Geldanlage in Private Markets
Die Banken bitten Sie zur Milliardärsparty? Lehnen Sie ab!

Früher waren sie die Festung der Milliardäre und grossen Pensionskassen: Private Markets. Doch im Frühling 2026 klopfen Banken und Fintechs plötzlich bei Herr und Frau Schweizer an. Die Kosten und Risiken im Check.
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Die wichtigste Frage lautet: Warum werden Private Markets gerade jetzt für Privatanleger geöffnet?
Foto: Magnific, Gemini (KI-generiert) – Illustration: Joël Borter

Darum gehts

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Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einem diskreten Stadthaus an teuerster Lage am Zürichberg. Drinnen verschieben Männer in Massanzügen Milliarden. Sie investieren in Windparks, Spitäler-Software oder Logistikzentren, die nicht an einer Börse gehandelt werden können. Jahrelang war die Tür für Sie verschlossen: «Nur für Profis ab einem Millionenvermögen», hiess es kühl.

Doch im Frühling 2026 hat der Wind gedreht. Der Türsteher lächelt Sie plötzlich an und hält die schwere Mahagoni-Türe auf: «Ab 10’000 Franken – oder gar nur für einen einzigen Franken – sind Sie dabei.» Die Branche spricht von «Demokratisierung». Das klingt nach neuen Chancen. Aber: Warum gerade jetzt?

Wenn die Marge schmilzt

Der Grund: Die Banken und Fintechs sind unter Druck. Auf der einen Seite fliesst das Geld der professionellen Anleger nicht mehr so üppig. Auf der anderen ist Investieren für Privatanleger günstiger geworden: Exchange Traded Funds (ETF) ermöglichen breite, weltweite Diversifikation für unter 0,2 Prozent Gebühren. Für Anleger ein Fortschritt – für Banken kann das ein Margenproblem sein.

Private Markets sind das Gegenteil: komplex, schwer vergleichbar und deutlich teurer. Eine Chance für Anbieter. Weil einfache Anlagen weniger Erträge bringen, eröffnen sich hier neue Einnahmequellen.

Die Geschichte hinter Private Markets

Private Markets werden nicht über Kosten verkauft, sondern mit glänzenden Verkaufsargumenten: «Investieren Sie nicht in zappelige Börsenkurse, sondern in reale Werte!» Auf Bildern glänzen moderne Windkraftanlagen oder Biotech-Labore. Das wirkt greifbarer als ein abstrakter Weltaktienindex, der zwar irgendwie alles ist, aber emotional nichts. Es ist ein psychologischer Trick: Die realen Werte werden als «exklusiv» verkauft. Um von den hohen Kosten abzulenken.

Zudem versprechen Anbieter eine Zusatzrendite, die höher ist als auf dem Aktienmarkt. Wer sein Geld langfristig bindet, soll eine sogenannte Illiquiditätsprämie erhalten. Eine Entschädigung dafür, dass man das Geld oft erst nach mehreren Jahren zurückerhält. Das ist theoretisch plausibel. Die Realität ist aber komplizierter.

Studien der letzten Jahre kommen zum Schluss, dass Private Equity selbst für grosse institutionelle Anleger wie Pensionskassen oft keine klare Mehrrendite gegenüber börsennotierten Anlagen bringt – teilweise sogar trotz höherem Risiko und geringerer Liquidität.

Entscheidend ist ein anderer Punkt: Diese Investoren haben direkten Zugang zu Fonds und deutlich bessere Konditionen als Privatanleger.

Woran Privatanleger denken sollten
  • Kosten klären: Oft fallen mehrere Gebühren auf mehreren Ebenen an.
  • Liquidität beachten: Geld kann jahrelang gebunden sein.
  • Struktur verstehen: Komplexität erhöht Kosten.
  • Erwartungen prüfen: Mehr Rendite ist möglich, aber nicht garantiert.
  • Alternativen vergleichen: ETF bleiben für die meisten die bessere Lösung.
  • Kosten klären: Oft fallen mehrere Gebühren auf mehreren Ebenen an.
  • Liquidität beachten: Geld kann jahrelang gebunden sein.
  • Struktur verstehen: Komplexität erhöht Kosten.
  • Erwartungen prüfen: Mehr Rendite ist möglich, aber nicht garantiert.
  • Alternativen vergleichen: ETF bleiben für die meisten die bessere Lösung.

Zugang über Umwege

Heute wird der Zugang für Privatanleger geöffnet – über Plattformen und Sammelstrukturen. Bei einigen Schweizer Anbietern kann man schon kleine Frankenbeträge in Fonds grosser Häuser investieren – etwa die Schweizer Partners Group oder die britische Schroders. Andere setzen höhere Einstiegsschwellen.

Artikel aus dem «Beobachter»

Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

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Die Öffnung für Privatanleger funktioniert über zusätzliche Strukturen: Dachfonds, Sammelvehikel, neue Konstruktionen. Sie machen den Zugang möglich, verlängern aber den Weg des Geldes – und erhöhen die Kosten.

Wenn Kosten Rendite auffressen

Eine Verwaltungsgebühr von etwa 1,5 Prozent wirkt überschaubar. Doch oft kommen Erfolgsbeteiligungen und Kosten auf weiteren Ebenen hinzu. So entsteht eine Gebührenstruktur, die sich summiert und sich schnell auf über 3 Prozent addiert.

Für Privatanleger bedeutet das: Ein Teil der Rendite wird bereits im System abgeschöpft. Damit sich das Investment lohnt, muss die Anlage deutlich besser abschneiden als einfache Alternativen. Das gelingt nicht immer. Besonders kritisch ist dies bei kleinen Beträgen. Je komplexer die Struktur und je kleiner die Investitionsbeträge, desto höher der relative Kostenanteil.

Die Ruhe täuscht

Private Markets wirken oft stabiler als Aktien. Doch der Grund ist einfach: Sie werden seltener bewertet. Während Börsenkurse jede Sekunde gemessen werden, passiert das bei Private Markets allenfalls nur einmal pro Jahr. Dadurch erscheinen Kurven glatter, Schwankungen sind weniger sichtbar.

Das bedeutet nicht, dass die Risiken kleiner sind. Sie werden lediglich weniger oft sichtbar. Wer nur selten hinschaut, sieht weniger Bewegung. Damit ist das Risiko aber nicht zwingend kleiner.

Info

Private Markets sind Anlagen ausserhalb der Börse. Dazu gehören:

  • Private Equity: Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen
  • Private Debt: Kredite ausserhalb klassischer Bankfinanzierung
  • Infrastruktur: Projekte wie Stromnetze oder Verkehrsanlagen
  • Immobilien: Direktinvestitionen in grössere Objekte. Typisch sind lange Kapitalbindung, eingeschränkte Handelbarkeit und weniger Transparenz.

Private Markets sind Anlagen ausserhalb der Börse. Dazu gehören:

  • Private Equity: Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen
  • Private Debt: Kredite ausserhalb klassischer Bankfinanzierung
  • Infrastruktur: Projekte wie Stromnetze oder Verkehrsanlagen
  • Immobilien: Direktinvestitionen in grössere Objekte. Typisch sind lange Kapitalbindung, eingeschränkte Handelbarkeit und weniger Transparenz.

Wenn Geld plötzlich fehlt

Ein Risiko unterschätzen Privatanleger besonders oft: die Illiquidität. Viele dieser Anlagen in Private Markets binden Kapital über Jahre, teilweise über ein Jahrzehnt. Zwar werden Anleger darauf hingewiesen – doch sie unterschätzen oft, was das bedeutet. Lebenssituationen ändern sich, Ausgaben entstehen unerwartet, Prioritäten verschieben sich. Wer dann auf sein Geld zugreifen möchte, merkt schnell: Aussteigen ist entweder gar nicht möglich oder nur mit Abschlägen.

Die Argumentation der Anbieter erinnert an frühere Trends. So wurden aktiv gemanagte Fonds lange mit dem Versprechen verkauft, besser zu sein als der Markt. Doch aufgrund der hohen Kosten war das oft nicht der Fall. Bei Private Markets stellt sich heute eine ähnliche Frage. Nicht ob sie funktionieren können – sondern ob sie für Privatanleger nach allen Gebühren tatsächlich einen nachhaltigen Vorteil bieten.

Fazit

Nicht jedes exklusive Angebot ist automatisch eine gute Anlage. Studien zeigen: Die Gesamtkosten können für Laien auf 3 bis 5 Prozent pro Jahr klettern. Damit Privatanlegende am Ende mehr verdienen als mit einem billigen ETF, müsste der Manager des Private-Markets-Produktes den Markt jedes Jahr massiv schlagen. Das passiert fast nie. Am Ende tragen Privatanlegende das volle Risiko und die lange Bindung, während die Bank die sichere Rendite via Gebühren einstreicht.

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