Darum gehts
- Malta hat die niedrigsten Treibstoffpreise Europas – dank staatlicher Preisbindung
- Diesel kostet 1,21 Euro pro Liter, Benzin 1,34 Euro pro Liter
- 2026 sind 400 Millionen Euro für Energiekostensubventionen budgetiert
Malta zählt seit Jahren zu den Ländern mit den günstigsten Kraftstoffpreisen in Europa. Dies ist jedoch kein Zufall und kein Marktwunder, sondern das Ergebnis einer konkreten staatlichen Politik und Marktstruktur. Im Gegensatz zu den meisten anderen EU-Ländern legt Malta die Kraftstoffpreise administrativ fest.
Die Regierung «friert» die Spritpreise praktisch ein – und verhindert so, dass sie bei plötzlichen Preissprüngen auf den globalen Ölmärkten steigen. Vor Ort kostet ein Liter Benzin 1,34 Euro, während Diesel mit 1,21 Euro pro Liter noch günstiger ist – der niedrigste Preis in Europa.
Worauf basiert Maltas Wirtschaft?
Um das Leben auf Malta zu verstehen, genügt ein Blick auf die Wohnkosten. Die Miete für eine kleine Wohnung liegt selten unter 1000 Euro pro Monat, was das Inselparadies zu einem der teureren Wohnorte Europas macht. Hohe Gehälter in bestimmten Branchen gleichen die hohen Lebenshaltungskosten jedoch etwas aus. Viele Malteser arbeiten für multinationale IT-Unternehmen oder als Anwälte oder Notare, was einen höheren Lebensstandard und finanzielle Stabilität ermöglicht.
Malta ist zudem dafür bekannt, aussergewöhnlich sicher und gut organisiert zu sein – Faktoren, die das Land sowohl für Einwohner als auch für Unternehmen attraktiv machen. Die Wirtschaft ist offen für ausländische Investitionen – insbesondere im IT-Bereich, aber auch in anderen Branchen. Als «Hollywood des Mittelmeers» bekannt, zieht Malta dank Steuervergünstigungen von bis zu 40 Prozent zahlreiche internationale Filmproduktionen an. Das Land verfügt zudem über eine gut entwickelte Pharmaindustrie und produziert medizinische Geräte sowie elektronische Bauteile. In Fabriken werden Chips für Smartphones und Laptops hergestellt, was Maltas technologisches Potenzial unterstreicht.
Gleichzeitig bewahrt die Insel ihre einzigartigen Traditionen, vom lokalen Bier bis zum berühmten alkoholfreien Getränk Kinnie, das für seinen bittersüssen Orangengeschmack bekannt ist. Orangen sind seit Jahrhunderten ein Symbol Maltas – einst waren sie begehrte Geschenke an europäische Höfe, darunter auch an die britischen Königinnen Victoria und Elizabeth.
Wie schafft es Malta, den Treibstoff so billig zu halten?
2020 hat die maltesische Regierung die strategische Entscheidung getroffen, die weltweiten Energiepreissteigerungen vollständig abzufedern. Die Kraftstoffpreise wurden praktisch eingefroren. Alleine für dieses Jahr ist ein Budget von über 400 Millionen Euro zur Subventionierung der Energie- und Kraftstoffkosten vorgesehen, um die Bürger und die Wirtschaft zu schützen. Das bedeutet, dass maltesische Autofahrer bei steigenden Ölpreisen die Auswirkungen nicht sofort an der Zapfsäule spüren. Malta stützt sich auf langfristige Kaufverträge (Hedging), um Energie zu festen Preisen zu sichern und das Land so vor Marktschocks zu schützen, wie es sie jetzt durch den Iran-Krieg gegeben hat. So profitiert Malta beispielsweise von einem günstigen Vertrag mit Libyen.
Die Regierung finanziert diese Subventionen aus Einnahmen aus anderen Sektoren wie dem Finanzdienstleistungssektor und dem Tourismus. Bemerkenswert ist der breite politische Konsens über diesen Ansatz – sowohl die Regierungspartei als auch die Opposition betrachten diese Subventionen als «nationale Pflicht» – trotz Kritik seitens der Europäischen Kommission, die aufgrund von Haushaltsdefizitregeln und Umweltbedenken auf eine schrittweise Abschaffung drängt.
Drehort weltberühmter Filme und Serien
Mit über 300 Sonnentagen im Jahr hat sich Malta zu einem beliebten Reiseziel entwickelt, das Geschichte und modernen Tourismus miteinander verbindet. Die Hauptstadt Valletta, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, bietet eine Mischung aus barocker Architektur und Luxus. Mdina, die «stille Stadt», ist weltberühmt als Drehort für Blockbuster wie «Gladiator» und «Game of Thrones». Neben kulturellen Sehenswürdigkeiten bietet die Insel verborgene Schätze wie die Victoria Lines, bekannt als die «Grosse Mauer von Malta».
Das wirtschaftliche Potenzial von Malta spiegelt sich auch in der Gastronomie und im Weinbau wider, wo sich die Tradition der Honig- und Weinherstellung aus einheimischen Rebsorten wie Girgentina mit modernen Michelin-Restaurants verbindet. Ob bei der Erkundung des prähistorischen Hypogäums oder der türkisfarbenen Lagunen von Gozo – Malta bietet eine ideale Balance aus aktiver Freizeitgestaltung und Investitionsmöglichkeiten im Herzen des Mittelmeers.
Dieser Artikel erschien zuerst auf Blic. Die serbische Newsplattform gehört wie Blick zum Ringier-Verlag.