Das schleichende Risiko vom Milliardenmarkt Private Credit
Wie Schattenbanken die nächste Finanzkrise auslösen könnten

Unternehmen wie Alfred Gantners Partners Group profitieren vom lukrativen Geschäft mit Privatkrediten. Doch weltweit wächst jetzt die Unsicherheit: Wertverluste und schwindendes Vertrauen gefährden die hohen Investitionen. Stehen die Schattenbanken vor einer Krise?
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Die Vergabe von Privatkrediten legt seit der Finanzkrise 2008 immer mehr zu.
Foto: Shutterstock

Darum gehts

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Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft

Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 etablierte sich still und heimlich ein System abseits der klassischen Finanzwelt: Private Credit. Was als Alternative für Unternehmen, denen die Banken den Geldhahn zudrehten, begann, ist heute zu einem Multibillionen-Markt geworden. Doch der schöne Schein bei sogenannten «Schattenbanken» bekommt Risse: Erstmals seit Jahren häufen sich bei privaten Geldgebern wieder Zahlungsausfälle und eine Umschichtung der Kredite, wie die «Financial Times» berichtet.

Diese billionenschwere Schattenwelt der Kredite wirft Fragen auf: Wie funktioniert sie, welche Player wichtig sind und wo die versteckten Risiken liegen? Blick hat die wichtigsten Antworten.

Was ist Private Credit überhaupt?

Früher war der Weg simpel: Eine Privatperson oder ein mittelgrosses Unternehmen ging zur Bank, um sich einen Kredit zu holen. Die Finanzkrise 2008 änderte das: Strenge regulatorische Reformen und Bedenken hinsichtlich der eigenen Bilanzen machten solche Geschäfte für Banken weniger attraktiv. Stattdessen konzentrieren sie sich bei der Kreditvergabe seither vor allem auf Grosskonzerne.

Private Credit hat diese Lücke für Private und KMU gefüllt. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Bankkrediten: Die Darlehen werden direkt und privat ausgehandelt – ohne eine Bank. Damit agieren die Anbieter von privaten Krediten zwar wie Banken, haben aber mehr Kontrolle über die Konditionen. Ihren Kunden bieten sie flexiblere Kreditstrukturen und die Bereitschaft, höhere Risiken einzugehen. Das ist zu einem Mega-Business geworden: Bis 2030 soll das weltweit verwaltete Vermögen im Bereich der privaten Kredite fast 3,1 Billionen US-Dollar erreichen, prognostiziert der Finanzdaten-Spezialist Preqin.

Wer sind die grossen Player?

Die meisten führenden Private-Credit-Manager stammen aus dem Private-Equity-Bereich – also aus der Verwaltung von ausserbörslichem Eigenkapital. Sie besitzen jahrelange Erfahrung darin, abseits der öffentlichen Börsen direkt in Unternehmen zu investieren und diese aktiv zu steuern. Namen wie Apollo Global Management, Blackstone oder KKR sind vielleicht weniger prominent als ihre Beteiligungen: Apollo hält die Mehrheit am Fussballklub Atlético Madrid, Branchenriese CVC kontrollierte lange die Formel 1 und KKR war Grossaktionär beim deutschen Medienkonzern Axel Springer, dem unter anderem die «Bild»-Zeitung gehört.

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Auch in der Schweiz ist das Geschäft mit Privatkrediten längst angekommen. Das Unternehmen Partners Group, das an der Schweizer Börse kotiert ist, verwaltet in seiner Private-Credit-Sparte Vermögen im Wert von 32,8 Milliarden Franken. Zudem werben hiesige Fintechs wie Creditworld damit, Firmenfinanzierungen komplett ohne Banken bereitzustellen.

Wo lauern die Gefahren?

In der Branche wird die Lage spürbar angespannter. Einige der grössten Fonds, die von den Private-Credit-Managern betrieben werden, mussten den Wert ihrer bestehenden Kredite abschreiben, wie die «Financial Times» berichtet. Sie warnen jetzt vor Problemkrediten. Sie befürchten, dass ihre Schuldner die Kredite nicht mehr zurückzahlen können.

«Das zentrale Problem ist die Bewertung», erklärt Akif Midilli, Doktorand am Department of Finance der Universität Zürich, gegenüber Blick. Denn: Diese Kredite werden an keinem Markt gehandelt, daher gibt es keinen unabhängigen Preis. Die Fondsmanager schätzen den Wert selbst mitunter stark abweichend voneinander. Das wurde dieses Jahr zum Problem, so Midilli: «Als Anleger versuchten, ihr Geld schneller abzuziehen als erlaubt, wurden börsennotierte Fondsanteile oft deutlich unter den offiziellen Werten gehandelt.» Das zeigt das schwindende Vertrauen der Investoren.

Verlieren Anleger das Vertrauen, sinkt die Bereitschaft für Neuinvestitionen, was letztlich die Kreditvergabe an Unternehmen bremst, warnt auch Gregor Matvos, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Northwestern University im US-Bundesstaat Illinois. Dennoch sieht Midilli kein systemisches Versagen wie einst bei den Banken: Die Branche werde weiter wachsen – künftig allerdings mit einer schärferen Selektion zwischen starken und schwachen Anbietern.

Keine Empfehlung für Anleger

Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.

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