Darum gehts
- Die Imbissstände «Bistro & Grill am See» und «Imbiss Riviera» müssen wohl bald schliessen
- Die Betreiberinnen wehren sich mit allen Mitteln gegen den Entscheid der Stadt Zürich
- Insgesamt schaffen die beiden Betriebe zusammen rund zehn Arbeitsplätze
Tim Pallaska (59) steht hinter dem zischenden Grill einer Imbissbude am Zürichsee und verteilt eilig Bratwürste an eine vierköpfige Touristengruppe. Lange können sich hungrige Touristen und Einheimische wohl aber nicht mehr mit Cervelats, Pommes und Bürli vom Bistro & Grill am See an der Zürcher Quaibrücke eindecken.
Der Grund: Die Stadt Zürich – auf dessen Grundstück der Kiosk steht – will den Mietvertrag, den sie dem Familienbetrieb seit Jahrzehnten ausstellt, nicht verlängern. Das gleiche Schicksal droht auch dem bekannten Imbiss Riviera, direkt auf der gegenüberliegenden Seite der Brücke.
Die beiden Buden seien nach heutigen Vorschriften nicht mehr bewilligungsfähig, argumentiert der Stadtrat. Beispielsweise werden mehrere Arbeitsplatz-Auflagen verletzt – unter anderem fehlt eine Personalgarderobe. Auch müssten die Standorte am See einem öffentlichen Zweck statt privatem Erwerb dienen. Und die Imbisse stehen in einer sogenannten Freihaltezone.
«Kleinkarierte Schweiz bekomme ich am eigenen Leib zu spüren»
Pallaska bedient die Bistro-Gäste schon seit über 27 Jahren. Die Ereignisse setzen ihm zu, erzählt er. «Die Ungewissheit ist manchmal kaum auszuhalten. In meinem Alter finde ich keine neue Stelle mehr.»
Für die Begründungen der Stadt habe er absolut kein Verständnis. «Ich bin Kosovoalbaner. Und dachte eigentlich immer: ‹Die kleinkarierte Schweiz, das ist nur ein Stereotyp.› Jetzt bekomme ich das aber am eigenen Leib zu spüren.»
Betreiberinnen schlagen juristischen Weg ein
Kommt es hart auf hart, sind die beiden Imbissstände ab dem 1. Januar 2026 aus dem Zürcher Stadtbild verschwunden. Doch das wollen die Betreiberinnen Jolanda Greuter (54) und Gesualda Prati (40) nicht einfach so hinnehmen: Sie haben gemeinsam eine Aufsichtsbeschwerde gegen den verantwortlichen Stadtrat Daniel Leupi (60, Grüne) eingereicht.
Eine solche ist möglich, wenn der Verdacht besteht, dass der Stadtrat seine Pflichten verletzt oder Kompetenzen überschritten hat. Es ist ein letzter verzweifelter Versuch, den Entscheid anzufechten.
Anfang Oktober stimmte der Gemeinderat mit absoluter Mehrheit fünf Vorstössen zu, die die Rettung der Imbisse fordern. Eigentlich hätte der Stadtrat nun zwei Jahre Zeit, die Forderungen umzusetzen. Doch davon wolle dieser nichts wissen, lautet der Vorwurf der Aufsichtsbeschwerde, die Blick vorliegt. Da man davon ausgehe, dass die Stände bis in zwei Jahren ohnehin längst abgerissen sind, hätten sich die Vorstösse erübrigt. Dieses «Schaffen von Fakten» bemängelt die Aufsichtsbeschwerde als widerrechtlich.
Kompromiss-Angebot der Stadt bringt Fass zum Überlaufen
«Wir haben nicht gedacht, dass es tatsächlich so weit kommt», sagt Gesualda Prati im Gespräch mit Blick. «Aber die Stadt lässt uns keine andere Wahl. Wir lassen uns nicht einfach so vertreiben, ohne zu kämpfen.» Eine Sprecherin der Stadt Zürich sagt gegenüber dem «Tages-Anzeiger», man nehme die Aufsichtsbeschwerde zur Kenntnis. Weiter dazu äussern will sie sich nicht.
Den «Deckel glupft» habe es Prati auch wegen eines mittlerweile wieder zurückgezogenen Angebots: Die Stadt habe ihnen in Aussicht gestellt, ein Jahr länger bleiben zu dürfen – unter der Voraussetzung, dass sie sich weder politisch, juristisch noch öffentlich für einen Weiterbestand der Betriebe einsetzten.
In der Beschwerde wird auch betont, dass dies der letzte Weg sei, um die Zukunft der Angestellten zu sichern. Insgesamt schaffen die Betriebe zusammen rund zehn Arbeitsplätze. Eine letzte Hoffnung ist auch das Gesuch um Mietschlichtung, dass die beiden ebenfalls gestellt haben. Die Anhörung dazu findet am 9. Dezember statt.
Laut Betriebsleiter Pallaska mache sich auch die Kundschaft grosse Sorgen um die Zukunft der Bistros. «Die Arbeit lenkt mich glücklicherweise von meinem Gedankenkarussell ab», sagt er. «Bis ein Gast mich wieder darauf anspricht – und ich die düstere Botschaft verkünden muss.»