Darum gehts
- US-Staatsschulden erreichen über 40 Billionen Dollar, Finanzmärkte reagieren besorgt
- Rendite der 30-jährigen US-Anleihe bei 5,33 Prozent, höchster Stand seit 2007
- Weltweite Schuldenberge bei 280 Billionen Franken, Risiko für Finanzkrise bleibt gering
Die Staatsschulden bereiten der Finanzwelt Sorgen: Gerade an den Anleihemärkten werden die Alarmsignale immer deutlicher. Jahrelang konnten die Länder ihre Schulden billig finanzieren. Die Zinsen waren historisch tief. Jetzt aber flattern bei den Finanzministern dieser Welt zunehmend höhere Rechnungen ins Haus, wenn sie neues Geld aufnehmen. Denn billig finanzierte Schulden laufen nun aus – und müssen zu höheren Zinsen ersetzt werden.
Welche Konsequenzen die ungebremst wachsende Staatsverschuldung hat, zeigt sich besonders ausgeprägt in den USA. Allein in diesem Jahr dürfte die grösste Volkswirtschaft der Welt Schulden von über 2 Billionen Dollar anhäufen. Vor wenigen Tagen wuchs der US-Schuldenberg auf über 40 Billionen Dollar an. Die Finanzmärkte reagierten schockiert.
Die Folge: Anlegerinnen und Anleger verkauften in grossen Mengen ihre US-Staatsanleihen, weil sie zunehmend an der Kreditwürdigkeit der USA zweifeln. Oder dieses Risiko besser abgegolten haben wollen. Das hat die Rendite der Schuldtitel nach oben getrieben. Diese Woche stieg die Rendite der 30-jährigen US-Anleihe auf 5,33 Prozent. Zuletzt war sie im Sommer 2007 so hoch, als danach die letzte grosse Finanzkrise folgte.
US-Finanzminister Scott Bessent (64) versuchte, Gegensteuer zu geben. Am Mittwoch kündigte er an, ab nächstem Monat die Rückkäufe von langfristigen US-Staatsanleihen zu verdoppeln. Doch die Massnahme verpuffte fast wirkungslos.
Es droht ein gefährlicher Teufelskreis
Das alles klingt ziemlich technisch. Und vor allem nach einem Problem der Staaten dieser Welt. Warum also sollen die jüngsten Entwicklungen an den Anleihemärkten den ganz normalen Bürger interessieren? Weil sie letztlich auch ihn betreffen!
Denn: Staatsanleihen sind ein wichtiges Standbein des weltweiten Finanzsystems. Steigende Renditen bedeuten höhere Kapitalmarktzinsen. Das verteuert Hypotheken, macht Kredite für Private und Unternehmen teurer. Weil Anleger gerade empfindlich auf steigende Schulden reagieren, droht ein gefährlicher Teufelskreis: kletternde Zinsen, höhere Kosten, grössere Schulden. Und die globalen Schuldenberge sind sowieso schon astronomisch hoch: Laut Zahlen des Institute of International Finance belaufen sie sich auf 353 Billionen Dollar, also gut 280 Billionen Franken. Vor zehn Jahren waren es noch über 110 Billionen Franken weniger. Steht uns also eine Finanzkrise bevor?
(Noch) keine Finanzkrise in Sicht
Die beruhigende Nachricht gleich vorweg: Bislang zeichnet sich kein Kollaps ab. So gibt Raiffeisen-Anlagechef Matthias Geissbühler (51) vorläufig Entwarnung: «Die höheren Zinsen werden nicht automatisch zu einer Finanzkrise führen – dafür müssten sie noch deutlich stärker steigen», sagt er auf Anfrage von Blick. Die Staaten finden auf den Anleihemärkten immer noch Käufer für ihre Schuldtitel.
Wie geht es den Schweizer Firmen? Was läuft an der Wall Street? Und wie entwickelt sich der Goldpreis? Wir halten dich über die neusten Entwicklungen an den Märkten auf dem Laufenden – hier im Liveticker.
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Die höheren Renditen für Staatsanleihen sind aber eine schlechte Botschaft für die Börsen. «Einerseits belasten höhere Zinsen die Konjunktur sowie die Bewertungen von Aktien und andererseits gewinnen Anleihen als Anlagealternative wieder an Attraktivität», führt Geissbühler aus. Heisst: «Eine Korrektur an den Aktienmärkten ist nicht auszuschliessen», so das Fazit des Anlageexperten.
So sollen sich Anleger verhalten
In nächster Zeit zeichnet sich keine Entspannung an den Anleihemärkten ab, prognostiziert Geissbühler: «Die Ära des billigen Geldes gehört vorerst der Vergangenheit an. Steigende Staatsverschuldung, ein wachsender Kapitalbedarf, veränderte geopolitische Rahmenbedingungen und struktureller Inflationsdruck sprechen für ein dauerhaft höheres Zinsniveau.» Das gelte allerdings vor allem für die Zinsen im Ausland. «In der Schweiz bleibt das Zinsniveau aufgrund der tieferen Inflation verhältnismässig moderat», so der Finanzkenner.
Entsprechend befinden sich Anlegerinnen und Anleger aus der Schweiz in einer speziellen Situation. «Anleihen bleiben daher aus Renditeperspektive uninteressant. Auf der Aktienseite sollten sich Anleger auf defensive, dividendenstarke Schweizer Qualitätsaktien fokussieren», rät Geissbühler. Bei Aktien von ausländischen Unternehmen kann es dagegen sinnvoll sein, einen Teil der Gewinne zu realisieren. Sprich: Gewisse Aktien soll man zu Kursgewinnen verkaufen. Und: Gold gehört für den Raiffeisen-Anlagechef weiterhin in ein diversifiziertes Portfolio.
Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.
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