Darum gehts
- Ebnat-Kappel SG verliert letzten Skilift wegen zu wenig Schnee
- Genossenschaft fehlen Mittel, Schnee reichte nur für 10 Betriebstage in der letzten Wintersaison
- Schneehöhenregelung sorgte für Konflikte mit Landeigentümern
Das Toggenburg verliert einen traditionsträchtigen Wintersport-Standort: In Ebnat-Kappel SG schliesst der letzte Skilift im Dorf, wie zuerst das «Toggenburger Tagblatt» berichtet hat. Der «Tanzboden», so der Name des kultigen Schleppers, war im letzten Winter gerade mal an zehn Tagen offen. Der wenige Schnee setzt dem Lift zu, schliesslich befindet sich die Talstation auf bloss 885 Meter über Meer. Der Genossenschaft, die sich 2011 gründete, um den letzten Lift noch zu retten, fehlen die Mittel für den Weiterbetrieb.
Der Genossenschaft sind sowohl Ideen als auch Geld ausgegangen. Man suchte lange nach neuen Partnerschaften oder Alternativen – erfolglos. «Das schmerzt zutiefst», sagte Patrick Zollinger (52), Präsident des Verkehrsvereins Ebnat-Kappel, gegenüber der Zeitung. Am Ende musste die Vernunft siegen, denn der wenige Schnee reichte einfach nicht aus.
Hoffnung für die Dorfkinder
Gegenüber Blick zeigt sich der Vereinspräsident dennoch hoffnungsvoll, dass die Dorfkinder weiterhin in Ebnat-Kappel Skifahren lernen können – so wie Familienvater Zollinger und seine Kinder früher auch. Ob sich die Dorfbevölkerung für ein solches Projekt mit ins Boot holen lässt? «Der Zusammenhalt im Dorf und die Bereitschaft an der Beteiligung an Gemeinschaftsprojekten sind durchaus gross», sagt Zollinger.
Für andere Wintersportarten sei das Gebiet Tanzboden schon gerüstet, wie Zollinger betont: «Ebnat-Kappel wird schon sehr lange für Tourenski- und Schneeschuhtouren genutzt.» Das Dorf kann durchaus mit seiner Lage punkten – sowohl bei Tagestouristen als auch bei Hotelgästen. Es ist gut mit dem ÖV erreichbar und liegt nahe zu den anderen Skigebieten talaufwärts im Toggenburg.
Dicke Luft um den Skilift
Das Toggenburger Skigebiet hat glanzvolle Zeiten hinter sich. In den 70er-Jahren gastierte der Weltcup-Zirkus in Ebnat-Kappel. Der Schweizer Olympiasieger Heini Hemmi (75) gewann den Riesenslalom am Girlen 1977 vor 30'000 begeisterten Fans. Zuletzt gab es um den «Tanzboden»-Schlepplift immer wieder heftigen Streit. Die Betreiber durften im vorletzten Winter den Skilift nicht in Betrieb nehmen – trotz perfektem Wetter und genügend Schnee. Entsprechend gross war der Frust.
Der Grund dafür lag in einer Vereinbarung aus dem Jahr 2011: Die Landeigentümer, über deren Grundstücke die Piste führt, hatten damals festgelegt, dass erst ab einer Schneehöhe von 40 Zentimeter – oder einer kompakten, geschlossenen Schneedecke von 20 Zentimeter – präpariert werden darf.
Da diese Vorgaben nicht erfüllt waren, stellten sich die Grundeigentümer quer. Die Familie Amacker, der das Land rund um die Talstation gehört, geriet ins Kreuzfeuer verärgerter Skifans. Sie wurden unter anderem als «Skiliftmörder» gebrandmarkt. Dennoch bestand sie aus Naturschutzgründen rigoros auf die Einhaltung der Regelung – obwohl in umliegenden Gebieten selbst bei weniger Schnee längst gefahren wurde. Jetzt steht der «Tanzboden»-Skilift für immer still.