Darum gehts
- Denner in der Krise: CEO Friedrich trat Ende Mai 2026 zurück
- Ex-Besitzer Gaydoul kritisiert fehlende Investitionen und Sortimentserweiterung
- Migros investierte 400 Mio. Franken in Filialen, IT und Verteilzentren
Bei Denner herrscht Unruhe: Ende Mai sprang Torsten Friedrich (49) als CEO ab. Nach nur etwas mehr als einem Jahr hatte der Deutsche genug, ihm war das von der Mutter Migros aufgezwungene Korsett zu eng geworden. Seither ist die Stimmung bei den Mitarbeitenden gedrückt. Und jetzt gibt es Kritik an der Entwicklung von Denner unter dem Dach der Migros – geäussert vom ehemaligen Denner-Besitzer Philippe Gaydoul (54) in der «NZZ am Sonntag».
«Viele Läden sehen fast so aus wie vor bald 20 Jahren. Es wurde kaum investiert – weder in Filialen noch in neue Technologien wie Self-Scanning, die für Discounter interessant wären», sagte er der Zeitung. 2007 hatte Gaydoul das Familienunternehmen an die Migros verkauft. Zwei weitere Jahre blieb er Denner als CEO erhalten, bis 2012 sass er im Verwaltungsrat. Jahrelang war der Zürcher Unternehmer überzeugt: Der Verkauf war richtig. «Mittlerweile sehe ich das anders», so Gaydoul zur «NZZ am Sonntag». Für ihn hat Denner auch das Sortiment zu stark ausgebaut.
Migros verweist auf Investitionen von 400 Millionen
Migros und Denner weisen die Kritik zurück. In einer gemeinsamen Stellungnahme betonen sie, dass man in den vergangenen acht Jahren 400 Millionen Franken in Filialumbauten, IT und Verteilzentren investiert habe. Und die Anzahl Produkte im Sortiment habe man nur «moderat» erhöht. Denner habe eine klare Positionierung als «Nahversorger zu Discountpreisen».
Der abrupte Abgang von Friedrich vor drei Wochen zeigt jedoch: Der Discounter steckt in einer Identitätskrise. Die Migros schrieb nach dem Rücktritt von «unterschiedlichen Vorstellungen über die Strategie und die künftige Entwicklung von Denner». Migros-Chef Mario Irminger (61), der den Anpacker Friedrich zu Denner geholt hatte und dem Discounter einst selbst als CEO vorstand, rief Ende Oktober 2024 die Tiefpreisstrategie beim orangen Riesen aus. Schon damals stellte sich die Frage: Macht der Migros-Chef damit Denner überflüssig?
Gleichzeitig trieb Irminger auch den Migros-Umbau voran. Er hat zahlreiche Fachmärkte abgestossen, viele Eigenmarken zusammengestrichen. Der Fokus liegt voll auf dem Supermarkt-Geschäft. Und in diesem baute er Doppelspurigkeiten ab und zentralisierte. Zum Beispiel den Einkauf. Denner ist jetzt an der kurzen Migros-Leine. Das ist offenbar nicht nur Ex-CEO Friedrich sauer aufgestossen, es gefällt auch dem früheren Besitzer Gaydoul nicht.