Darum gehts
- Die Berner Hofladenkette Rüedu stellt nach sechs Jahren den Betrieb ein
- 400 Kleinaktionäre verlieren 240'000 CHF, Lieferanten bleiben auf Schulden sitzen
- Foodoo fordert 17'000 CHF zurück, Glacehersteller Kalte Lust 10'000 CHF
Die Berner Hofladenkette Rüedu hat ihren Betrieb per sofort eingestellt. Nach sechs Jahren ist Schluss. Sämtliche 19 Standorte bleiben geschlossen, alle Mitarbeitenden verlieren ihre Stelle. Für Kunden bedeutet das: Gutscheine sind wertlos, offene Bestellungen werden nicht mehr ausgeliefert.
Das Start-up war 2020 vom ehemaligen Bernexpo-Chef Tom Winter und Jürg Burri gegründet worden. Die Idee: Rund um die Uhr geöffnete Hofläden mit regionalen Produkten. Die Pläne waren ambitioniert – einst sollten schweizweit 50 Standorte entstehen. Doch daraus wurde nichts. Eine Expansion nach Zürich scheiterte, das Unternehmen kämpfte seit zwei Jahren ums Überleben. Jetzt ist definitiv Schluss.
«Haben 17'000 Franken offen»
Besonders bitter ist das für die zahlreichen Lieferanten aus der Region, wie die «Berner Zeitung» berichtet. Darunter kleine Metzgereien, Bäckereien und Käsereien. Viele Lieferanten haben bis zuletzt daran geglaubt, dass das Konzept funktioniert und Rüedu wieder auf die Beine kommt. Einige haben gar einen Zahlungsaufschub von Rüedu akzeptiert – und auf eigenes Risiko hin weiter geliefert. Rückblickend war das ein Fehler: Sie müssen sich nun hohe Beträge ans Bein streichen.
Etwa Mirko Buri. Er lieferte mit seiner Firma Foodoo aus Utzigen BE Produkte an Rüedu – die Hofladen-Kette war einer der wichtigsten Kunden. Foodoo nimmt Bauern aussortiertes Gemüse ab. Und macht daraus unter anderem Saucen oder Bouillons. «Wir haben 17’000 Franken bei Rüedu offen», sagt Buri zur «Berner Zeitung». Man habe bis zum Schluss ans Konzept geglaubt. Buri sagt: «Rüedu war ein cooler Partner.»
400 Kleinaktionäre verlieren Geld
Auch der Glacehersteller Kalte Lust aus Olten SO verliert viel Geld. Man sei «zusammen mit Rüedu gewachsen», sagt Geschäftsleiter Florian Stähli. 10'000 Franken hat er in die Hofladen-Kette investiert. Und noch Rechnungen über mehrere Tausend Franken offen. Einige Lieferanten stoppten ihre Lieferungen rechtzeitig. Sie kamen glimpflich davon. 400 Kleinaktionäre investierten zudem 240'000 Franken via Crowdinvesting. Auch ihr Geld ist wohl für immer futsch.
Das Aus tut Rüedu-Geschäftsführerin Karin Ingold weh: «Es ist für alle traurig, die viel Herzblut in den Rüedu gesteckt haben», sagt sie zu Blick. «Sei es das Team, aber auch die Lieferanten, ohne deren Unterstützung wir in den vergangenen Jahren nicht so weit gekommen wären.» Man stehe «im engen Austausch» mit Mitarbeitenden, Lieferanten, Partnern und dem Konkursamt, um die nächsten Schritte zu planen, so Ingold weiter. Ein schwacher Trost für alle, die auf Geld warten.