Darum gehts
Die hohen Preise von Bleifrei 95 und Diesel nehmen vielen Schweizerinnen und Schweizer grad die Freude am Autofahren. Seit Ausbruch des Iran-Krieges vor etwas mehr als einem Monat sind die Preise an den Zapfsäulen etwa beim Diesel um fast 25 Prozent gestiegen. Trotz des Waffenstillstandes dürften die Preise noch tagelang ausserordentlich hoch bleiben. Bis die Anbieter die Preise wieder senken, dauert es erfahrungsgemäss eine Weile. Das nervt – und belastet das Portemonnaie.
Ganz andere Sorgen haben die Bewohnerinnen und Bewohner von Simplon Dorf VS. Sie haben nämlich Angst, dass die einzige Tankstelle im Ort ganz verschwindet, wie der «Walliser Bote» berichtet. Die Tankstelle aus den 50er-Jahren steht neben dem Hotel Fletschhorn – und ist wohltuend aus der Zeit gefallen. Zwei Zapfsäulen und ein winziges Kassenhäuschen, mehr brauchts nicht. Mit Karte oder Twint bezahlen kann man nicht. Diesel oder Bleifrei 95 gibts nur gegen Bargeld. Wer ausserhalb der Öffnungszeiten einen leeren Tank hat, der kann einfach bei Walter Escher anrufen. Er führt das Hotel zusammen mit seiner Frau Roswitha (66) in fünfter Generation – und ist seit Jahren für die Tankstelle zuständig.
10 Kilometer bis zur nächsten Zapfsäule
Vor allem Bauern und Einheimische tanken hier regelmässig, im Sommer auch Touristen. Kein Wunder: Die nächstgelegenen Tankstellen befinden sich im zehn Kilometer entfernten Gondo VS oder in Brig-Glis VS – 30 Kilometer weit weg. Darum war die Aufregung gross, als bekannt wurde, dass das Hotel Fletscherhorn in eine neue Betriebsgesellschaft überführt wird. Jetzt beruhigt Roswitha Escher die Betroffenen. «Wir halten vor allem wegen der Bauern hier im Dorf an unserer Tankstelle fest», sagt sie dem «Walliser Boten». Ihr Mann Walter kümmere sich weiter um die Tankstelle, eine der ältesten des Landes.
Die Schweiz hat eines der dichtesten Tankstellennetze Europas. Aktuell gibts stolze 3300 Tankstellen. Experten gehen allerdings davon aus, dass bis 2035 bis zu 25 Prozent der heutigen Standorte schliessen könnten. Der Grund: Wegen der Zunahme von Elektroautos sinkt die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen. So ist 2025 die Zahl der Tankstellen mit mindestens einer Schnellladestation von 233 auf 322 gestiegen, wie neuste Zahlen des Verbands Avenergy, der früheren Erdöl-Vereinigung, zeigen. Die Walliser Kult-Tankstelle wird zumindest noch ein Weilchen überleben – auch ohne E-Ladestation.