Darum gehts
- Schweizer Rindfleisch knapp, Importe aus Deutschland und Österreich steigen 2025 stark
- McDonald's nutzt bis zu ein Drittel österreichisches Fleisch für Burger-Patties
- Grossvieh-Importe 2025 um 25 Prozent gestiegen auf 28'218 Tonnen
Die Schweiz lässt es brutzeln. Egal ob Entrecôte, Filet, Hackfleisch, Wurst oder Burger: Rindfleisch geht weg wie nichts. Die Fleischeslust führt zu Engpässen. Verarbeiter, Handel und Gastronomie greifen verstärkt auf Ware aus dem Ausland zurück, wie eine Blick-Umfrage belegt.
Provisorische Zahlen der Branchenorganisation Proviande zeigen: Die Importe von Rindfleisch sind 2025 deutlich gestiegen. Die Einfuhren von Grossvieh – dazu zählen Ochsen, Rinder, Stiere und Kühe – klettern um fast ein Viertel auf 28'218 Tonnen. Der Anteil Schweizer Fleisch sank deshalb auf 77,4 Prozent.
Obwohl weniger Kühe geschlachtet wurden, blieb die Menge aus der Schweiz stabil. Die Tiere waren also schwerer, als sie zur Schlachtbank mussten. Doch die Bevölkerung wächst, und die Nachfrage steigt seit 2023 wieder. Es braucht mehr Fleisch.
Die Beschaffung von Rindfleisch sei deshalb anspruchsvoller geworden, argumentiert Proviande. «Der Kuhbestand in der Schweiz ist gesunken, deshalb muss vermehrt Kuhfleisch aus Deutschland und Österreich importiert werden», erklärt ein Sprecher.
Diese Importe kommen zum Grossteil in der Systemgastronomie zum Einsatz, unter anderem bei amerikanischen Fast-Food-Ketten. Die Versorgung sieht die Organisation jedoch nicht gefährdet.
McDonald's setzt auf Österreich
Der Burger-Riese McDondald's bestätigt auf Anfrage, dass der Anteil an Schweizer Rindfleisch in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen habe. Fleischverarbeiter Bell kümmert sich dabei am Standort in Oensingen SO um die Burger-Patties des US-Giganten. Wenn das Angebot aus der Schweiz knapp wird, weicht das Unternehmen auf Österreich aus.
Im vergangenen Jahr kam bei knapp einem Drittel der Patties österreichisches Rindfleisch zum Einsatz. Der Anteil schwankt seit 2016 zwischen rund einem Zehntel und weniger als einem Drittel der Gesamtmenge. 2024 verarbeitete McDonald's 5500 Tonnen Rindfleisch, aktuellere Zahlen gibt es nicht.
Mit der Fleischbeschaffung kämpft auch Konkurrent Burger King. Trotzdem setze der Fast-Food-Gigant zu 100 Prozent auf Schweizer Produktion. Der Engpass beim Schweizer Rindfleisch habe 2024 jedoch zu höheren Kosten geführt, erklärt eine Sprecherin. Diese habe man aber nicht auf die Kundschaft abgewälzt.
Coop und Denner erhöhen Importe
Nicht nur in der Systemgastronomie, auch im Detailhandel steigt der Anteil an ausländischem Fleisch. Coop war im vergangenen Jahr gezwungen, wegen der Verfügbarkeit auf mehr Importe zurückgreifen. Sowohl beim Rindshackfleisch, Kalb- als auch beim Schweinefleisch fand sich mehr Ware aus Österreich, den Niederlanden, Deutschland sowie aus dem Baltikum in den Regalen.
Denner bemerkt ebenfalls einen leichten Anstieg im Importbereich. Aktuell setzt der Discounter beim Rind, aber auch beim Poulet auf Produkte aus dem Ausland. Der Anteil aus der Schweiz ist beim Geflügel aber generell deutlich tiefer.
Beim orangen Riesen ist der Anteil an Importen 2025 dagegen stabil geblieben. Doch auch die Migros bestätigt: «Beim Rindfleisch ist die Nachfrage unserer Kundinnen und Kunden nach Edelstücken wie Filet, Huft und Entrecôte sowie Hackfleisch so hoch, dass wir einzelne Stücke und langfristig geplante Mengen zur Entlastung importieren müssen.»
Aldi und Lidl weichen ebenfalls auf Fleisch aus dem Ausland aus, wenn das Angebot aus der Schweiz die Nachfrage nicht deckt – dies unter anderem beim Rind- oder Pouletfleisch. Alle Detailhändler setzen wenn immer möglich auf Schweizer Produkte. Ausnahmen sind Delikatessen wie Angus-Rind.
Immer weniger Milchkühe
Doch warum sinkt der Kuhbestand in der Schweiz? «Bei den Bauern scheitert es oft an grösseren Investitionen oder am Generationenwechsel – viele hören dann auf», erklärt Werner Locher (72). Der pensionierte Landwirt setzt sich mit Big M, einem Zusammenschluss von Milchbauern, für faire Preise ein. Seinen Hof in Bonstetten ZH hat 2019 sein Sohn übernommen.
«Der Milchkuhbestand ist seit 2000 deutlich zurückgegangen, also gibt es auch weniger Kälber», so Locher. 2024 waren es gemäss dem Schweizer Bauernverband noch 674'393 Kühe – das sind über fünf Prozent weniger als noch im Jahr 2000. Diesen Februar wurde zudem der Richtpreis reduziert, da es ein Überangebot an Milch gibt. Die Kühe gaben 2025 wegen des guten Futters mehr Milch als im Vorjahr. Viele Bauern sehen sich deshalb gezwungen, ihre Kühe früher zu schlachten als üblich. Das wirkt sich aber negativ auf den Nachwuchs aus.
Wie der Bauernverband sieht es auch Locher: «Wenn die Zahl der Kühe und Kälber weiter zurückgeht, wird es langfristig knapp.»