Er lag schon mehrmals richtig
Dieser mysteriöse Chart aus dem 19. Jahrhundert soll Börsencrashs vorhersagen

Ein 150 Jahre altes Börsendiagramm sorgt gerade für heisse Diskussionen: Es soll spektakuläre Wirtschaftskrisen wie den Crash von 1929 und das Platzen der Dotcom-Blase prophezeit haben. Auch für 2026 hat es eine klare Empfehlung.
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Dieses Papier, verfasst 1875 von einem US-Bauern, wird bis heute heiss diskutiert.
Foto: Screenshot Reddit

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Das 150 Jahre alte Benner Cycle sagt Aktienmarktzyklen erstaunlich präzise voraus
  • Diagramm empfiehlt 2026 zu Aktienverkäufen
  • Experten warnen vor der Zuverlässigkeit
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Ein zuverlässiges und modernes Analysetool der internationalen Finanzmärkte sieht anders aus: Die Seiten sind vergilbt und fleckig, das Diagramm – wahrscheinlich auf Pergament verfasst – mit handgeschriebenen Bleistiftnotizen versehen. Trotzdem findet das sogenannte Benner Cycle bis heute Beachtung. Obwohl es schon über 150 Jahre alt ist. 

Dies, weil die Börsengrafik von 1875 wiederholt die Entwicklung der Aktienmärkte und legendäre Börsencrashs korrekt vorhergesagt hat: darunter die Weltwirtschaftskrise von 1929, das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000, der Börsencrash 2008 sowie der grosse Absturz nach Ausbruch der Corona-Pandemie 2020. In den Jahren vor den Ereignissen empfahl sie den Verkauf von Wertpapieren. Und machte damit für Anleger entsprechend nützliche Empfehlungen. Aber wie funktioniert der Chart genau?

Schweinebauer aus den USA wurde zum Börsenguru im Netz

Die Grafik, die auch unter ihrem Titel «Periods When to Make Money» kursiert, zeigt eine zyklische Entwicklung der Weltwirtschaft und damit der Finanzmärkte. Urheber ist laut mehreren Quellen Samuel Benner, ein Schweinebauer aus dem US-Bundesstaat Ohio, der im 19. Jahrhundert lebte. Dieser teilt eine bestimmte Zeitspanne grob in drei Kategorien auf: 

A – Panikjahre: Diese Zeiträume sind von Angst, Marktcrashs und Panikverkäufen geprägt (Beispiel: 1999/2000, Platzen der Dotcom-Blase; 2020, Corona).

B – «Gute Zeiten»: In diesen Jahren herrscht viel Wohlstand, hohe Vermögens- und Immobilienpreise und euphorische Stimmung an den Aktienmärkten (hier sollten Anleger ihre Wertpapiere verkaufen).

C – «Harte Zeiten»: Damit gemeint sind Jahre mit tiefen Preisen und wirtschaftlicher Stagnation (hier sollten Anleger Aktien kaufen oder ihre bestehenden Assets halten).

Das Diagramm macht Vorhersagen bis ins Jahr 2059. Links sind die Kategorien A, B und C zu erkennen.
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Diese Kategorien wechseln sich zyklisch, also immer wiederkehrend, in unterschiedlich grossen Abständen ab. Benners ursprünglicher Chart reichte nur bis 1891. George Tritch, ein anderer Wirtschaftsguru des 19. Jahrhunderts, soll den Zyklus dann bis 2059 weiterentwickelt haben. 

Somit kommt auch das Jahr 2026 in der Grafik vor. Die klare Empfehlung: Anleger sollten ihre Aktien verkaufen und Gewinne mitnehmen, da wir uns aktuell in einer B-Phase befinden. Heisst: Momentan herrscht eine gute Marktstimmung, die Ende 2026 oder Anfang 2027 ihren Höhepunkt erreichen wird.

«Hat an den Märkten nichts zu suchen»

Und wie viel Wahrheit steckt in dem Diagramm? Gemäss Andreas Hackethal, Wirtschaftsprofessor am Frankfurter Leibniz-Institut, erstaunlich wenig: Zugrunde liege vor allem das langjährige Bedürfnis von Marktteilnehmern, in den zufälligen Aktienbewegungen langfristige Gesetzmässigkeiten zu erkennen, sagt er im «Handelsblatt». Zudem beruht Benners Theorie zu den Wirtschaftszyklen nicht auf ökonomischen Analysen, sondern auf der damaligen Sonnenaktivität und ihrem Einfluss auf die Ernteerträge. Das habe an den Märkten nichts zu suchen, so das Fazit des Experten. 

Trotzdem schwärmen Finanzblogger und User auf Social-Media-Plattformen vom Benner-Chart. Sie weisen darauf hin, dass er in den Vorhersagen zu 90 Prozent richtig liege. Doch für Uniprofessor Hackethal gibt es eine einfache Erklärung für diese vermeintliche Präzision: Zufall. Alle damals erstellten Prognosen, die falsch lagen, seien schlicht längst vergessen. Und dass das Benner Cycle in der Vergangenheit Glück hatte, bedeute nicht, dass es auch in Zukunft verlässlich sei.

Keine Empfehlung für Anleger

Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.

Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Meinungen und Einschätzungen beruhen auf sorgfältiger Recherche, können jedoch nicht die individuelle Prüfung und Beratung durch Fachleute ersetzen. Börsenentwicklungen sind von vielen Faktoren abhängig und nicht vorhersehbar. Investitionen in Aktien, Kryptowährungen und andere Finanzprodukte bergen Risiken, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.

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