Turbulentes Börsenhalbjahr 2026
Die Gewinner und Verlierer der Schweizer Aktien

Der Schweizer Aktienmarkt steigt im ersten Halbjahr auf ein Rekordniveau. Damit trotzt er vielen Negativeinflüssen. Nebst vielen Gewinneraktien gibt es aber auch prominente Verlierer.
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Die Schweizer Leitindizes haben im ersten Halbjahr 2026 neue Rekordstände erreicht.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SMI erzielt 2026 bisher 10,4 % Rendite, SPI folgt mit 10 %
  • ABB mit 47 % Plus dank KI-Boom und Fokus auf Kernbereiche
  • Centiel und Gurit führen SPI mit 366 % bzw. 255 % Kursgewinn an
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Thomas Marti
Cash

Nach dem US-Zollschock im April 2025 beschert auch das zweite Amtsjahr von Donald Trump mit dem Iran-Krieg den Anlegerinnen und Anlegern ein turbulentes Börsenhalbjahr. Allerdings erwies sich die Verunsicherung als deutlich kurzlebiger als noch im Vorjahr. Die hiesigen Leitindizes liessen die negative Stimmung rasch hinter sich und stiessen auf neue Rekordstände vor.

Der Swiss Market Index (SMI) erzielt im bisherigen Jahresverlauf einen Gesamtertrag – sprich Kursgewinne und Dividenden – von 10,4 Prozent und der Swiss Performance Index (SPI) ein Plus von 10 Prozent. Im Gegensatz zur US-Börse, wo die Kursavancen von einigen wenigen Technologieaktien getragen wurden, ist die Rally am hiesigen Aktienmarkt wesentlich breiter und somit solider abgestützt. 

Artikel von Cash.ch

Dieser Artikel wurde erstmals auf Cash.ch publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.cash.ch.

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Im Vergleich zu den Vorjahren waren die drei Schwergewichte ein wichtiger Treiber im SMI, wobei Novartis (+16 Prozent) im Vergleich zu Nestlé (+6 Prozent) und Roche (+2 Prozent) überdurchschnittlich zulegte.

Einzig ABB schwang im SMI mit einem Plus von 47 Prozent noch deutlicher obenaus als Nestlé. Der Börsenerfolg von ABB beruht auf der Fokussierung auf margenstarke Kernbereiche, erhielt aber auch viel Rückwind durch den KI-Boom. Nach dem rekordverdächtigen Kursanstieg innerhalb von sechs Monaten dürfte die Luft für den Elektronikkonzern wohl dünner werden, da ein Grossteil der positiven Fundamentaldaten bereits eingepreist ist. 

Gewinner und Verlierer im SMI

Eher überraschend finden sich auf den vorderen Plätzen im SMI-Ranking auch Kühne+Nagel (+15 Prozent) sowie Swisscom (+9 Prozent) wieder. Der Logistikkonzern Kühne+Nagel profitierte trotz der nach wie vor anhaltenden Unsicherheiten im Nahen Osten von steigenden Schiffs- und Flugfrachtraten.

Die Valoren der Swisscom stiegen Anfang März 2026 gar auf den höchsten Stand seit 26 Jahren, ehe Gewinnmitnahmen einsetzten. Ansonsten hätte sich der Titel nicht auf dem vierten, sondern auf dem zweiten Rang unter den Gewinnern im SMI eingereiht.

Haupttreiber für den Kursanstieg beim Schweizer Telekomunternehmen waren die Abo-Preiserhöhungen, das in den Erwartungen liegende operative Ergebnis für das erste Quartal, die positive Integration von Vodafone Italia sowie die Erhöhung der Dividendenausschüttung auf 26 Franken. Ein Absacken des Aktienkurses nach der Dividendenauszahlung ist bei Swisscom dann nicht unüblich.

Wenig überraschend konnten sich auch die drei Versicherungsvaloren Swiss Life (Dividendenrendite 4,1 Prozent), Swiss Re (4,9 Prozent) und Zurich Insurance (5,1 Prozent) während des ersten Halbjahres nicht so recht in Szene setzen. Im April und Mai schütten diese Konzerne traditionell ihre Gewinne aus. Dieser technische Abschlag führt dazu, dass die Performance im ersten Halbjahr optisch oft etwas schlechter aussieht, als sie operativ tatsächlich ausfällt. 

Ganz hinten in der Rangliste im SMI muss sich die Partners Group (–34 Prozent) anstellen. Das ist die Aktie, der viele Strategen und Analysten noch Anfang 2026 grosses Potenzial zutrauten. Daraus wurde nichts. Analysten senkten in den vergangenen Wochen ihre Kursziele für die Aktie en masse. Dabei steht nicht nur der Baarer Vermögensverwalter, sondern auch die Konkurrenten von Blackstone bis KKR im Bereich Privatmarktanlagen unter verschärfter Beobachtung. Denn die Sorgen vor den Folgen der KI-Revolution für den Markt für private Kreditunternehmer haben sich nicht gelegt, worauf Aktien von Private-Credit-Fondsanbietern unter die Räder kamen. Akzentuiert hat sich die Lage dadurch, dass die Marktteilnehmer nicht mehr mit Zinssenkungen der Notenbanken, sondern mit weiter steigenden Leitzinsen rechnen. 

Derzeit ist nicht absehbar, wie der Partners Group ein schneller Rebound gelingen könnte. Solange beim Bereich Private Credit Investoren mehr Geld als vertraglich vorgeschrieben abziehen wollen, bleibt der Sektor für Investierende ein rotes Tuch. Zudem birgt die Beschränkung von Rücknahmen Reputationsrisiken, die nicht von heute auf morgen verschwinden werden. 

Von Börsenüberfliegern und Stehaufmännchen

Im breiten Swiss Performance Index (SPI) stechen bei der «Leistungsabrechnung» für das erste Halbjahr die Valoren von Centiel (+366 Prozent) und Gurit (+255 Prozent) hervor. Während die Titel des Notstromversorgers und Börsenneulings Centiel (die Firma war in die Börsenhülle von HT5 geschlüpft, wobei HT5 aus dem insolventen Milchverarbeiter Hochdorf hervorging) aufgrund des überraschend schnellen Markteintritts in den USA Auftrieb erhielten, scheint Gurit auf gutem Weg, den Turnaround zu schaffen. Der Verbundwerkstoffspezialist dürfte von einem verschlankten Produkt- und Vertragsportfolio, einer Rückkehr zu organischem Wachstum in diesem Jahr sowie besseren Marktbedingungen in der Windenergie profitieren.

Neben der Bestätigung des Turnarounds im Windenergiegeschäft spielt mittlerweile auch KI-Fantasie eine Rolle bei der Kursentwicklung, weil der steigende Energiebedarf durch KI-Rechenzentren die langfristige Nachfrage nach Windenergie unterstützen könnte. Bis die Aktie bei einem Preis von 41.80 Franken im besten Fall wieder auf die alten Höchststände von 250 Franken zurückkehrt, dürfte es allerdings noch ein langer Weg sein.

AMS Osram (+123 Prozent) haben im Vergleich zu Gurit einen noch weiteren Weg zurückzulegen, um bei einem Aktienkurs von 17.50 Franken den alten Höchststand von 427 Franken vor acht Jahren zu erklimmen. Die Fantasie nach KI-Photonik hatte den Kurs jüngst stark beflügelt. Die Kommerzialisierung von MicroLEDs für schnelle optische Verbindungen eröffnet dem Unternehmen neue Chancen. Zudem nehmen Marktteilnehmer den fortschreitenden Schuldenabbau und die operativen Verbesserungen im Kerngeschäft positiv auf. 

Vom KI-Boom profitieren auch die drei Halbleiterzulieferer Comet (+77 Prozent), Inficon und VAT (je +81 Prozent). Auf einen ähnlich hohen Kursgewinn kann auch Polypeptide zurückblicken. Das Unternehmen hatte Mitte April Marktgerüchte und Medienberichte über ein mögliches Übernahmeinteresse bestätigt. Den Private-Equity-Investoren wie EQT oder KKR werden Übernahmegelüste nachgesagt.

Am anderen Ende fiel das erste Halbjahr bei Mindmaze Therapeutics – vormals Relief Therapeutics – mit einem Kursverlust von 89 Prozent rabenschwarz aus. Mindmaze ist Ende 2025 sozusagen durch die Hintertür über einen Zusammenschluss – sprich einen sogenannten «Reverse Merger» – mit dem bereits angeschlagenen Biotech-Unternehmen Relief Therapeutics an die Börse gekommen. Das Geschäftsmodell rund um digitale Neurotherapien ist allerdings sehr kapitalintensiv. Im Mai 2026 hatte sich Mindmaze überraschend mittels einer Kapitalerhöhung acht Millionen Franken gesichert – sehr zum Unmut der bestehenden Aktionäre.

Ebenfalls gehörig unter die Räder geriet Bystronic (-48 Prozent). Der Spezialist für Blechbearbeitung vermeldete Mitte April für das erste Quartal einen überraschend deutlichen Umsatzrückgang und rutschte während der laufenden Restrukturierungsphase in die roten Zahlen. Damit nicht genug: Am 15. Juni teilte die Firma eine Gewinnwarnung mit. Entsprechend folgte die Strafe an der Börse, der Titel verlor innerhalb eines Tages knapp 15 Prozent. 

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