Darum gehts
- Euroairport Basel schliesst Hauptpiste vom 15. April bis 21. Mai
- Easyjet bleibt einziger Anbieter, Ticketpreise steigen um bis zu 1000 Prozent
- Nur 29 statt 110 Destinationen, 97 Prozent des Verkehrs betroffen
Wer im Frühling ab dem Euroairport Basel fliegen will, braucht starke Nerven – und ein dickes Portemonnaie. Vom 15. April bis zum 20. Mai – also auch mitten in den Frühlingsferien – wird der Flugplan massiv zusammengestrichen. Statt der üblicherweise 110 Destinationen bleiben während fünf Wochen gerade noch 29 übrig.
Der Grund: Der Flughafen im Dreiländereck schliesst vom 15. April bis zum 21. Mai seine Hauptpiste wegen einer dringend notwendigen Sanierung. Die grosse Start- und Landebahn wird komplett erneuert. Aktuell wickelt der Flughafen 97 Prozent seines Flugverkehrs über die vier Kilometer lange Hauptpiste ab.
Nur die kurze Querpiste bleibt offen
Während der Bauphase müssen Flüge über die deutlich kürzere Querpiste abgewickelt werden. Die ist aber nur 1715 Meter lang, ein Instrumentenlandesystem hat sie nicht. Starts und Landungen sind deshalb nur bei guten Sichtbedingungen möglich. Und auch nur in eine Richtung. Der Flughafenbetrieb wird stark eingeschränkt, ist nur noch von 8 bis 19 Uhr möglich, wie die «BZ Basel» berichtet.
Für die Airlines lohnt sich das kaum noch. Viele Gesellschaften haben ihre Flüge deshalb ganz gestrichen. Faktisch bleibt nur eine übrig: Easyjet, mit einem Marktanteil von 55 Prozent klar die Nummer eins in Basel. Der Billigflieger wird während der Bauphase zum Quasi-Monopolisten in Basel. Sechs Airbus A320neo sind dann in Basel stationiert. Normalerweise sind es deren zwölf.
Von 50 auf fast 600 Euro
Das macht sich bei den Preisen bemerkbar. Eine Auswertung der «BZ Basel» mit Buchungstag 3. März zeigt: Auf beliebten Strecken steigen die Ticketpreise während der Pistensperre teilweise massiv. Besonders krass ist es auf der Ferienroute nach Palma de Mallorca. Anfang März sind One-Way-Tickets noch für 50 bis 110 Euro zu haben. Anfang Mai steigen die Durchschnittspreise auf über 250 Euro, Mitte Mai sogar auf 400 Euro. Einzelne Flüge kosten bis zu 594 Euro für einen einfachen Flug. Das sind 1000 Prozent mehr!
«Der höhere Preis ist vor allem darauf zurückzuführen, dass wir während der Zeit der Pistensperrung nur etwa 20 Prozent unseres normalen Flugprogramms durchführen können, während die Nachfrage der Kunden weitgehend unverändert bleibt», sagt ein Easyjet-Sprecher zu Blick. In einigen Fällen sei die Nachfrage sogar höher. «Da wir in diesem Zeitraum zu den wenigen Airlines gehören, die weiterhin Flüge anbieten.» Ziel sei es, auch während der Umbauphase ein möglichst stabiles und verlässliches Flugangebot aufrechtzuerhalten.
Auch auf anderen Strecken ziehen die Preise deutlich an. Nach Barcelona etwa klettern die Durchschnittspreise während der Sperre von 60 Euro auf bis zu 220 Euro. Flüge nach London-Gatwick kosten statt 35 bis 70 Euro plötzlich 170 Euro. Selbst nach Hamburg steigen die Preise zeitweise auf 175 Euro. Nach Abschluss der Bauarbeiten sinken die Tarife wieder deutlich. Viele Flüge kosten dann wieder 50 bis 70 Euro.
«Das kostet uns ein Vermögen!»
Der Euroairport ist ein zentraler Knotenpunkt für Easyjet. Nicht nur für Anschlussflüge in europäische Städte, sondern zunehmend auch für längere Ferienreisen. Easyjet-Chef Kenton Jarvis schmeckt die Pistensanierung deshalb gar nicht. «Für die Passagiere ist das ein Desaster, und es ist bedauerlich, dass sich der Flughafen in diese Lage manövriert hat», sagt er im Sommer 2025 in einem Interview mit der «Handelszeitung». Und fügt an: «Das kostet uns ein Vermögen.» Basel sei nicht der einzige Flughafen mit nur einer Piste in Europa. «Jeder andere Flughafen schafft es, solche Arbeiten in der Nacht durchzuführen und den Flughafen tagsüber offen zu halten», kritisiert er.