Berufsbildungszentrum in Thun
Berner Bildungsamt stellt Direktor ein – trotz Mobbing-Warnungen

Bei der bernischen Bildungsdirektion ging vor dem Stellenantritt des neuen Direktors am Berufsbildungszentrum IDM in Thun eine Warnung ein. Sie wurde ignoriert. Nun ist der Direktor weg, und die Behörden mauern.
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Das IDM in Thun: Adrian Schmidlin (Name geändert) erhielt trotz Warnungen den Direktionsposten.
Foto: Michael Gurtner/Tamedia

Darum gehts

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Thomas Angeli
Beobachter

Am 19. Januar 2026 informierte die bernische Kantonsverwaltung per Medienmitteilung über eine «Restlos Geniessen Challenge», einen neuen Strassenbelag in Spiez und eine Strassensanierung in Lyss. Eine Personalie aus Thun, die an diesem Tag publik wurde, war hingegen keine Zeile wert: Adrian Schmidlin, der Direktor des Berufsbildungszentrums IDM, war nicht mehr auf seinem Posten.

Artikel aus dem «Beobachter»

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Schmidlin, der eigentlich anders heisst, habe ihn «im gegenseitigen Einverständnis» geräumt, bestätigte das Amt eine Meldung des regionalen Onlinemediums «Plattform J» lediglich. Dieses berichtete von einem «Problem mit Nähe und Distanz» zu weiblichen Mitarbeitenden und dass zwei Frauen länger krankgeschrieben gewesen seien. 

Amt war vorgewarnt

Nun zeigen Recherchen des «Beobachters»: Das zuständige Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA) war noch vor Schmidlins Stellenantritt am 1. September 2024 gewarnt worden. Und zwar weil es an seiner früheren Wirkungsstätte am Bundesamt für Sport (Baspo) in Magglingen Probleme gegeben habe und deswegen eine Untersuchung durchgeführt werde.

Was bei dieser Untersuchung zutage treten würde, war zum Zeitpunkt von Schmidlins Stellenantritt noch ungewiss. Es bestand also die Gefahr, dass man einen Direktor angestellt hatte, der nicht tragbar war.

Vergiftetes Arbeitsklima am Baspo

Mobbing, Drohungen und eine Atmosphäre der Angst: Ein bislang unbekannter Bericht zum Arbeitsklima am Bundesamt für Sport (Baspo) listet zahlreiche Vorwürfe auf – und wischt sie beiseite. Lesen Sie hier den ersten Teil der Beobachter-Recherche: «Im Baspo herrschte eine Kultur der Angst».

Mobbing, Drohungen und eine Atmosphäre der Angst: Ein bislang unbekannter Bericht zum Arbeitsklima am Bundesamt für Sport (Baspo) listet zahlreiche Vorwürfe auf – und wischt sie beiseite. Lesen Sie hier den ersten Teil der Beobachter-Recherche: «Im Baspo herrschte eine Kultur der Angst».

Vorwurf an Betroffene: Amtsgeheimnisverletzung

Das MBA schlug die Warnung in den Wind. Im Sommer 2025 kündigte eine Stabsmitarbeiterin. Sie hatte sich wegen der belastenden Situation an das MBA gewandt und sogar eine Aufsichtsbeschwerde verfasst, ohne dass die bernische Bildungsdirektion eingriff. Die Gründe für ihren Abgang teilte die Mitarbeiterin in geraffter Form der erweiterten Schulleitung mit – was beim MBA gar nicht gut ankam.

Solche Informationen würden unter das Amtsgeheimnis fallen, schrieb der stellvertretende Amtsleiter Alexander Lees an die erweiterte Schulleitung. Dadurch werde «der Schulbetrieb gefährdet». Das MBA blieb weiterhin passiv. «Als wir nach den Sommerferien wegen der Vorwürfe schriftlich beim MBA vorstellig wurden, beschied man uns, man behandle diese korrekt und werde sie gemäss den Vorgaben des Kantons aufarbeiten», schildert Anna-Katharina Zenger von der Gewerkschaft Bildung Bern.

Erst als das Schulleitungsgremium Adrian Schmidlin explizit das Vertrauen entzog, entschloss man sich beim Amt zum Handeln. Wie schon knapp zwei Jahre zuvor das Baspo gab das MBA Ende November eine externe Untersuchung über die Führungskultur in Auftrag – mit Schmidlins Einverständnis, wie dieser betont. 

Die Vorwürfe gegenüber Schmidlin in Thun klingen sehr ähnlich wie diejenigen zuvor in Magglingen: Druck, Drohungen und ein nicht tolerierbares Verhalten insbesondere gegenüber weiblichen Angestellten. Dies sei «schlicht unwahr», schreibt Schmidlin in einer schriftlichen Stellungnahme: «Nie während meiner Laufbahn ist mir ein derartiges Verhalten angelastet worden.» 

Akteneinsicht verweigert

Parallel dazu verhandelte das MBA jedoch mit dem ungeliebten Direktor über dessen Abgang. Er habe dies selbst angeboten, betont Schmidlin. Danach wurde die Untersuchung stillschweigend abgebrochen: «So verbleiben die einzelnen Vorwürfe im luftleeren Raum», schreibt Schmidlin. 

Das MBA schweigt zur ganzen Sache. Via die Kommunikationsstelle des Kantons lässt das Amt lediglich ausrichten, dass Schmidlin keine Abgangsentschädigung erhalten habe. Eine Einsicht in die entsprechenden Akten verweigert das MBA. Der «Beobachter» hat die Verfügung nun angefochten, um deren Herausgabe zu erreichen.

Quellen
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