Darum gehts
- US-Notenbank hält Leitzins bei 3,5–3,75 %, erstmals unter Kevin Warsh
- Höchste US-Inflation seit drei Jahren: 4,2 % im Mai 2026
- Trump drängt Warsh auf Zinssenkung, trotz wirtschaftlicher Signale
Die US-Notenbank Federal Reserve hält den Leitzins stabil: Die Zinsspanne bleibt damit unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Das Gremium um den neuen Fed-Chef Kevin Warsh (56) beschliesst bei dessen erster Entscheidung also eine Zinspause.
Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Der Iran-Krieg hat die US-Teuerung in die Höhe getrieben. Im Mai war die Inflation in den Vereinigten Staaten auf 4,2 Prozent angestiegen – auf den höchsten Wert seit drei Jahren. Mit dem Deal zum Ende des Krieges sind die Ölpreise aber nun gefallen, die Renditen am US-Anleihemarkt auch. Der Druck, den Leitzins zu erhöhen, um gegen die Inflation anzukämpfen, ist nicht mehr ganz so stark.
Der neue Notenbankchef vor seiner ersten Probe
Kevin Warsh (56) belegt seit knapp einem Monat den Chefposten der mächtigsten Notenbank der Welt. Er war der Wunschkandidat von US-Präsident Donald Trump (80). Genau dieser macht Warsh den Job aber nicht einfach. Die wirtschaftliche Logik würde besagen, dass der Leitzins hochgeschraubt werden könnte: Die US-Wirtschaft wächst stark, die Konsumentenpreise steigen – und befeuern damit eben die Inflation. Höhere Zinsen würden da Gegensteuer geben. Doch Trump hat seit seiner Rückkehr ins Weisse Haus einen ganz anderen Wunsch: Er will einen niedrigeren Leitzins.
Trump hat sich Warsh händisch ausgesucht – als Ersatz für seinen Erzfeind Jerome Powell. Der Präsident hatte ihn mit der expliziten Erwartung auserwählt, dass er den Leitzins senken soll. Warsh ist auch grundsätzlich dafür: Er ist davon überzeugt, dass eine starke Produktivitätssteigerung durch KI mit der Zeit einen dämpfenden Effekt auf die Wirtschaft haben wird. Gleichzeitig betonte der neue Fed-Chef aber, er habe Trump keine Versprechen gegeben.
Vor dem Entscheid ist laut der Nachrichtenagentur Reuters unter manchen Analysten die Rede davon gewesen, dass Warsh gar keine eigene Meinung im Entscheid abgebe. Er belegt den Posten erst seit drei Wochen und dürfte deshalb den Leitzinsentscheid seinen Kollegen im Gremium überlassen haben. Damit könnte sich Warsh auch vor der Rache Trumps bewahren.