Darum gehts
- Goldpreis fällt nach Rekordhoch im Januar 2026 um über 20 Prozent
- Hauptgründe: Inflation, Zinserwartungen, KI-Boom und Gewinnmitnahmen
- Zentralbanken stützen Markt; Experten erwarten Erholung bis Jahresende
Nach dem Gold-Rausch der Kater: Anfang Januar kletterte der Goldpreis auf ein Allzeithoch von über 133'000 Franken pro Kilo. Und nun das: Gold hat das schlechteste Quartal seit über zehn Jahren hinter sich. Zeitweise ist der Kilopreis unter 105'000 Franken gefallen – ein Minus von über 20 Prozent gegenüber dem Januar-Peak.
Warum der Preissturz?
Normalerweise gilt: Krisen beflügeln den Goldpreis – das Edelmetall als sicherer Hafen. Doch mit dem Krieg im Iran verhält es sich auf einmal anders. Weshalb? Schuld daran sind Inflation und Zinserwartungen. Kurz zusammengefasst: Der Konflikt um die Strasse von Hormus hat die Teuerung angeheizt. Und steigende Inflation bekämpfen Notenbanken mit höheren Zinsen.
Das ist die Sorge der Goldanleger und Gift für den Goldpreis. Denn: Gold wirft keine Zinsen ab. Wenn Anleihen und Sparguthaben wieder Rendite versprechen, lassen Investoren das Edelmetall links liegen.
Zudem fliesst aktuell viel Kapital in die boomenden KI-Aktien. Und irgendwoher muss dieses Geld ja kommen. Es fand unter anderem eine Umlagerung von Gold- zu Aktien-Investments statt. Nicht zuletzt, weil Goldanleger ihre Kursgewinne einsackten.
Und nun?
Die Aussagen des neuen US-Notenbankchefs werden aktuell auf die Goldwaage gelegt. Jüngst deutete Kevin Warsh (56) an, die Teuerung in den USA nehme eher wieder ab. Zudem enttäuschten die jüngsten Jobdaten aus Übersee. Und im Euro-Raum ist die Inflation im Juni überraschend gesunken, wie diese Woche bekannt wurde. Das alles spricht für sinkende Zinsen. Den Goldpreis würde es freuen. Er scheint vorerst Boden gefunden zu haben.
Was sagen die Profis?
Einer der Haupttreiber hinter dem Gold-Rausch bis Anfang Jahr seien die Notenbanken gewesen, die zur Absicherung tonnenweise Edelmetall gekauft haben, schreibt die US-Bank J.P. Morgan. Gemäss Analysten wird die Nachfrage von Zentralbanken, institutionellen Investoren und Verbrauchern hoch bleiben. Das ist das beste Auffangnetz für den Goldpreis.
Die meisten Banken haben ihre Kursprognosen zwar gesenkt. Trotzdem rechnen sie bis Jahresende mit einem deutlichen Anstieg gegenüber heute. Ewa Manthey von der niederländischen Bank ING fasst zusammen: «Wir glauben weiterhin, dass die fundamentalen Treiber für Gold intakt sind, aber der Weg nach oben wird langsamer und schwankungsanfälliger.»
Und dein Goldvreneli?
Kein Grund zur Panik: Du musst dein Vreneli oder den Goldschmuck in der Schublade jetzt nicht schlagartig verkaufen. Auch wenn der sichere Hafen derzeit etwas stürmisch ist, komplett Land unter droht nicht.
Also jetzt Gold kaufen?
Wer jetzt in Gold investieren will, braucht laut einem Bericht der UBS Geduld. Der langfristige Aufwärtstrend sei zwar ungebrochen. Notenbanken und andere Schwergewichte werden weiterhin Gold kaufen. Aber ebenso sind die aktuellen Herausforderungen – Zinsen und Teuerung – noch nicht vom Tisch.