Darum gehts
- Spritpreise in der Schweiz steigen wegen Spannungen im Iran-Konflikt
- 36 Prozent der Befragten wollen sich auch bei einem Preis von 2.20 CHF/Liter hinters Steuer setzen
- Über 6700 Teilnehmende bei Umfrage, 29 Prozent wollen ab 2.50 CHF/Liter umsteigen
Der Iran-Krieg macht sich weiterhin an den Zapfsäulen bemerkbar. Die Spritpreise steigen, während gleichzeitig erste Warnungen vor möglichen Lieferengpässen laut werden. Besonders im Fokus steht die wichtige Ölroute durch die Strasse von Hormus: Sollte sie länger blockiert bleiben, könnten laut Prognosen schon bald auch Europa und damit die Schweiz betroffen sein.
Offiziell gibt man sich in Bern noch gelassen. Die Versorgung mit Mineralölprodukten sei aktuell gesichert, heisst es beim Bund. Dennoch wird die Lage genau beobachtet. Kurzfristig drohen vor allem weiter steigende Preise, während echte Engpässe vorerst ausbleiben dürften.
Wo liegt die Schmerzgrenze?
Die steigenden Preise lassen viele Autofahrer dennoch aufhorchen. Bei der Frage nach ihrer persönlichen Spritpreis-Grenze zeigt sich unsere Leserschaft gespalten, ein klarer Kipppunkt wird jedoch sichtbar. In unserer Leserumfrage mit über 6700 Teilnehmern entfallen die meisten Stimmen mit 36 Prozent auf jene, die bei rund 2.20 Franken pro Liter am Auto festhalten, auch wenn es schmerzt.
Fast gleich viele, nämlich 35 Prozent, sehen bereits die Zwei-Franken-Marke als kritische Schwelle, mit der in den nächsten Tagen gerechnet werden muss. Auffällig ist aber: Für 29 Prozent ist bei 2.50 Franken Schluss – sie würden dann auf den öffentlichen Verkehr umsteigen.
Forderungen nach Intervention
Auch in unserer Kommentarspalte wird heftig über steigende Spritpreise diskutiert. Besonders die Rolle des Bundes sorgt für kontroverse Meinungen: Viele Leser sehen nicht nur den Weltmarkt als Problem, sondern fordern politisches Handeln.
Leser Sven Garry ist einer davon: «Ein grosser Teil des Benzinpreises sind Steuern. Der Bund soll endlich seine Steuern zurückfahren, wie andere Länder. Natürlich sieht der Bund keinen Handlungsbedarf, er kassiert mit. Jeder Politiker sollte schon längst auf die Barrikaden gehen, um endlich die Steuern runterzufahren!»
Auch Daniel Schnyder sieht Handlungsbedarf beim Staat: «Es wäre langsam, aber sicher an der Zeit, dass der Bund die Treibstoffsteuern senkt. Die Österreicher können das und deren Staat ist viel höher verschuldet als die Schweiz.»
Sabrina Keller findet ähnliche Worte: «Es reicht nicht, einfach abzuwarten und zu beobachten. Die Preise steigen täglich, und viele Haushalte spüren das im Portemonnaie. Der Bund müsste jetzt eingreifen, sei es durch eine Senkung der Treibstoffsteuern oder die gezielte Freigabe von Reserven. Wer die Verantwortung auf den Weltmarkt schiebt, übersieht, dass auch wir hier vor Ort Handlungsspielräume haben.»
Differenzierte Perspektiven
Auf der anderen Seite gibt es aber auch Stimmen, die die Aufregung relativieren. So schreibt Leser Michael Schnegg: «Seit wann ist der Bund für billigen Treibstoff zuständig? Und warum sollte der Endverbraucher-Verbrenner leiden? Wenn die Kohle für die Erdöl-Plörre nicht ausreicht, muss man eben die Karre stehenlassen. Verbrenner fahren ist seit jeher freiwillig. Ich fühle mich bei diesem traumhaften Wetter im ÖV und auf dem Velo sehr wohl.»
Pragmatisch argumentiert Alonso Pedro Carvalho Varela: «Das mit den Benzinpreisen wird total übertrieben. Ich verstehe das Gewerbe natürlich. Aber für den Tagespendler macht das kaum was aus. Vielleicht 20 Franken pro Woche.» Klar fehle dieses Geld irgendwo, aber man habe jeden Tag die Möglichkeit, irgendwo einzusparen. «Wirklich hart getroffen werden wahrscheinlich nur solche, die jeden Monat kaum über die Runden kommen.»
Lukas Frei betont die globalen Zusammenhänge: «Natürlich spüren wir alle die steigenden Spritpreise, und es ist verständlich, dass viele den Bund in die Verantwortung nehmen. Gleichzeitig muss man aber nüchtern betrachten: Die Hauptursache liegt auf dem Weltmarkt, bei geopolitischen Spannungen und der Volatilität der Rohölpreise.» Der Bund könne zwar steuerlich entlasten, steuere aber nicht den globalen Ölpreis. «Wer auf Panikmache oder einfache Schuldzuweisungen setzt, übersieht die komplexen Zusammenhänge, die hinter den Zapfsäulenpreisen stehen», ergänzt er.