Darum gehts
- Baustellenchaos an der Zürcher Goldküste stört Pendler seit Wochewn massiv
- Unternehmer kritisiert mangelnde Koordination der Bauprojekte öffentlich auf Linkedin
- Fünf Engpässe betreffen Autofahrer, Bauarbeiten dauern bis Sommer 2027
Jeden Morgen das gleiche Bild: Mercedes GLC, BMW X3, Audi Q3 und Porsche Cayenne stehen Stossstange an Stossstange auf dem Weg von der Zürcher Goldküste Richtung Stadt. Was früher ein lästiges, aber berechenbares Ritual war, hat sich in den vergangenen Wochen zur echten Geduldsprobe entwickelt.
Aktuell trifft es die Pendler aus Küsnacht und Zollikon von mehreren Seiten gleichzeitig: Die Seestrasse in Küsnacht wird einspurig geführt, dasselbe gilt am Dufourplatz in Zollikon sowie an der Rotfluhstrasse beim Spital Hirslanden. Zudem sind mehrere Quartierstrassen gänzlich gesperrt. Fünf Engpässe, die Autofahrer zur Weissglut bringen.
«Leidtragende sind die Gewerbetreibenden»
Unternehmer und Immobilienmakler Claude Ginesta hat seinen Ärger auf Linkedin öffentlich gemacht: «Wenn es um Verkehr geht, wird gerne über die autofeindliche Stadt Zürich diskutiert. Aktuell zeigen jedoch Kanton Zürich sowie die Gemeinden Küsnacht und Zollikon, dass sie durchaus mithalten können.» Der Post trifft einen Nerv. «Zu den Hauptverkehrszeiten wird der Weg durch Zürich mittlerweile fast zur eigenen Disziplin», schreibt einer. Eine andere: «Man hätte die Koordination nicht schlechter machen können!» Selbst Velofahrer kommen kaum noch vernünftig von Küsnacht zum Bahnhof Stadelhofen. Ginesta macht auf die wirtschaftlichen Folgen aufmerksam: «Leidtragende sind einmal mehr die Gewerbetreibenden in der Stadt Zürich. Doch auch wir als Immobilienunternehmen haben mit deutlich höheren Pendlerzeiten und Verspätungen unserer Kunden für Termine zu kämpfen.»
Beim Tiefbauamt des Kantons hält man sich mit Mitgefühl zurück. Auf Anfrage heisst es trocken: Wer von der Goldküste mit Zug oder Bus unterwegs sei, habe schliesslich keinen längeren Arbeitsweg. Zur Häufung der Baustellen erklärt das Amt: «Der Zeitpunkt einer Baustelle liegt nicht allein in der Hand der Gemeinden oder des Kantons. Die Konzentration entstand aufgrund von Faktoren, auf die wir keinen Einfluss hatten – Einsprachen, Rad-WM –, sowie der Abhängigkeit von anderen zukünftigen Strassen- und Werkleitungsprojekten.»
Mit einigen dieser Baustellen müssen die Pendler noch bis zum Sommer nächsten Jahres leben. Ginesta hat seine persönliche Lösung längst gefunden: «Ich bin so dankbar, letzten Sommer ein E-Bike gekauft zu haben», sagt er – mit einem Augenzwinkern.