Darum gehts
- Berner Buchhandlung sorgt mit Geschlechterpreisen für Kritik
- Männer zahlen am meisten, was Blick-Leserreporterin als diskriminierend empfindet
Eine Blick-Leserin traut ihren Augen kaum: Im Schaufenster der Buchhandlung Queerbooks an der Herrengasse 30 in Bern entdeckt sie ein Preisschild, das sie irritiert und dann Empörung bei ihr auslöst. Denn die Preise für das Buch «Control your Emotions – Control the Game» sind unterschiedlich – je nach Geschlecht und sexueller Identität: «Cis-Frauen» zahlen 2.50 Franken, «Cis-Männer» aber 2.90 Franken, wie das Schild ausweist. Für trans und nicht-binäre Personen ist das Büchlein gratis.
«Ich war schockiert», sagt die 31-jährige Leserin zu Blick. Und weiter: «Ich finde es unglaublich, Preise festzulegen, je nachdem, ob man trans ist, eine Frau oder ein Mann.» Besonders, dass die Männer am meisten zahlen müssen, stösst ihr sauer auf: «Wäre es andersherum, also gratis für Männer und am teuersten für trans Menschen, wäre der Aufschrei über Diskriminierung massiv», findet sie.
Marginalisierte Gruppen «bezahlen im Alltag»
Wie erklärt die Buchhandlung in der Berner Altstadt die unterschiedlichen Preise? Auf Anfrage von Blick teilt Buchhändlerin Milena Leutert (30) mit, dass die Preisstruktur die Pointe des Büchleins wiedergebe. Die Männerwitze sollen einen Kontrast zu traditionellen Frauen- oder Blondinenwitzen herstellen. Sie zitiert die Rückseite des Buches: «Fiktive Witze sind zum Lachen, reale Lohnunterschiede zum Weinen.» Die Buchhändlerin führt weiter aus: «Einheitliche Preise für alle machen aufgrund der grossen Lohnunterschiede eigentlich sowieso wenig bis gar keinen Sinn – sind also in dem Sinne auch ein schlechter Witz.» Der Preisunterschied für Männer und Frauen entspricht darum der vom Bund ausgewiesenen Lohndifferenz von 16 Prozent zwischen den zwei Geschlechtern.
Und warum ist das Witzbuch für trans und nicht-binäre Menschen gratis? «Sie bezahlen im Alltag ohnehin einen viel zu hohen Preis für den binären Sexismus», sagt Leutert zu Blick. Und: «Die Preisgestaltung liegt in diesem Fall in der künstlerischen Freiheit der Autorinnen und Autoren, die es sich ausgedacht haben.»
Unterschiedliche Preise sollen Diskussion anregen
Der Buchladen hat diese Idee übernommen, um «mit den unterschiedlichen Preisen Dialoge über die realen Lohnunterschiede, Sexismus und Transfeindlichkeit zu eröffnen». Und weiter: «Ausserdem dürfte es auch einige Leute zum Schmunzeln gebracht haben», so Leutert. Die verschiedenen Preise seien mit einem Augenzwinkern zu verstehen.
Das Vorgehen ist eine Ausnahme. Für alle anderen Bücher seien die Preise für alle Geschlechter gleich, betont Leutert. Sie hätten auch noch keine Beschwerden von Kundinnen und Kunden erhalten. Und an der Kasse frage man auch nicht nach der Geschlechtsidentität: «Eine kurze Frage, welcher Preis für das Büchlein bezahlt werden möchte, reicht.»