Darum gehts
- Das Defqon-Festival in Biddinghuizen wurde wegen Gluthitze kurzfristig abgesagt
- Code Rot erstmals in den Niederlanden ausgerufen: Temperaturen bis 38 Grad führen zu Festivalschliessung
- Tickets werden erstattet, 35 Grad auch beim Openair St. Gallen erwartet
Dieses Wochenende sollten wieder Zehntausende das holländische Dorf Biddinghuizen unsicher machen. Wie jedes Jahr findet im Ort knapp eine Autostunde von Amsterdam entfernt das grosse Elektromusikfestival Defqon statt. Auf dem Areal des dortigen Freizeitparks sollten Partyhungrige ausgelassen feiern, singen und tanzen – eigentlich.
Dieses Jahr fällt das Event kurzfristig ins Wasser. Die Gluthitze macht den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. In Absprache mit den Behörden haben sie die Feier in der Nacht auf Freitag gestoppt – und das Knall auf Fall. So wurde am Donnerstag noch versucht, die Besucherzahl einzuschränken und so die Hitzebelastung zu minimieren. Dann rief der Wetterdienst jedoch die höchste Warnstufe aus: Code Rot – ein historisches Novum in den Niederlanden. Bis zu 38 Grad herrschen am Freitag, 34 Grad sollen es am Samstag werden. Das bedeutete das Ende für die verbleibenden Festivaltage.
«Das Unvorstellbare ist eingetreten»
Die Organisatoren geben die Nachricht auf Instagram bekannt. «Das Unvorstellbare ist eingetreten», schreiben sie im Post. Man sei von der Entwicklung «zutiefst erschüttert»: Die Besucher nach Hause schicken zu müssen, sei «das schlimmste Szenario». Und weiter: «Wir werden alle Tickets erstatten.»
Viele Festivalbesucher zeigen sich enttäuscht. Besonders die Kurzfristigkeit des Entscheids wird in der Kommentarspalte moniert. So schreibt jemand: «Was mich noch mehr ärgert, ist nicht nur die Absage an sich, sondern vor allem der Zeitpunkt dieser Entscheidung. Diese extreme Wetterlage kam nicht plötzlich und unerwartet.» Andere zeigen Mitgefühl: «Das ist für alle Beteiligten verheerend. Aber ich halte es auch für wichtig, sich vor Augen zu halten, dass Sicherheit immer an erster Stelle stehen muss.»
Dass die Sicherheit und Gesundheit der Besucher jederzeit oberste Priorität hat, betont auch das Open Air St. Gallen auf Anfrage von Blick. Dieses findet gerade zur selben Zeit statt. Auch in St. Gallen herrschen sengende Temperaturen, die sich nur wenig von der Gluthitze in den Niederlanden unterscheiden: Bis zu 35 Grad sollen es am morgigen Samstag werden. Das dürfte auch für die Feierlustigen in St. Gallen keine angenehme Angelegenheit werden.
Open Air nutzt umfunktionierte Schneekanonen
Da stellt sich die Frage: Gab es auch hierzulande Überlegungen einer Absage? «Nach aktuellem Stand sehen wir keinen Anlass, das Festival nicht durchzuführen», sagt eine Sprecherin zu Blick. Und weiter: «Eine Absage oder Verschiebung aufgrund der aktuellen Hitzesituation stand nicht zur Diskussion, da wir geeignete Massnahmen treffen können.»
Denn auch in St. Gallen war aufgrund der Hitze Umdenken – und Kreativität – gefragt. Dazu gehören laut der Sprecherin neben zusätzlichen Trinkwasserstellen, Wasserspendern und Kühlgeräten auch «drei bis vier Wasserzerstäuber». Ein Augenschein vor Ort zeigt: Damit gemeint sind Schneekanonen, die kurzerhand zu Wasserkanonen umfunktioniert wurden. «Wenn man sich da reinstellt, ist man binnen Sekunden pflotschnass», schlussfolgert eine Blick-Redaktorin vor Ort.