nicht ab. Die Spannungen verschärfen sich, weil Hardliner in Teheran die Kontrolle behalten. Die Finanzmärkte zittern, Aktienmärkte fallen. Die Preisexplosion des Ölpreises könnte zum Bremsklotz für die Weltwirtschaft werden.
Geht es nach Nouriel Roubini (67), Wirtschaftsprofessor an der Universität New York, ist das jedoch nur der Anfang einer viel grösseren Korrektur. Roubini hat mit seiner Vorhersage der platzenden US-Immobilienblase 2007 und der anschliessenden Wirtschaftskrise Bekanntheit erlangt. Kritiker hatten ihm wegen seiner immer wiederkehrenden Warnungen den Spitznamen «Dr. Doom», sprich Untergangsprophet, verpasst.
Geht es nach dem Ökonomen Roubini, unterschätzen die globalen Aktienmärkte die Risiken eines umfassenden Krieges massiv. Roubini sagt gar ein Platzen der KI-Blase voraus.
Öl so teuer wie seit Jahren nicht mehr
Würde der Ölpreis auf über 100, im Extremfall gar auf 150 Dollar, steigen, komme es zu einer globalen Wirtschaftskrise, die überbewertete Sektoren wie den KI-Bereich besonders hart treffe. Derweil kostet ein Barrel der Sorte WTI ebenso wie Brent um die 105 Dollar – so viel wie seit über drei Jahren nicht mehr.
Bei den energieintensiven Tech-Riesen würden deutlich höhere Energiekosten die Gewinne wegfressen, erklärt Roubini. Zudem könnte der Geldstrom der Golfstaaten in den KI-Sektor versiegen.
Die Golfstaaten zählen zu den grössten Investoren in KI-Infrastruktur und Chips. Für diese Länder ist das Öl eine zentrale Einnahmequelle. Ein intensiver Krieg könnte die Strasse von Hormus für längere Zeit faktisch blockieren.
Über die Wasserstrasse wird ein Fünftel des globalen Öls befördert. Können die Golfstaaten ihr Öl nicht verkaufen, fehle ihnen das Kapital für die KI-Investitionen, prognostiziert Roubini.
Experten sprechen von «Panikmache»
Was ist dran an Roubinis Warnungen? «In der jüngsten Vergangenheit fällt Roubini eher als Panikmacher auf», sagt Anlageexperte Serge Nussbaumer (52). «Ich halte die Prognose zwar für stark überrissen. Roubini legt den Finger aber in eine Wunde, bei der man schon etwas genauer hinschauen muss», gesteht Nussbaumer ein.
Die Tech-Firmen sind extrem hoch bewertet. Da könnte eine kleine Krise zu einer grösseren Reaktion an der Börse führen, so Nussbaumer. «Dauert der Iran-Krieg nicht bloss vier Wochen, wie es das Weisse Haus in Aussicht stellt, sondern deutlich länger, dürfte es an den Märkten kurzfristig einen Taucher geben.» Der Krieg wäre für die Wirtschaft ein Kostentreiber, welche geplante Investitionen auf die «lange Bank schieben würde», so der Experte. An eine Blase, die demnächst platzen könnte, glaubt er hingegen nicht.
Wie geht es den Schweizer Firmen? Was läuft an der Wall Street? Und wie entwickelt sich der Goldpreis? Wir halten dich über die neusten Entwicklungen an den Märkten auf dem Laufenden – hier im Liveticker.
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Raiffeisen-Analyst Jeffrey Hochegger (52) kann Roubinis Prognose ebenfalls wenig abgewinnen. «Der Ölpreis ist aktuell deutlich erhöht und birgt die Gefahr einer konjunkturellen Abschwächung. Wir gehen aber nicht davon aus, dass sich der Preis pro Fass nachhaltig bei über 100 Dollar halten wird, die wirtschaftlichen Folgen werden sich in Grenzen halten.»
Staatsfonds der Golfstaaten zwar wichtig, aber …
Hält der Krieg länger an, werde die globale Wirtschaft aber einen Dämpfer erhalten, sagt auch Hochegger. «Die Unternehmen werden dann mit höheren Transport- und Produktionskosten belastet. Da die Bewertung der Aktienmärkte immer noch über dem langfristigen Durchschnitt liegt, fehlt die diesbezügliche Unterstützung.»
Bei einigen Tech-Aktien sind mittelfristig grössere Korrekturen möglich, aber nicht wegen des Kriegs, so Hochegger: «Die Firmen investieren viele Hundert Milliarden in KI. Das dürften in der Zukunft kaum alle in hohe Erträge ummünzen können.»
Auch Roubinis Annahme, dass die Staatsfonds im Nahen Osten trocken laufen, scheint unrealistisch: Jene von Kuwait und der Vereinigten Arabischen Emirate generieren hohe Dividenden- und Zinseinnahmen, die unabhängig von Öleinnahmen weiterfliessen. Damit wird ihnen nicht über Nacht das Geld ausgehen.
Beim Staatsfonds von Saudi-Arabien sind die Öleinnahmen deutlich relevanter. Fallen diese praktisch weg, müsste der Fonds wahrscheinlich einen Teil der geplanten Investitionen aussetzen. Spart der Fonds im KI-Sektor, wären das namhafte Summen.